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Bayerisches Löffelkraut:Unscheinbare Rarität

Der Bund Naturschutz Bayern eröffnet in Glonn, einem der wenigen Wuchsorte des Löffelkrauts, eine Ausstellung über die bedrohte Pflanze, die deren Wert verdeutlichen will

"Das Löffelkraut ist keine spektakuläre Pflanze wie zum Beispiel die Orchidee, die jeder gleich bestaunt", sagt Hubert Weiger. Vielmehr müsse man beim Löffelkraut schon ein bisschen näher treten, um seine Schönheit zu erkennen. Umso wichtiger sei es, den besonderen Wert dieser Pflanze zu verdeutlichen. Der Landesvorsitzende des Bund Naturschutz (BN) in Bayern hat am "Tag des Löffelkrauts" im Glonner Rathaus eine Ausstellung eröffnet, die eben jenes leisten will. Sie besteht aus sechs großen Plakaten, die über die Gattung, den Lebensraum, das Vorkommen und die Gefährdungen des Löffelkrauts informieren.

Wie Weiger betont, ist das Bayerische Löffelkraut nicht irgendeine Pflanze, sondern eine von ganz wenigen, die ausschließlich im Freistaat Bayern wachsen. Biologen sprechen in so einem Fall regionaler Beschränkung von einem "Endemiten", so der Begriff der Botanik. Deswegen sieht sich der BN hier besonders in der Pflicht: "Wenn wir das Löffelkraut nicht schützen - wer dann?", so die rhetorische Frage Weigers. Als Spezialist für ganz besondere Lebensräume sei der Kreuzblütler nämlich sehr selten und besonders bedroht. Also hat der BN ein Biodiversitätsprojekt ins Leben gerufen: "Löffelkraut und Co." sei bundesweit das erste Projekt, mit dem die nationale Strategie zum Erhalt der Artenvielfalt umgesetzt werde, erklärte der BN-Chef nicht ohne Stolz.

Das Bayerische Löffelkraut kommt, wie der Name schon sagt, nur hierzulande vor. Doch längst nicht überall: Es besiedelt lediglich zwei voneinander vollkommen unabhängige Areale am Alpenvorland, und zwar: eines im nördlichen Allgäu und eines in Oberbayern, südöstlich von München im Gebiet der Inn-Moräne. Unter anderem zu finden ist es in Glonn im Landkreis Ebersberg und im Kupferbachtal. Derzeit zählt man insgesamt 22 einzelne Wuchsorte.

Das ist nicht viel - denn das Löffelkraut anspruchsvoll: Es braucht kalkhaltige Quellbiotope. Diese wurden und werden laut Weiger jedoch oftmals zerstört, vor allem, weil der Mensch Wasser und Land für seine Zwecke nutzt und dadurch die Biotope immer weiter zurückdrängt. "Das geschieht aber meist nicht aus bösem Willen, sondern weil man den Wert dieser Lebensräume nicht kennt", so der BN-Vorsitzende." Daher sei es, neben Pflege und Erweiterung der Wuchsorte, das wichtigste Ziel des Biodiversitätsprojekts, ein Bewusstsein zu schaffen für die Bedeutung des Krauts. "Wenn die Bürger stolz sind auf die Natur in ihrer Umgebung, ist das die effektivste Art, diese zu sichern." Insofern stieß der augenzwinkernde Vorschlag von Bürgermeister Martin Esterl, in das Glonner Wappen - neben Mühlrad und Forelle - das Löffelkraut aufzunehmen, bei Weiger auf größtes Wohlgefallen. "Das ist die Gesinnung, die wir brauchen."

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