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Ebersberg:Aufschub für Grafings Stadthalle

Das Sanierungskonzept für die asbesthaltigen Lüftungsklappen muss nun doch erst bis Ende Juli 2020 vorliegen

Die Stadt Grafing hat einen Aufschub für die Sanierung der Stadthalle bekommen: Ursprünglich sollte sie bis zum 31. Dezember einen Sanierungsplan vorlegen, andernfalls drohte das Landratsamt mit einer Schließung des Gebäudes. Wie die Behörde am Montag bestätigt hat, bekommt die Stadt nun doch bis Ende Juli 2020 Zeit dafür.

Das Landratsamt interveniert weder wegen des Defizits von rund 400 000 Euro, das die Halle jährlich einfährt. Noch moniert es diesmal die veraltete Elektrik. Aktueller Anlass sind asbesthaltige Lüftungsklappen. Als die Halle im Jahr 1986 errichtet worden war, gehörte das Material noch zum Standard in jedem Baustofflager. Dann stellte sich Asbest als krebserregend heraus. Für Neubauten ist es verboten. Beim Bestand gelten strenge Auflagen.

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"Die sieben Monate Aufschub sind angesichts der Gefahrenlage und zusammen mit den Sofortmaßnahmen der Stadt vertretbar", erläuterte der Büroleiter des Landrats, Norbert Neugebauer. Diese Sofortmaßnahmen betreffen etwa zusätzliche Einkapselungen, Brandschutzmaßmaßnahmen und Sicherheitsbeleuchtungen.

Eingekapselt sei das Material relativ ungefährlich, ordnete Neugebauer ein. Gefahr drohe erst, wenn Fasern beispielsweise bei einem Brand oder einer Wartung freigesetzt würden. Letztere wiederum ist der Grund für die Fristverlängerung bis Ende Juli 2020. Dann nämlich stünde die nächste Wartung der Lüftungsklappen an.

Der eigentlich naheliegende Gedanke, die alten Lüftungsklappen einfach auszutauschen, ist nach Ansicht des aktuellen Stadthallen-Gutachters Klaus Beslmüller keine Option. "Wir sind mit einem Lüftungssachverständigen dort oben gewesen. Man müsste die Anlage großflächig zurückbauen, um überhaupt an die Lüftungsklappen heranzukommen." In der Juli-Sitzung des Grafinger Stadtrats hatte Beslmüller daher empfohlen, die Lüftung lieber komplett neu aufzubauen. Knapp 1,7 Millionen Euro würde dies einer ersten Schätzung zufolge kosten.

Beslmüllers Erläuterungen zum nicht erfolgten Austausch der Lüftungsklappen sind gleichzeitig auch die Antwort auf den ersten Teil eines kritischen Fragenkatalogs, den die CSU am Freitagnachmittag an Bürgermeisterin Angelika Obermayr (Grüne) schickte. "Warum wurden (trotz einer damals bereits erfolgten Angebotseinholung in einer Kostenhöhe von ca. 180 000 Euro) die Klappen nicht sofort ausgetauscht?", heißt es darin.

In dem Schreiben moniert die CSU auch den Informationsfluss an den Stadtrat. Warum habe die Bürgermeisterin die drohende Schließung der Stadthalle erst in der Stadtratssitzung am 30. Juli berichtete? Das entsprechende Schreiben aus dem Landratsamt sei doch auf den 28. Juni 2018 datiert.

Obermayr will die Aufregung nicht so recht verstehen. "Die drohende Schließung steht doch seit Jahren im Raum." Seit dem Jahr 2009 wegen Brandschutz- und Elektronik-Themen. Neuerdings sei der Asbest-Aspekt hinzugekommen. "Natürlich ist es Sache der laufenden Verwaltung, da Lösungen zu finden", bekräftigte sie. Dies habe man getan, sie aufbereitet und dann dem Stadtrat vorgelegt.

Mehr Zündstoff steckt im dritten Teil des Fragenkatalogs. Darin stellt die CSU die Tätigkeit von Stadthallen-Gutachter Beslmüller in den Kontext seines Verwandtschaftsverhältnisses zu Bürgermeisterin Obermayr. Beslmüller ist mit der Schwester von Obermayrs Mann Karl verheiratet. "Gab es für die umfangreiche Beauftragung an Ihren Schwager, Hr. Beslmüller, einen Gremienbeschluss? Wie viele Aufträge wurden seit dem Amtsantritt der Bürgermeister an Hr. Beslmüller vergeben, wie hoch war der jeweilige Angebotspreis und was wurde dann tatsächlich in Rechnung gestellt?" All diese Fragen will die CSU geklärt haben.

Obermayr meldete sich per E-Mail aus dem Urlaub: In den fünfeinhalb Jahren ihrer Amtszeit habe Beslmüller von ihr "nur einen Kleinauftrag" für die Kostenschätzung zur "Minimalsanierung Rotter Straße 8" erhalten. Von ihrem Vorgänger Rudolf Heiler sei Beslmüller dagegen mit der Brandschutzsanierung des Rathauses, der Sanierung der Dreifachturnhalle sowie den Neubauplanungen der "RO8" beauftragt worden. "Es kann also durchaus die Feststellung getroffen werden, dass nach meinem Amtsantritt ein Einbruch der städtischen Aufträge an das Büro Beslmüller eingetreten ist."

Untergegangen ist in all der Aufregung, dass Beslmüller gar nicht Obermayrs Schwager ist. Sondern vielmehr ihr Schwippschwager.

© SZ vom 20.08.2019 / aju
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