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Dancing Me & The Ska Machine:Basisdemokratischer Sound

Die Band Dancing Me and the Ska Machine (für Tassilo 2016)

Bei der sechsköpfigen Band Dancing Me & The Ska Machine" stimmt die Chemie (von links): Florian Landerer, Simon Viktor und Sebastian Beutling.

(Foto: Annalena Ehrlicher)

Kandidaten für Tassilo: Die Mitglieder der aus dem Landkreis stammenden Band "Dancing Me & The Ska Machine" sind als Garanten für hochwertige Musik und gute Laune bekannt.

Von Annalena Ehrlicher, Ebersberg

Ein "Garant für gute Laune" bei "musikalisch hochwertigem Niveau" sei die Musik der Band Dancing Me & The Ska Machine, so steht es in dem Nominierungsvorschlag für den Tassilo-Preis der SZ. Ob die Band mit dieser Beschreibung etwas anfangen kann? Trompeter Florian Landerer lacht und sagt: "Klar, Ska ist ja auch Gute-Laune-Musik." Simon Viktor, Schlagzeuger der sechsköpfigen Band, fügt hinzu: "Und sehr dankbare Live-Musik, bei der die Leute einfach mal richtig tanzen können." In den Schlaf weinen würde er sich, so der 31-Jährige, wenn sie das Publikum mal nicht zum Tanzen bringen würden. "Es gibt ja Musiker, die den Anspruch haben, technisch perfekt zu sein", sagt er, "dazu gehören wir. . . " - Blick zu den Bandkollegen -, "also zumindest ich nicht." Das Wichtigste sei doch, dass alle Spaß haben und eine Verbindung zum Publikum entsteht.

"Spätestens unser Sänger Joe Huttner schafft das aber immer; der mischt sich gerne mal einfach unter die Leute und tanzt", schaltet sich Sebastian Beutling ein. Der Tenor-Saxofonist ist mit seinen 36 Jahren der "Senior" der Band - und der Einzige mit Kind. Wie gut sich das zeitlich vereinbaren lässt? "Mein Sohn ist jetzt eineinhalb Jahre alt und meine Frau unterstützt mich zum Glück komplett", antwortet er. Dass die Musik ein zeitaufwendiges Hobby sei, daran bestehe kein Zweifel, bestätigt Viktor. "Unsere Mädels packen da aber alle mit an und verkaufen auch mal die Eintrittskarten oder schmeißen den Merchandise-Stand", so der Drummer.

Die Musik bleibt reines Hobby

Saxofonist Beutling erklärt: "Wir haben alle sogenannte echte Jobs, aber man organisiert sich eben." Dafür könne die Musik für sie weiterhin ein reines Hobby sein, ohne den Druck ökonomisch rentabel sein zu müssen. "So können wir uns auch Sachen wie das "This is Ska-Festival" im Juni leisten", wirft Viktor ein, "das lohnt sich vom Geld her überhaupt nicht, aber wir fahren hin, weil wir Bock haben und da mit richtigen Ska-Größen spielen können."

Dass sie im Landkreis ihre "Home-Base" haben, wie Viktor es formuliert, liegt daran, dass drei der Bandmitglieder in der Region "aufgewachsen und verwurzelt sind". Er selbst kommt aus Aßling, Bassist Stefan Bertolan ist Glonner und Florian Landerer lebt nicht nur in Grafing, sondern dirigiert auch die Grafinger Stadtkapelle. Inzwischen lebt der Großteil der Musiker in München - mindestens einmal pro Woche wird jedoch in Aßling geprobt, im Heizungskeller von Viktors Großmutter - direkt unter deren Wohnzimmer.

Positive Schwingungen und familientaugliche Sounds

"Mittlerweile ist es so, dass sie sagt, sie könne beim Mittagsschlaf nicht mehr richtig einschlafen, wenn wir nicht spielen, und deshalb das ganze Haus vibriert", erzählt der Drummer lachend. Positive Schwingungen zum Einschlafen seien das, stimmen die Bandkollegen zu. Dass ihre Musik familientauglich ist, davon sind sie sowieso überzeugt. "Im Publikum gibt es Leute im Alter von 15 bis 85 - nicht wie zu der Zeit, als ich noch in einer Punkband gespielt habe und die Leute zwischen 15 und 20 waren", so Viktor.

Ob ihre größte Fangemeinde im Landkreis wohnt? Gelächter. "Ah, wir haben ziemlich viele Fans in Südamerika", sagt Beutling. Auf Umwegen sei ihr Album nach Mexiko gelangt und wurde dort von einem jungen Mann auf Youtube hochgeladen. "Und irgendwann danach haben wir eine Anfrage von einem venezolanischen Radiosender bekommen, der unsere Musik spielen wollte", erinnert sich Viktor grinsend. Tatsächlich ist es so, dass laut der Spotify-Statistik ihre Musik am häufigsten auf dem südamerikanischen Kontinent heruntergeladen wird. Platz zwei und drei belegen Russland und Indonesien.

Nur mit Konsens gibt es neue Songs

"Wir haben tatsächlich keine Ahnung wie das kommt, aber die Vorstellung, dass wir in Indonesien gehört werden, ist end-witzig", sagt Landerer lachend. Aber auch im deutschsprachigen Raum ist die Band gut beschäftigt. Saxofonist Beutling erzählt: "Im September nehmen wir unser neues Album auf." Danach sind Touren in die Schweiz und nach Österreich geplant. In Ebersberg sind sie das nächste Mal beim Kulturfeuer im Juli zu sehen.

Für die kommenden Konzerte und das neue Album haben sie sicher neue Songs im Gepäck. Wer die schreibt? "Das machen wir tatsächlich komplett zusammen", antwortet Landerer. Vor Kurzem verbrachten die sechs Musiker ein Wochenende gemeinsam in einer Hütte auf der Schwäbischen Alb, wo sie an neuen Songs feilten. Landerer spielte sogar trotz eines Unfalls beim Holzhacken tapfer weiter Trompete, "der Daumen war ja noch dran", sagt er. Insgesamt laufe bei ihnen alles sehr basisdemokratisch, kommentiert Bandkollege Viktor. "Anstrengend" sei das durchaus manchmal, so der Drummer, "aber wenn sechs so unterschiedliche Typen wie wir zusammenkommen, dann muss da ein Konsens geschaffen werden." Ob die gemeinsam komponierten Lieder auch wirklich funktionieren, stellt sich bei den Konzerten heraus. Geht das Publikum mit, hat der neue Song seine Feuerprobe bestanden.

© SZ vom 30.05.2016/moje

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