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Carsharing:Abgebremst, aber nicht abgewürgt

Klaus Breindl, Gründungsmitglied der Autoteiler Vaterstetten und Sprecher der Projektgruppe Carsharing.

(Foto: Christian Endt)

Die Autoteiler im Landkreis sind trotz Krise zuversichtlich und planen den weiteren Ausbau des Angebotes

Von Wieland Bögel, Ebersberg

Es war gewissermaßen die Vollbremsung für die Autoteilervereine im Landkreis: Als das öffentliche Leben im März und April wegen Corona nahezu komplett lahmgelegt wurde, sei die Nutzung der Leihfahrzeuge um etwa 80 Prozent zurückgegangen, berichtete nun Klaus Breindl im Umwelt- und Verkehrsausschuss des Kreistages. Der Leiter der Projektgruppe Carsharing hatte aber auch gute Nachrichten mitgebracht.

Eine davon ist, dass die elf Autoteilervereine im Landkreis die Krise bislang überstanden haben. Seit Mai habe sich die Nutzung weitgehend wieder normalisiert, ob und wie sich die seit November geltenden verschärften Corona-Maßnahmen auswirken, ist allerdings noch nicht in den Zahlen enthalten. Aber nach wie vor können die Mitglieder in Anzing, Aßling, Ebersberg, Forstinning, Glonn, Grafing, Kirchseeon, Markt Schwaben, Poing, Vaterstetten und Zorneding Fahrzeuge ausleihen. Und beides - Autos wie Autoteiler - würden immer mehr, so Breindl.

Insgesamt stehen im Landkreis derzeit 62 Autos zum Teilen zur Verfügung. Wer eines ausleihen will, muss meist Mitglied in einem der elf Vereine werden. Allerdings gibt es Ausnahmen, etwa in Vaterstetten, wo im Neubaugebiet Nordwest alle Einwohner das Angebot der Autoteiler nutzen können. Im Landkreis insgesamt tun dies laut Breindl etwa zwei Prozent der Einwohner, das wären etwa 2800 Personen.

Theoretisch könnten deutlich mehr Leute bei den Autoteilern mitmachen: Laut Breindl wohnen knapp 80 Prozent aller Landkreisbürger weniger als einen Kilometer entfernt von der nächsten Carsharing-Station. Damit nähert man sich dem Ziel des 2012 vom Kreistag beschlossenen Mobilitätskonzept. Bis 2030 sollen 95 Prozent aller Einwohner des Landkreises nicht mehr als einen Kilometer zum nächsten Leihauto laufen müssen. In den großen Gemeinden ist es ohnehin jetzt schon oft deutlich weniger, dennoch nannte Breindl die Vorgabe "ein ehrgeiziges Ziel".

Denn bei einem zweiten Wert ist man noch ein Stück weiter vom Ziel entfernt: bei der Abdeckung in der Fläche. Das Mobilitätskonzept sieht vor, dass in allen Ortschaften mit mehr als 1000 Einwohnern ein Carsharing-Angebot vorhanden sein soll. Dabei geht es nicht um die Einwohnerzahl der betreffenden Gemeinden insgesamt, sondern um zusammenhängende Siedlungsbereiche. Aktuell liege man hier noch bei einem Wert von 3000, es sind also nur die größeren Ansiedlungen, in denen die Autoteiler ihre Standorte haben.

In den größeren Gemeinden zumindest sind sie präsent: Mit Ausnahme von Steinhöring gibt es aktuell in allen einen Carsharing-Verein. Auch in der östlichsten der größeren Landkreisgemeinden hätte heuer einer gegründet werden sollen, die Vorbereitungen waren schon weit fortgeschritten. Allerdings habe hier die Corona-Krise verhindert, dass die zu einer Vereinsgründung notwendigen Veranstaltungen abgehalten werden konnten, erklärte Breindl.

Dies steht ganz oben auf der Agenda, genau wie die Nutzerzahl der bereits bestehenden Angebote noch zu erhöhen. Um die Nachfrage anzukurbeln, werde man mehr Werbung fürs Carsharing machen. Breindl warb darum auch gleich im Ausschuss, und zwar für eine Verlängerung des Zuschusses für den Trägerverein Carsharing. Dieser erhält 7500 Euro pro Jahr vom Landkreis, damit sollen die Kosten für die Förderung des Carsharingangebotes, etwa für Beratungen der Autoteilervereine, gedeckt werden. Ausdrücklich nicht gedacht ist das Geld, um damit laufende Kosten der Vereine zu übernehmen. "Das wollen wir auch nicht", so Breindl, der selbst 1992 die Autoteiler Vaterstetten als ersten Carsharingverein im Landkreis mit aufgebaut hat. Sinnvoll seien die Angebote nur, wenn sie sich selbst tragen. Dazu könnten die Gemeinden aber ihren Beitrag leisten. Etwa indem sie den Vereinen beitreten und die Mitarbeiter im Dienst die Autos nutzen. Besonders am Anfang sei dies hilfreich, so Breindl, weil die neuen Autos dann gut ausgelastet seien und dementsprechend Beiträge eingehen. Auch die Bereitstellung von Parkplätzen für die Fahrzeuge der Autoteiler sei so eine Unterstützung.

Im Ausschuss gab es keine Gegenstimme zum Antrag, die Unterstützung wird für weitere drei Jahre gezahlt. Ilke Ackstaller (Grüne) wollte noch wissen, wie es um die Elektromobilität bei den Autoteilern bestellt sei. Aktuell seien insgesamt fünf E-Autos im Einsatz, so Breindl, da liege man im Landkreis schon über dem Durchschnitt. Aber auch ein geteiltes Auto mit konventionellem Antrieb trage zum Umweltschutz bei: Etwa sieben Privatautos könnten so ersetzt werden und die Fahrzeugnutzung pro Person gehe um 30 bis 40 Prozent zurück.

© SZ vom 02.12.2020
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