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Bildung im Landkreis Ebersberg:Noch einmal tief Luft holen

VHS Musikschule Online Kurs

Die Volkshochschule Grafing-Ebersberg und die Musikschule Markt Schwaben versuchen in der Corona-Krise, was möglich und erlaubt ist: Hier der Trompetenkurs über Skype mit Uwe Baumer und Nachwuchs-Trompeterin Ella.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Die Volkshochschule Ebersberg-Grafing musste im zweiten Lockdown erneut alle Präsenzkurse einstellen. Mit der Musikschule Markt Schwaben und dem Förderverein erarbeitet die VHS nun ein Programm für 2021

Von Florian Kappelsberger, Markt Schwaben

Weit verstreut sitzen die rund zwanzig Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Markt Schwabener Unterbräusaal, alle tragen FFP2-Masken und halten gebührend Abstand: Es ist ein ungewohnter Rahmen, in dem am Donnerstag die Verbandsversammlung des Zweckverbands Kommunale Bildung stattfindet. Die Mitglieder der Volkshochschule Ebersberg-Grafing, der Musikschule Markt Schwaben und des VHS-Fördervereins blicken dabei auf das ereignisreiche Jahr 2020 zurück und erarbeiten eine Perspektive für die kommenden Monate.

Ihrem Haushaltsbericht schickt Martina Eglauer, Geschäftsführerin der VHS, einen Satz voraus: "Das wird Sie jetzt nicht überraschen." Das Jahr 2020 war für die VHS mit massiven Einnahmeausfällen verbunden. Mit dem Lockdown von März an musste der Präsenzunterricht komplett ausgesetzt werden, die Kurse wurden soweit wie möglich auf digitale Formate umgestellt. Von Juni an konnte die VHS eingeschränkt wieder Präsenzkurse anbieten; trotz der strengen Auflagen sei die Resonanz groß gewesen: "Zu unserem Erstaunen waren der Anmeldeandrang und die Nachfrage sehr hoch." Die Leiterin der VHS sieht darin den öffentlichen Auftrag der Volkshochschule einmal mehr bestätigt.

Mit dem neuen Lockdown ab Dezember mussten erneut alle Präsenzkurse bis auf weiteres eingestellt werden, seitdem finden die Kurse wieder ausschließlich online statt. Während des ersten Lockdowns hatte die Volkshochschule den Rettungsschirm Erwachsenenbildung beanspruchen können, was eine bedeutende finanzielle Stütze gewesen sei. Eine entsprechende Unterstützung im zweiten Lockdown vermisst Martina Eglauer allerdings. Und auch von den Sofort- und Überbrückungshilfen konnte die VHS bisher nicht profitieren, wie sie sagt.

Trotz aller Schwierigkeiten konnte die Volkshochschule im vergangenen Jahr ein umfangreiches Programm realisieren: So hat sie vielfältige Veranstaltungen zum Schwerpunktthema Indien angeboten, das aufgrund der Ausfälle im Frühling auf das ganze Jahr ausgedehnt wurde. Zudem wurden besondere Projekte wie die Wochen der Toleranz, der Zukunftsworkshop Plastikvermeidung und der Kinderstadtplan Grafing der jungen VHS erfolgreich umgesetzt. Auch hat die Umstellung auf Online-Kurse in den meisten Fällen gut funktioniert, wie Franz Bader, Leiter des Fachbereichs Beruf und EDV, erklärt: Die VHS bietet mittlerweile mehr als 270 Online-Kurse in unterschiedlichen Formaten an und ist damit bayernweit ein Vorreiter. In gewissen Fällen stelle sich eine solche Anpassung allerdings als sehr schwer umsetzbar heraus, etwa bei den äußerst beliebten Sport- und Gesundheitskursen oder den Deutschkursen für Anfänger.

Insgesamt zieht Martina Eglauer eine positive Bilanz: "Dieses Jahr war ein anstrengendes Jahr, nicht nur für die Volkshochschule, sondern für alle. Aber wir haben es relativ gut geschafft." Sie bedankt sich insbesondere für das Engagement des VHS-Teams und der Kursleitungen sowie für die umfassende Unterstützung der Rathäuser und Kommunen.

Auch Wolfgang Ostermeier, stellvertretender Leiter der Musikschule, blickt in Anbetracht der schwierigen Umstände zufrieden auf das vergangene Jahr zurück. Zwar mussten von März an alle Veranstaltungen und Investitionen bis auf weiteres ausgesetzt werden, diese Einsparungen haben die Musikschule aber wiederum finanziell entlastet. Zudem habe man von staatlichen Unterstützungsmaßnahmen profitieren können: "Das Kurzarbeitergeld hat die Musikschule gerettet." Einen besonderen Dank spricht Ostermeier den Eltern der Schülerinnen und Schüler aus, die einen Solidarbeitrag von insgesamt 25 000 Euro an die Musikschule gespendet haben.

Unter dem "Brennglas Corona", führt der Leiter der Musikschule Peter Pfaff aus, habe sich das Fundament bewährt, das die Musikschule innerhalb der letzten Jahre geschaffen hat. Die Unterbrechung des Präsenzunterrichts sei zwar eine enorme Herausforderung gewesen, denn angesichts der Vielfalt der Fächer und Altersgruppen sei es nahezu unmöglich, übergreifende Standards für die Online-Lehre aufzustellen. Dennoch habe die Umstellung auf digitale Formate insgesamt gut funktioniert, wofür er sich bei den Mitarbeitern und Ehrenamtlichen der Musikschule bedanke. Pfaff sieht das Leitbild der Musikschule in der Coronakrise bestätigt: "Wir schaffen einen Wert, der bleibt!" Zum Start in das Jahr 2021 ist die Nachfrage in den Kursen der Musikschule stabil geblieben, in der musikalische Früherziehung und in den Chören sind die Teilnehmerzahlen sogar gestiegen.

"Die Pandemie wird auch im Jahr 2021 den Betrieb der VHS einschränken und betreffen", sagt Martina Eglauer mit Blick in die Zukunft. Konkrete Planungen und Prognosen für das Jahr vergleicht sie angesichts der rapiden Entwicklungen im Infektionsgeschehen mit einem Blick in die Glaskugel. Diese Unsicherheit zeichne sich gerade auch in einer gewissen Zurückhaltung bei den Kursanmeldungen ab. Ziel der Volkshochschule sei es in jedem Fall, so viel Bildung wie möglich anzubieten, sei es in Präsenz oder online.

Man habe für 2021 deshalb schon ein umfangreiches Programm mit zwei verschiedenen Schwerpunkten ausgearbeitet: Zum einen wird sich die VHS der Frage "Wie wollen wir leben?" widmen, mit einem Fokus etwa auf Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Zum anderen sind zahlreiche Veranstaltungen zum Thema "1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" geplant, womit sich die Volkshochschule an einer landesweiten Initiative beteiligt. Dabei soll es um jüdische Geschichte und Kultur gehen - oftmals auch mit lokalem Bezug: So wird der Heimatpfleger Thomas Warg etwa eine Führung zu geschichtlichen Orten jüdischen Lebens in Grafing anbieten.

© SZ vom 15.02.2021
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