bedeckt München

Jugendkulturpreis Ebersberg:Großes Überraschungspotenzial

Jugendkulturpreis Feature

Die Corona-Pandemie stellt auch die Macher des Ebersberger Jugendkulturpreises vor ungeahnte Herausforderungen, wie dieses Ensemble aus Plakat und Maske beim Kunstverein verdeutlicht. Das Thema 2020 lautet: "Wer braucht das alles?"

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Der Jugendkulturpreis für den Landkreis soll nicht ausfallen, sondern erstmals virtuell über die Bühne gehen. Der Einsendeschluss wird auf Anfang März verschoben.

Von Anja Blum

Eine Ausstellung unter dem schönen Dach des Ebersberger Kunstvereins. Mit Vernissage samt Laudationen, Häppchen und Musik. Das Ganze vor übervollem Haus. Das hat der Jugendkulturpreis dem kreativen Nachwuchs im Landkreis in den vergangenen Jahren geboten. Eine Würdigung also, die vermutlich ihresgleichen sucht. Doch wie so vielen Projekten hat die Corona-Krise auch diesem Wettbewerb einen Strich durch die Rechnung gemacht: Immer wieder musste der Abgabetermin wegen arg zweifelhafter Aussichten verschoben werden. Zunächst von Oktober auf Januar, dann noch einmal um acht Wochen. Am Montag, 8. März, ist nun Einsendeschluss. Außerdem haben die Verantwortlichen beschlossen, sich endgültig unabhängig zu machen vom Infektionsgeschehen: Der Ebersberger Jugendkulturpreis soll erstmals virtuell über die Bühne gehen. Das bedeutet zwar einen enormen Aufwand, das neue, digitale Format dürfte aber für die teilnehmenden Nachwuchskünstler eine nicht minder große Ehre bedeuten als die Originalveranstaltung. Schließlich kann man diesen schönen Moment in Form von Videos über lange Zeit bewahren - und mit noch viel mehr Menschen teilen. Insofern sehen die Verantwortlichen in der digitalen Ausgabe alles andere als eine Kompromisslösung.

Ausgelobt wird der Wettbewerb vom Kreisjugendring Ebersberg (KJR), der Aufruf richtet sich an alle Kinder und Jugendlichen zwischen sieben und 21 Jahren als Einzelpersonen, aber auch Gruppen und Schulklassen dürfen gerne mitmachen. Ob die Beiträge in Altersklassen unterteilt werden, wie viele Gewinner es geben wird und wie das Preisgeld - insgesamt 2500 Euro - unter ihnen aufgeteilt wird, entscheiden die Juroren nach der Sichtung der Einreichungen. Die Jury besteht dieses Jahr aus Barbara Lux vom Alten Kino, SZ-Fotograf Peter Hinz-Rosin, Janis Michal vom Kreisjugendring und Luci Ott vom Kunstverein Ebersberg.

Das Thema des Jugendkulturpreises ist diesmal eine Frage, sie lautet: "Wer braucht das alles?" Bei der kreativen Umsetzung sind wie immer alle Spielarten erlaubt, es können Gemälde, Zeichnungen, Comics, Daumenkinos, Objekte und Skulpturen eingereicht werden, aber auch Kurzfilme, Songs oder Hörbücher. "Natürlich stand bei der Suche nach einem Thema die Pandemie schon im Raum", erzählt Luci Ott von der Vorarbeit der Jury, "aber wir wollten den Blick weiten und ein weniger konkretes Motto ausgeben." Ziel sei es gewesen, den jungen Künstlerinnen und Künstlern mehr Spielräume zu lassen. "Das jetzige Thema kann natürlich politisch aufgefasst werden, muss aber nicht. Es hat unserer Meinung nach auf jeden Fall ein großes Überraschungspotenzial."

Die Sitzung der Jury hoffen deren Mitglieder in Präsenzform abhalten zu können - nach dem Motto "digital ist nicht original". Ein Kunstwerk wirkt eben in echt immer anders als auf dem Bildschirm. Außerdem sei die Beschäftigung mit den eingereichten Arbeiten stets ein sehr intensiver Prozess, sagt Hinz-Rosin, "da ist viel persönliche Kommunikation und Konzentration vonnöten". Danach wird die Ausstellung aufgebaut, wie immer sollen alle eingereichten Werke zu sehen sein. Allerdings hoffen die Verantwortlichen, anstatt im Studio an der Rampe, diesmal in der Alten Brennerei zu Gast sein zu können - weil dort die räumlichen Bedingungen für einen virtuellen Rundgang besser wären. "Da hätten wir eine zwölf Meter lange Wand und viel Licht von oben, das gäbe bestimmt eine tolle Hängung", erklärt Hinz-Rosin. Diese soll dann abgefilmt und ein paar Tage vor der Preisverleihung online zugänglich gemacht werden, laut aktuellem Zeitplan wird das Anfang April sein.

Der Höhepunkt des Jugendkulturpreises, die Bekanntgabe der Gewinner nämlich, soll dann ebenfalls eine virtuelle Veranstaltung sein: ein vermutlich vorab produzierter Film mit allerlei Programmpunkten. Die Akteure des Abends werden KJR-Geschäftsführer Philipp Spiegelsberger sowie die vier Juroren sein. Sie sollen die Gäste begrüßen und die Preisträger sowie ihre Werke präsentieren. "Vielleicht können wir die Gewinner sogar mit der Handykamera an ihrer Haustür besuchen und das dann als Einspieler einfügen", sagt Hinz-Rosin. Außerdem solle ein Zeitraffer-Film vom Aufbau der Ausstellung noch mal einen schönen Einblick geben in das Projekt. Eine Idee ist auch, die Juroren ihrerseits in einem spontanen Interviewformat dem Publikum vorzustellen, oder mal nachzufragen, was aus den Gewinnern der vergangenen Jahre geworden ist. Drumherum soll es Livemusik geben. Die Inspiration und auch das Knowhow für ein solches Format liefere das Team vom Alten Kino mit seinen Livestreams, sagt Ott, "die hängen sich da ja seit Monaten total rein". Die Preisverleihung soll also "auf jeden Fall schön und wertig werden", verspricht Spiegelsberger. Sie soll eine Bestätigung sein für die kreative Arbeit der Teilnehmenden. Aber auch darüber hinaus wollen die Verantwortlichen mit dem Ebersberger Jugendkulturpreis trotz pandemischer Zeiten ein Zeichen setzen: "Die Kultur muss endlich wieder Präsenz zeigen, darf sich nicht immer wieder nonchalant in die Ecke stellen lassen. Jetzt ist Schluss mit lustig", sagt Peter Hinz-Rosin. Deswegen sei es extrem wichtig, "dass wir das Ganze jetzt nicht noch einmal verschieben, sondern endlich hinbekommen". Die Stimmung unter den Juroren jedenfalls sei sehr gut, ergänzt Luci Ott. "Wir sind alle sehr motiviert, trotz allem etwas Tolles auf die Beine zu stellen."

Jugendkulturpreis Ebersberg: Wettbewerbsbeiträge können noch bis zum 8. März 2021 um 16 Uhr in der Geschäftsstelle des Kreisjugendrings, Bahnhofstraße 12, Ebersberg, abgegeben werden. Informationen zur digitalen Preisverleihung werden zeitnah bekanntgegeben.

© SZ vom 19.02.2021
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema