bedeckt München 26°

Neues Angebot:An Ebersberger Kreisklinik soll ein Ärztehaus entstehen

Kreisklinik Außenaufnahmen

Das Angebot der Ebersberger Kreisklinik soll künftig erweitert werden.

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)

Eine Konkurrenz zu den niedergelassen Medizinern im Landkreis soll vermieden werden. Dennoch gefallen die Pläne nicht allen.

Von Wieland Bögel, Ebersberg

Macht die Kreisklinik künftig den niedergelassenen Ärzten Konkurrenz? Oder begibt sich das kommunale Krankenhaus auf ein riskantes Geschäftsfeld? Beide Kritikpunkte waren auf der jüngsten Kreistagssitzung zu hören, in der darüber abgestimmt wurde, ob die Klinik ein sogenanntes "medizinisches Versorgungszentrum" (MVZ) betreiben darf. Darunter versteht man eine Art Ärztehaus oder Gemeinschaftspraxis, deren Mitarbeiter aber im Gegensatz zu niedergelassenen Medizinern nicht selbständig, sondern bei der Einrichtung fest angestellt sind.

Diese, so sagte es Klinik-Geschäftsführer Stefan Huber in der Kreistagssitzung, solle keinesfalls in Konkurrenz zu den niedergelassenen Ärzten im Landkreis treten. Stattdessen solle das MVZ einem Problem entgegenwirken, das sich auch zwischen Aßling und Anzing immer öfter zeige, dass nämlich Mediziner keine Nachfolger mehr fänden. Denn das Dasein als Selbständiger sei eben nicht für alle attraktiv, so Peter Kreissl, Ärztlicher Direktor der Klinik, weshalb es vorkomme, dass Praxen aufgegeben würden, wenn der bisherige Inhaber in Ruhestand gehe: "Die Nachfolgegeneration hat andere Vorstellungen von Work-Life-Balance."

In anderen Landkreisen hat sich das Konstrukt bereits bewährt

Das MVZ könnte da eine Lösung sein, da die dortigen Ärzte fest angestellt sind. Was sich in anderen Landkreisen bereits bewährt habe, so Landrat Robert Niedergesäß (CSU), "wir sind einer der letzten, die ein MVZ etablieren wollen". Wie Huber beteuerte auch der Landrat, dass das kommunale Krankenhaus keine Konkurrenz zu den niedergelassenen Ärzten aufbauen wolle. "Es geht darum Versorgungslücke zu schließen."

Dass das MVZ dazu der richtige Weg sei, bezweifelte Wilfried Seidelmann, FW-Kreisvorsitzender und selbst Mediziner mit eigener Praxis. Denn dass es zu wenig Ärzte gebe, liege vor allem "an den planwirtschaftlichen Strukturen der Krankenkassen". Diese legten fest, wie viele Mediziner welcher Fachrichtung in welcher Region praktizieren dürften - jedenfalls wenn sie ihre Leistungen bei den Kassen abrechnen wollten. Und laut dem Bedarfsplan gebe es etwa bei Chirurgen im Landkreis jetzt schon ein Überangebot von 178 Prozent, bei Fachinternisten sogar von 200 Prozent. Auch das MVZ unterliege dem Kassenrecht, sagte Seidelmann, "es gibt keine Garantie, da Ärzte reinzubekommen."

Für die Ärzte soll keine Konkurrenzsituation entstehen

Es sei denn, anderswo machten Praxen zu, eine Befürchtung, die auch Johanna Weigl-Mühlfeld (ÖDP) teilte. In der nun von der Klinik angestrebten Satzungsänderung, die den Betrieb des MVZ ermöglicht, sei nicht ausdrücklich darauf verwiesen, dass man dadurch den niedergelassenen Ärzten keine Konkurrenz machen wolle.

Seidelmann wies noch auf einen anderen Punkt hin: die in der neuen Satzung vorgesehenen Haftung der Kreisklinik und damit letztlich des Landkreises für das MVZ. "Wir müssen jetzt schon die Klinik bezuschussen und mitfinanzieren", so Seidelmann, das gelte dann künftig auch für den ambulanten Bereich. Laut Huber gehe es bei der Haftung darum, falls ein Arzt seine Stellung im MVZ aufgibt, eventuelle Forderungen etwa der Krankenkassen bezahlen zu können. Seidelmann beantragte dennoch, den Tagesordnungspunkt zu vertagen, auch um die Meinung aller rund 150 niedergelassenen Ärzte im Landkreis einzuholen.

Die Kreisräte betonen die Notwendigkeit einer solchen Einrichtung

Die große Mehrheit im Kreistag wollte ihm dabei indes nicht folgen. Der Kollege habe "sehr umfangreich die Probleme geschildert", sagte CSU-Kreisrätin und frühere bayerische Sozialministerin Christa Stewens. "Aber wir müssen uns anpassen, das MVZ ist eine Notwendigkeit." Sowohl für die medizinische Versorgung im Landkreis, als auch für die Klinik selbst. Wenn diese nicht im Bereich MVZ aktiv werde, "wird sich die Klinik in einer ganz anderen Weise ändern".

Marina Matjanovski (CSU) nannte das Versorgungszentrum eine "notwendige Verzahnung von ambulant und stationär". Ohnehin komme man damit nur dem Auftrag nach, den die Klinikgesellschaft bereits habe, so Alexander Müller (FDP), nämlich "der Förderung des öffentlichen Gesundheitswesens", nur eben dann ergänzt um einen ambulanten Bereich. Zudem der Kreistag ja nicht beschließe, ob überhaupt ein MVZ eingerichtet wird, sagte Ernst Böhm (SPD). Man gebe der Klinik lediglich die Option, "was sie daraus macht, sollten wir ihr selbst überlassen".

Elisabeth Platzer (SPD) sagte, sie fühle sich an die Debatte von vor zehn Jahren erinnert, als neben der Kreisklinik ein Ärztehaus geplant war. Schon damals hatte es massive Kritik der niedergelassenen Ärzte gegeben, "das hier geht weniger weit, es geht nur um Bereiche, wo es keine Angebote gibt". Und auch wenn sich langfristig einige Praxen in das neue MVZ und damit einen zentralen Standort in der Kreisstadt verlagerten, müsse das nicht unbedingt ein Nachteil sein, sagte Franziska Hilger (CSU). Bei fünf Gegenstimmen wurde die Satzungsänderung schließlich beschlossen.

© SZ vom 28.12.2019/aju
Zur SZ-Startseite

Debatte im Kreisausschuss
:Rote Zahlen: Kreisklinik wird immer mehr zum Sorgenkind

Das Ebersberger Krankenhaus könnte für den Haushalt des Landkreises deutlich belastender werden, als bislang angenommen.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB