Egmating Und noch ein Windpark

Das Thema ist sensibel: Wo sollen im Landkreis Windkrafträder gebaut werden? Eine Studie kommt nun zu dem schluss, dass in Egmating zwei Standorte für sechs Rotoren in Frage kommen.

Von Martin Mühlfenzl

In die Diskussion um Standorte für Windkraftanlagen im Landkreis kommt neue Bewegung. Zwei mögliche Areale auf dem Gebiet der Gemeinde Egmating eignen sich zur Errichtung von Windkraftanlagen. Dies geht aus einem Gutachten der Projektentwicklung Erneuerbare Energien der Münchner Stadtwerke hervor, das der Gemeinderat in Auftrag gegeben und am Dienstabend in öffentlicher Sitzung vorgestellt hat.

Mit Beginn der Präsentation versucht Bürgermeister Ernst Eberherr (CSU/FWG) der sensiblen Thematik gerecht zu werden. "Wir haben hier nur eine Datensammlung. Es gibt keinen Beschluss, keine Absprachen, keine aktiven Planungen", betont der Rathauschef und erinnert mahnend an jene hitzigen Auseinandersetzungen, die der geplante Windpark im Ebersberger Forst hervorgerufen hat: "Das wollen wir vermeiden. Unser Ziel ist es, alle Bürger mitzunehmen - egal welche Meinung sie haben."

Eberherr positioniert sich dennoch und spricht sich grundsätzlich für Windkraftanlagen auf Egmatinger Gemeindegebiet aus: "Meine Bereitschaft ist vorhanden, wenn die Wirtschaftlichkeit gegeben ist. Dann kann es sehr schnell gehen."

In einer ersten Bewertung haben die Stadtwerke fünf bis sechs potenzielle Standorte auf dem Gemeindegebiet ausgemacht. Angelehnt an die vom Landkreis im Jahr 2009 in Auftrag gegebene Studie hat die Projektentwicklung drei Areale untersucht - unter Berücksichtigung der Mindestabstände zu Siedlungen sowie der bestehenden militärischen Tiefflugzone im Süden. Dabei schließt das Gutachten die Errichtung von Windrädern im Westen der Kommune an der Gemeindegrenze zu Aying aus. Die intensive Bewaldung und niedrige Höhe des Areals verhinderten dort optimale Strömungsbedingungen.

Für den Standort Egmating Ost am Obermaierberg konzediert das Gutachten bessere Windverhältnisse - aufgrund der topographischen Begebenheiten: Windkraftanlagen würden dort auf etwa 620 Meter errichtet. Respektive eine Anlage: Denn die SWM halten am Obermaierberg nur ein Windrad für realisierbar.

Die besten Bedingungen attestieren die Stadtwerke dem Standort Egmating-Mitte am Kaltenbrunner- und Sulzschlag. Eine vorgelagerte Erhebung mit mittleren Strömungsbedingungen haben die Prüfer ermittelt. Bis zu sechs Windräder könnten hier mit einer Nabenhöhe von bis zu 148 Meter in den Himmel ragen. Die geplanten Anlagen im Ebersberger Forst weisen eine Höhe von bis zu 130 Meter auf.

Allerdings liegt der äußerste Süden des Areals innerhalb der militärischen Tiefflugzone. Die maximale Höhe von Windrädern würde - nur mit einer Ausnahmegenehmigung - an diesen Standorten bei 120 Meter liegen. Zudem müsste der Freistaat allen Windrädern die Zustimmung erteilen, schließlich liegen die Standorte ausnahmslos in Landschaftsschutzgebieten. Für Ebersbergs Klimaschutzmanager Hans Gröbmayr ist dies kein Hindernis mehr: "Umweltminister Markus Söder und die Staatsregierung drücken gewaltig aufs Tempo."

Das Gutachten haben die Stadtwerke, ähnlich wie für andere Gemeinden im Landkreis München kostenlos erstellt - und damit bereits ihr Interesse an einem Engagement als Investor bekundet. "Natürlich haben die Stadtwerke ein Interesse - das ist ihr gutes Recht", sagt Eberherr. Die Ergebnisse der Studie sollen nun im Arbeitskreis Energie am 21. Oktober der breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden. Dann ist die Diskussion wohl endgültig eröffnet.