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Kirchen im Landkreis Ebersberg:Andacht zum Mitnehmen

In sämtlichen Gemeinden des Landkreises dürfen keine Gottesdienste mehr stattfinden. Viele Kirchen wie hier Sankt Sebastian in Ebersberg sind aber weiterhin geöffnet und halten Material für die Andacht zu Hause bereit.

(Foto: Christian Endt)

Die Pfarreien testen neue Wege, um mit den Gläubigen in Kontakt zu kommen und das Wort Gottes zu verbreiten. Sei es über das Internet, mit Andachtsmaterial zum Mitnehmen oder durch gemeinsames Innehalten beim Glockenläuten

Wo wohnt Gott in Zeiten der Krise? Die Pfarrnachrichten der Gemeinde Sankt Margret Markt Schwaben geben eine klare Antwort: überall, wo es Zusammenhalt gibt, wo solidarisch gehandelt wird - und wo Desinfektionsmittel und Toilettenpapier geteilt werden. Corona ist eine Herausforderung für alle, auch die Gemeinden und Pfarreien des Landkreises nehmen sich ihrer an. Sämtliche Gottesdienste und Veranstaltungen sind bereits seit Anfang der Woche abgesagt, darum müssen jetzt neue Wege gedacht und begangen werden, um die Gläubigen auch in diesen Zeiten zu erreichen.

Die Evangelisch-Lutherische Gemeinde Ebersberg setzt unter anderem auf ein verstärktes geistliches Angebot auf ihrer Website. Unter dem Schlagwort "An-ge-dacht" findet sich hier "geistiges Futter", wie Pfarrer Edzard Everts es nennt. Für die möglicherweise jüngere Generation gibt es in der nächster Zeit von Pfarrer Everts auf Twitter - zu finden unter @PfrEverts - immer wieder kurze Tweets zum Thema "flatten the curve". Also zum Abbremsen des exponentiellen Anstiegs der Pandemiekurve, aber auch zu den seelischen Nöten und Chancen, die damit verbunden sind.

Aber auch für weniger technologieaffine Menschen hat die Ebersberger Pfarrgemeinde eine Lösung parat: den Gottesdienst "to go". Von Sonntag an gibt es in Briefumschlägen zum Abholen kleine Andachten für daheim. Damit kann jeder für sich zu Hause ohne erhöhtes Ansteckungsrisiko zu sich kommen und innehalten in diesen chaotischen Tagen.

Dennoch lebt die Kirche schlussendlich ein Stück weit vom direkten Kontakt zwischen ihren Glaubensmitgliedern. In Sterbefällen und bei großer psychischer Not, so versichert Edzard Everts, sei Seelsorge nach wie vor möglich, insbesondere in Altersheimen. Immer erfolge dies aber unter den Bedingungen des Moments und unter Absprache mit den Angehörigen. Darüber hinaus ist die Ebersberger Pfarrei gerade dabei, Einkaufshilfen zu organisieren. Viele Leute melden sich, weil sie gefährdete Gruppen unterstützen möchten. Die Maßnahme laufe gerade an, so Everts, und das Pfarrbüro richte es ein, dass sich Unterstützungswillige bei ihnen melden könnten.

Telefonisch sind die Pfarrer weiter zu erreichen

Auch die katholische Pfarrei Sankt Margret in Markt Schwaben sucht nach alternativen Wegen. Gottesdienste finden auch hier nicht mehr statt, lediglich Beerdigungen, aber auch diese nur direkt am Friedhof, im kleinen Kreis, die Sterbemessen würden nachgeholt. Zusammen mit seiner evangelischen Kollegin Elisabeth Kühn ruft Priester Herbert Walter zum Gebet um 12 Uhr auf: Zum Glockenläuten von Sankt Margret und der Philippuskirche wolle man, versammelt im Geiste, gemeinsam das Vaterunser beten - "miteinander und füreinander".

