Mitten in Ebersberg:Dann doch bitte per Fax

Mitten in Ebersberg: Digitalisierung, also das mit den Computern, ist eine praktische Sache - wenn alles funktioniert.

Digitalisierung, also das mit den Computern, ist eine praktische Sache - wenn alles funktioniert.

(Foto: Jan-Peter Kasper/dpa)

Die Digitalisierung gehört zu jenen Themen, die gut klingen, sich aber bisweilen weniger gut umsetzen lassen - wie ein Blick ins Landratsamt zeigt.

Glosse von Thorsten Rienth, Ebersberg

Im Organigramm des Landratsamts gibt's ein Amt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung. Allerdings ist auf dessen Internetseite schnell erkennbar, dass einfach jemand dem altehrwürdigen Vermessungsamt die Wörter Digitalisierung und Breitband voranstellte. Womöglich, weil es halt gut klingt, seit man sich in diesem Land auch noch für die gelegentliche Verwendung eines Faxgeräts schämen muss. Bei der digitalisierungsamtlichen "Auswahl an Angeboten" zählt jedenfalls wieder die gewohnte Amtspriorität von der "Sicherung des Grundeigentums", der "Führung des Liegenschaftskatasters" sowie der "Bodenordnung". Am Ende, immerhin, kommt dann ein Kasterl zum "Breitbandausbau". Komisch, wo der Landkreis doch immer so mächtig stolz ist auf seine mindestens oberbayernweite Frontrunner-Stellung in Sachen Digitalisierung.

Vor drei Jahren zum Beispiel gewann er ein Preisgeld von 500 000 Euro beim Best-Practice-Wettbewerb "Kommunal? Digital!" des Bayerischen Digitalministeriums. Der Landkreis Ebersberg habe sich mit der Projektidee einer "Offenen Urbanen Plattform" für effizientes digitales Energiemanagement beworben, schrieb damals jemand aus dem Landratsamt auf Facebook. "Das Projekt hat Pilotcharakter für alle bayerischen Landkreise und Kommunen und steht ihnen nach der Realisierung zur Verfügung."

Und damit zur Bayrischen Ehrenamtskarte. Mit ihr können Ehrenamtler seit einer Weile kostenlos Bayerns Schlösser und Burgen besichtigen oder sich einen Teil des Eintritts, zum Beispiel im Freizeitpark, sparen. Damit die Inhaber aber nicht bei jedem wochenendlichen Schlösser- oder Burgenbesuch an die Plastikkarte denken oder in den Tagen dazwischen mit dicker Brieftasche umherlaufen müssen, hat der Freistaat eine digitale Kartenvariante fürs Smartphone programmieren lassen. Die Anmeldung sei über einen QR-Code aus dem Bestätigungsschreiben des für den jeweiligen Wohnort zuständigen Landratsamts möglich.

In der Post aus der Ebersberger Eichthalstraße suchen die Ehrenamtler zwischen Speichersee-Südostküste und Feuerreit bei Baiern den QR-Code indes vergebens. So weit sei man noch nicht, soll das Landratsamt jemandem auf Nachfrage erklärt haben. Immerhin, diese Haltung ist konsequent. Der Link unter dem Facebook-Post zu den "weiteren Informationen" über die Offene Urbane Plattform, der funktioniert nämlich ebenfalls nicht. Vielleicht kann ja bei Gelegenheit mal jemand den korrigierten Link durchfaxen.

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