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Einbrecher aus dem Netz:Cyberkriminalität nimmt deutlich zu

Auch Fälle von Datendiebstahl werden angezeigt. Die Kripo Erding setzt jetzt besonders stark auf Prävention.

Die Cyberkriminalität nimmt rasant zu, der aktuelle Datendiebstahl bei Politikern und Prominenten ist nur ein Beispiel dafür. Die Maschen der Täter ändern sich ständig, immer muss die Polizei rasch reagieren und die Bürger warnen. Am häufigsten ist der Warenbetrug, sagt Hans-Peter Kammerer, Leiter der Pressestelle im Polizeipräsidium Oberbayern Nord. Die Kunden bestellen, zahlen und bekommen ihre Ware nicht. 641 Internetdelikte im Jahre 2017 zählte die Polizeidirektion Erding, die für die Landkreise Ebersberg, Erding und Freising zuständig ist. Davon fallen 483 Straftaten unter den Begriff Netzbetrügereien. Obwohl die Zahlen für das vergangene Jahr noch nicht ausgewertet sind, sei jetzt schon allein im Einsatzgebiet der Polizeiinspektion Ebersberg ein Anstieg der Internetdelikte "sehr deutlich" erkennbar, sagt Polizeioberrat Kammerer.

Auch Heiratsschwindler sind mittlerweile online

Besonders hohe Summen ergaunern Betrüger beim sogenannten Romance Scam. Über Singlebörsen werden Kontakte geknüpft, es wird Vertrauen gewonnen und Liebe vorgegaukelt. Kammerer berichtet von einer Frau, die bereit war, einem ihr unbekannten Mann einen fünfstelligen Betrag zu zahlen. Der Mann hatte ihr vorgespielt, in einer finanziellen Notlage zu sein. Die Frau hatte Glück; bei der Übergabe konnte der Betrüger festgenommen werden.

Ein für das Polizeipräsidium Oberbayern Nord relativ neues Phänomen ist laut Kammerer der Betrug mit binären Optionen. Kriminelle manipulieren Aktienkurse im Internet und zocken Gutgläubige mit Scheinwetten oder Kryptowährungen ab. Anfang des Jahres verloren betrogene Anleger in Ingolstadt 70 000 Euro. Ein generelles Misstrauen gegenüber Angeboten im Internet, die hohe Gewinne versprechen, sei angeraten, unterstreicht Kammerer.

Auch in den Landkreisen Ebersberg, Erding und Freising hat man mit Datendiebstahl zu tun. Laut Statistik wurden in 47 Fällen private Daten ausgespäht oder manipuliert. Ein Grund, warum die Polizei vorbeugend aktiv ist und Sicherheitsvorkehrungen predigt: Passwort regelmäßig ändern, Software aktualisieren, aktuelle Virensoftware nutzen, keine Anhänge öffnen, die man nicht kennt.

Anleitungen zum Hacken gibt es massenhaft im Internet

Mit Prävention und Aufklärung könne man nicht früh genug anfangen, sagt zum Beispiel Kriminalhauptkommissar Walter Schollerer. Der junger Hacker, der die privaten Daten der Politiker ausspähte, hätte auch jünger als 20 Jahre sein können. Im Internet, sagt Schollerer, finde man nicht nur Tutorials für die Waschmaschinenreparatur, sondern auch Anleitungen zum Hacken und zum Daten ausspähen. So etwas würden junge, computeraffine Menschen sehr schnell herausfinden. Schollerer weiß, wovon er spricht. Er war 20 Jahre lang Jugendbeamter in Freising. Jetzt ist er bei der Kriminalpolizeiinspektion Erding zuständig für verhaltensorientierte Prävention und Einbruchsschutz. Zu seinen Aufgaben gehört auch die Lehrerfortbildung. Schollerer macht Pädagogen zu Medienscouts und Netzpiloten. Und auch Schüler, die ihr Wissen wiederum an Mitschüler weitergeben sollen.

Ziel ist, den Nachwuchs dafür zu sensibilisieren, Handys und Computer zu schützen. Und ein Bewusstsein zu schaffen, welche Daten man ins Netz stellt. Manchmal erschrickt Schollerer, wenn er sieht, wie unbedarft die Gesellschaft mit dem Internet umgeht. Manche würden sich in sozialen Medien öffentlich echauffieren und Plattformen nutzen, deren Server im Ausland liegen. Es würden munter Apps heruntergeladen, freizügig mit eigenen Daten umgegangen.

Die Beratungsstelle der Kriminalpolizeiinspektion Erding ist für die Landkreise Ebersberg, Erding und Freising zuständig und über Telefon (08122) 968-0 erreichbar.