Bevölkerung Kreis Ebersberg: Die Über-60-Jährigen werden die Unter-40-Jährigen sein

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Im Jahr 2037 werden im Landkreis fast 160 000 Menschen leben. Das Einwohnerwachstum fällt in zwei Gruppen besonders stark aus.

Von Wieland Bögel, Ebersberg

In den kommenden 20 Jahren werden etwa so viele Menschen in den Landkreis Ebersberg ziehen, wie aktuell in der Gemeinde Vaterstetten wohnen. Dies ist das Ergebnis einer nun vorgestellten Studie des Bayerischen Landesamtes für Statistik. Leben derzeit noch knapp 141 000 Personen zwischen Aßling und Anzing, werden es 2037 fast 160 000 sein. Am stärksten wachsen wird laut Prognose der Statistiker dabei die Gruppe der Senioren, gefolgt von jungen Menschen unter 25 Jahren. Bei anderen Altersgruppen erwarten die Experten dagegen vielmehr einen Rückgang.

Zehn solcher Altersgruppen haben die Statistiker in ihrer Untersuchung definiert: Kleinkinder unter drei Jahre, Kindergartenkinder bis sechs Jahre, Grundschüler bis zehn Jahre, Jugendliche bis 16 und bis 19 Jahre, junge Erwachsene bis 25 Jahre, sowie die Altersgruppen bis 40, bis 60, bis 75 Jahre und jene, die noch älter sind.

Gerade die beiden letztgenannten Gruppen werden in den kommenden Jahren besonders wachsen. Leben im Landkreis derzeit knapp 20 000 Personen zwischen 60 und 75 Jahren, sind es 2037 laut Prognose bereits 29 000. Ähnlich stark ist der Zuwachs bei den Über-75-Jährigen. Aktuell sind 14 000 Landkreisbürger in diesem Alter, in 20 Jahren sollen es 18 500 sein. Zum Vergleich: Vor 20 Jahren waren lediglich 15 000 Ebersberger zwischen 60 und 75 Jahre alt, über 75 Jahre sogar nur knapp 6000. Allerdings hatte der Landkreis damals auch nur 113 000 Einwohner.

Nicht ganz so stark, aber ebenfalls deutlich, wächst die Gruppe der unter 25-Jährigen: Von knapp 31 000 im Jahr 1997 auf derzeit etwa 37 500 und voraussichtlich um weitere 4500 bis zum Jahr 2037. Nahezu kein Wachstum gibt es dagegen in der Altersgruppe der 40- bis 60-Jährigen. Etwa 44 000 Landkreisbürger sind derzeit in diesem Alter, laut der Prognose werden es bis 2037 nicht nennenswert mehr.

Die Gruppe der 25- bis 40-Jährigen im Lankreis Ebersberg wird weniger

Die Statistiker erwarten einen Zuwachs von etwa 800, was genau vier Prozent des prognostizierten Bevölkerungswachstums entspricht. Jeweils 22,5 Prozent des Bevölkerungswachstums entfällt dagegen auf die Unter-25-Jährigen und die Über-75-Jährigen, das Wachstum bei den 60- bis 75-Jährigen entspricht sogar 45 Prozent der gesamten Bevölkerungszunahme bis 2037.

Eine Gruppe wird dagegen in den kommenden 20 Jahren sogar schrumpfen, jene der 25- bis 40-Jährigen. Diese Entwicklung lässt sich bereits seit Ende der 1990er beobachten: So zählten die Statistiker in den Jahren 1998 und 1999 noch jeweils 29 000 Ebersberger dieser Altersgruppe, ein Stand, der seitdem trotz stetig steigender Bevölkerungszahl nicht mehr erreicht wurde. Am wenigsten 25- bis 40-Jährige gab es mit knapp 22 000 im Jahr 2011, aktuell sind es wieder gut 25 500. Trotzdem geht die Prognose des Landesamtes von langfristig sinkenden Zahlen aus: Bis Mitte kommenden Jahrzehnts sei noch mit einem leichten Anstieg auf dann 26 000 zu rechnen, danach aber mit einem kontinuierlichen Rückgang bis auf etwa 24 700 Ende 2027.

Warum genau diese Gruppe zahlenmäßig abnimmt, erklärt sich aus einer anderen Stelle der Statistik: Der Art des Bevölkerungswachstums. Dieses ist im Landkreis Ebersberg mit rund 13 Prozent in den kommenden 20 Jahren durchaus konkurrenzfähig. Bayernweit ist es lediglich im Landkreis Dachau mit 13,2 Prozent noch höher, Platz drei geht an die Stadt Landshut mit 12,5 Prozent, dicht dahinter folgen Erding mit 12,2 und München Land mit 12,1 Prozent.

Die Über-60-Jährigen des Jahres 2037 werden mehr

Allerdings hat mit Ausnahme von Erding keiner der Wachstumsmeister ein sogenanntes "natürliches" Bevölkerungsplus, also einen Zuwachs ohne Zuzug. Am höchsten fällt dieser mit 0,6 Prozent in 20 Jahren noch im nördlichen Nachbarlandkreis aus, alle anderen Kommunen würden ohne Zuzug sogar Bevölkerung verlieren.

Zuzügler in teure Regionen wie die Umlandkreise sind aber eher selten Menschen am Anfang ihres Berufslebens - also die 25 bis 40-Jährigen - sondern meist junge Familien mit gut verdienenden Eltern. Dies erklärt den Zuwachs bei den unter 25-Jährigen. Dass die Zahl der Senioren ebenfalls steigt, ist dem normalen Alterungsprozess geschuldet: Die Über-60-Jährigen des Jahres 2037 sind eben die Über-40-Jährigen von heute. Dass letztere Gruppe indes nicht so stark nachwächst, wie in den vergangenen Jahren - gut 12 000 waren es seit 1997 - liegt wohl an der Teuerung auf dem Wohnungsmarkt. Dadurch dauert es einige Jahre länger, bis sich die Zuzügler den Landkreis Ebersberg leisten können.

Was sich auf das Durchschnittsalter der Ebersberger auswirkt. Es liegt derzeit noch bei 42,6 Jahren, zum Ende des Prognosezeitraumes soll der Durchschnittsebersberger 44,5 Jahre alt sein. Sinken wird dagegen der Anteil der Personen im erwerbsfähigen Alter: So gibt es derzeit pro 100 Personen zwischen 20 und 64 Jahre noch knapp 35 unter 20-Jährige und 31 Personen über 65. Jahren. 2037 werden es dagegen bereits 39 Unter-20- und 43,7 Über-65 Jährige sein.