Hindernis am Bahnhof Ebersberg: Schneehaufen versperren Rollstuhlfahrer die Durchfahrt

Eine Seite des Bahnsteigs ist gut geräumt - auf der anderen war für Christa Haslinger fast kein Durchkommen.

(Foto: oh)

Am Bahnhof sind manche Stellen unüberwindbar. Etwas besser funktioniert es in einem Nachbarort.

Von Barbara Mooser, Ebersberg

Die Räder drehen durch, der Rollstuhl rutscht ein bisschen zu Seite. Christa Haslinger versucht es noch einmal, eine andere Frau schiebt von hinten. Doch der Elektrorollstuhl am Ebersberger Bahnhof bewegt sich keinen Millimeter mehr. Eigentlich ist am Bahnsteig ein Weg für die Fußgänger freigeräumt, doch der endet an einem kleinen Schneehügel. Wer gut zu Fuß ist, steigt einfach darüber. Für die Grafingerin, die wegen Multipler Sklerose im Rollstuhl sitzt und für ihre Therapie nach Ebersberg gekommen ist, ist er ein unüberwindbares Hindernis.

Die 75-Jährige wird nervös. "Es geht nicht", sagt sie. Auch auf die andere Seite des Bahnsteigs, wo ein Streifen perfekt freigeräumt ist, kommt sie nicht, hier versperrt der große Schneehaufen in der Mitte des Bahnsteigs den Weg. Die größte Sorge von Christa Haslinger ist, dass sie so abrutscht, dass sie mitsamt ihrem Rollstuhl in die Gleise fällt. Fast schon will sie wieder umkehren und gleich wieder den Heimweg nach Grafing antreten, da gelingt es ihr mit Hilfe einiger anderer S-Bahn-Fahrgäste, doch noch den Schneehügel zu überwinden und den Bahnsteig zu verlassen.

Doch die Erfahrung, die Christa Haslinger an diesem kalten Montagmorgen gemacht hat, ist kein Einzelfall: In Ebersberg, erzählt sie, gehe es ihr oft so im Winter. In Grafing hingegen seien die Bahnsteige auch bei starkem Schneefall meist besser geräumt. "Es tut uns sehr leid", sagt ein Bahnsprecher zu Haslingers Erlebnis. Es gebe selbstverständlich interne Normen, wie schnell und wie gründlich ein Bahnsteig geräumt werden müsse, "aber wir können nicht überall sein".

Gerade aufgrund der heftigen Schneefälle der vergangenen Tage sei es noch nicht gelungen, den Schnee überall gründlich zu entfernen. "Da sind wir nach wie vor unterwegs", so der Bahnsprecher. Er appelliert an Betroffene, den Mobilitätsservice der Bahn zu kontaktieren. Diesen können Menschen mit Behinderung in Anspruch nehmen, um beispielsweise beim Um- und Aussteigen Hilfe in Anspruch zu nehmen. Auch seien Hinweise von S-Bahn-Nutzern auf Situationen wie die in Ebersberg hilfreich. Diese könne man dem Bahnhofsmanagement zukommen lassen. Im aktuellen Fall werde man sich um eine Verbesserung der Situation kümmern, so das Versprechen des Bahnsprechers.