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Ebersberg:Prominenter Protest

Die Gegner des Brucker Gewerbegebiets proben den kulturpolitischen Aufstand: Hans Well von der früheren Biermösl Blosn, Rudi Baumann und Josef Ametsbichler singen in Taglaching gegen die Pläne des Gemeinderats.

Die Biermösl-Blosn-Nachfolger Wellbappn, Liedermacher Rudi Baumann und Jazz-Guru Josef Ametsbichler. Mit ihnen als Unterstützer blasen die Gegner des geplanten Taglachinger Gewerbegebiets am Samstag, 20. September, zu einer großen Protestveranstaltung. Ziel ist dabei nicht weniger als etwas, das einer Neuauflage des Planungsprozesses entsprechen würde: "Wir wollen damit den Druck auf den Gemeinderat aufbauen, damit der Anschluss an die Erweiterung des Grafinger Gewerbegebiets ernsthaft geprüft wird", erklärt einer der Taglachinger Organisatoren, Rolf Baumann.

Als Protestveranstaltung will er den Samstagnachmittag in gut zwei Wochen dennoch nicht verstanden wissen. "Es geht nicht darum, etwas zu verhindern. Wir wollen die Natur im Urteltal erhalten." Genau die sei nämlich bedroht, würde - wie geplant - Bruck auf einer Fläche von etwa vier Hektar zwischen Taglaching und Grafing Bahnhof sein neues Gewerbegebiet errichten. Man sei kein grundsätzlicher Gegner von neuen Brucker Gewerbeflächen, betont Baumann.

Nur sollten diese eben nicht auf diesem Areal gegenüber des alten Betonwerks entstehen. "Am höchsten Punkt vom Urteltal soll das Gebiet hinbetoniert werden, so, dass man es schon von weit her sieht", betont Baumanns Mitstreiter Manfred Gaibinger bei jeder Gelegenheit. Genau das ist aber vom Brucker Gemeinderat seit Monaten so beschlossen. Vor ein paar Wochen verschickte die Gemeinde ihre Antworten auf die Einwände der Anwohner und sogenannter Träger öffentlicher Belange. Das Credo: Das Areal bei Taglaching sei wegen der umfangreichen Brucker Landschaftsschutzgebiete alternativlos und für Mensch und Natur sehr wohl verträglich.

Singt gegen das Taglachinger Gewerbegebiet: Hans Well.

(Foto: Endt)

Die Gegner sehen das anders. "Wir kritisieren, dass eine Alternative nie ernsthaft geprüft worden ist", erläuterte Gaibinger. "Die Gemeinde hatte das Areal in Taglaching gekauft und war gewissermaßen im Zugzwang, das Gewerbegebiet dort auch zu errichten." Sinnvoller wäre es gewesen, eine neutrale Instanz wie etwa den Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum mit der Standortsuche zu beauftragen. Möglicherweise wäre dann herausgekommen, was die Taglachinger Gegner seit je her fordern: Den Anschluss eines neuen Brucker Gewerbegebiets an die laufende Erweiterung des in Sichtweite liegenden Schammacher Gewerbegebiets.

Gaibinger nimmt auch den Grafinger Landtagsabgeordneten Thomas Huber (CSU) in die Pflicht. Wie komme es denn, dass die Regierung von Oberbayern die Brucker Pläne mit Verweis aufs Landesentwicklungsprogramm (LEP) ablehne? "Darin werden von einer Regierungspartei auf Landesebene Rahmenbedingungen gegeben und der Bürgermeister vor Ort schert sich nicht drum", schimpfte Gaibinger. Tatsächlich hatte die Regierung von Oberbayern dem Brucker Gemeinderat empfohlen, einen Anschluss an "Schammach II" zu prüfen.

Brucks Bürgermeister Josef Schwäbl (CSU) hält dies für illusorisch. Finanziell sei das für seine Gemeinde überhaupt nicht machbar. Für den Quadratmeter gegenüber des Betonwerks habe sie etwa 16 Euro gezahlt. In Schammach rechne er - mögliche Zuschüsse für ein derartiges interkommunales Projekt nicht mit eingerechnet - mit etwa 60 Euro.

Bislang war der Brucker Protest vor allem im Taglachinger Wirtshaus gebündelt. Nun soll er hinaus in die Öffentlichkeit. Musikergrößen wie Hans Well, Rudi Baumann und Josef Ametsbichler sind das kulturpolitische Vehikel dafür - im Biergarten des Taglachinger Wirtshauses.