kath. Pfarrer Josef Riedl

Dekan Josef Riedl will weiter Seelsorge anbieten.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Auch in Grafing lädt das Läuten der Glocken zum Gebet ein, und dazu, inne zu halten und sich in Gedanken zusammen zu finden. Jeweils um 12 und 18 Uhr für zwei Minuten werden die Glocken der Pfarrkirche Sankt Ägidius, von Sankt Johannes der Täufer in Straußdorf sowie der evangelischen Auferstehungskirche zu hören sein. Zusätzlich wird am Sonntag um 10 Uhr, beziehungsweise 10.15 Uhr dazu aufgerufen, sich zumindest im Gebet zu vereinen um an die Wichtigkeit des Sonntags und des Gebets für Christen zu erinnern, wieder wird Glockenläuten zu hören sein. Darüber hinaus liegen auch in Grafing von Samstag an Andachten zur Mitnahme für Zuhause aus.

Auch in Zeiten der weitgehenden Einschränkung sozialer Kontakte kann man so in Gedanken miteinander sein und Verbundenheit ausdrücken. Pfarrer Herbert Walter aus Markt Schwabing versichert zudem, dass das Pfarrbüro weiterhin zu den normalen Öffnungszeiten erreichbar sei, zu finden sind diese auf der Website der Gemeinde. Außerhalb dieser Zeit würden Anrufe umgeleitet werden - "und wenn ich da bin, kümmere ich mich um die Anliegen". Auch die Kirche sei weiterhin offen zum Gebet, so Walter. Sollte bis Ostern die Normalität noch nicht wieder eingezogen sein, hat der Pfarrer sich vorgenommen, seine üblichen Krankenbesuche durch Anrufe zu ersetzten, um seinen Schäfchen so wenigstens am Telefon nahe sein zu können.

Sehr viel Redebedarf zum Thema Corona aber - zumindest mit den Seelsorgern - scheint es in den Gemeinden nicht zu geben. Ob sich gerade viele Menschen an ihn wenden wegen großer Sorgen angesichts der aktuellen Situation? "Nein", sagt der evangelische Pfarrer Everts, "ich habe das Gefühl, dass viele Menschen die Kommunikation eher zurückfahren." Man reflektiere mehr über die eigenen Probleme und Sorgen, was aber wichtig genug sei, es auch mal anderen mitzuteilen.

Die Krankensalbung ist weiterhin möglich

Pfarrer Walter erzählt von einer ähnlichen Situation in seiner katholischen Gemeinde: Noch gebe es wenig Leute, die sich konkret an ihn wenden würden, die allgemeine Sorge der Menschein sei aber spürbar. Der Ebersberger Dekan und Pfarrer Josef Riedl berichtet, er habe bei der Caritas in Grafing nachgefragt, aber auch die habe keinen erhöhten Redebedarf festgestellt. "Ich denke jedoch, dass sich das langfristig ändern wird", so Riedl. Er habe die Vereinbarung getroffen, dass die Caritas in diesem Fall gerne auf die Seelsorge in den Pfarreien verweisen dürfe.

In der Pfarrei Sankt Sebastian in Ebersberg halte man sich ansonsten an die Vorgaben der Diözese, also an das Vermeiden direkter Kontakte, wobei auch hier das Pfarrbüro telefonisch erreichbar ist. Besuche in Krankenhäusern und Pflegeheimen sind ebenfalls nur in Palliativfällen möglich - und auch dann selbstverständlich nur in Absprache mit der Leitung. Die Krankensalbung in schweren Fällen ist entsprechend auch weiterhin möglich. Da auch in Ebersberg die Kirche offen ist, werden in Zukunft dort ebenfalls Andachten in schriftlicher Form und andere Materialien zur Mitnahme ausgelegt sein.

Sämtliche Anordnungen der Diözese gelten vorerst bis Freitag, 3. April. Wie Ostern in diesem Jahr gefeiert werden wird, steht somit noch nicht fest, zu unklar ist der weitere Verlauf der Corona-Pandemie. "Ausfallen" werde Ostern aber ganz sicher nicht, sagt Pfarrer Riedl: "Er ist ja schon auferstanden!"

© SZ vom 21.03.2020
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