Antrag abgelehnt:Weiter ohne Konzept

Gemeinderat will kein Verkehrsgutachten für Pöring

Von Viktoria Spinrad, Zorneding

Durch geparkte Autos blockierte Straßen, flitzende Pendler und noch mehr Rushhour in Aussicht - der Durchgangsverkehr in Pöring ist ein Jahrzehnte altes Dauerthema in der Gemeinde Zorneding. Das deshalb in der Bürgerversammlung geforderte Verkehrskonzept wird es allerdings nicht geben: Der Gemeinderat erteilte dem in seiner jüngsten Sitzung eine klare Absage.

Entsprechend enttäuscht zeigten sich Thomas Heer und Gabriel Trischler in einer Sitzungspause. Es ist die erste Niederlage für die Pöringer, die ihr Ansinnen - eine Lobby für den Ortsteil - mit dem Verein "Bürger für Pöring" kürzlich formalisiert haben. Genau eine solche Lobby fehlte den beiden allerdings im Gemeinderat. Der einzige Pöringer - Wilhelm Ficker von den Freien Wählern - war in der Sitzung nicht da, "der hätte Pöring vielleicht auch anders vertreten", so Heer.

Er hatte den Vorschlag für ein Verkehrsgutachten in der Bürgerversammlung im November eingebracht und dabei vor einer Verkehrssituation, "die das Leben der Pöringer beeinträchtigt", gewarnt. Die meisten Gemeinderäte zweifelten am Donnerstag indes an, ob ein Verkehrsgutachten wirklich neue Erkenntnisse bringen könnte.

Zum Beispiel Ferdinand Glasl (CSU). "Für mich macht ein Verkehrskonzept nur dann Sinn, wenn ich alternative Routen zur Verfügung habe", monierte er. Genau wie FW-Gemeinderat Hubert Röhrl: "Was soll ein Planer planen, wenn wir ihm keine Entlastungssituation aufzeigen können?"

Kritik gab es auch aus der Grünen-Fraktion. Vincent Kalnin merkte an, dass er das Wachstum in Pöring durch ein Konzept "nicht weiter befördern" möchte. Anders sah dies unter anderem sein Fraktionskollege Moritz Dietz (Grüne). Pöring sei der Wachstumsort. Man sei es den Bürgern schuldig, die besten Voraussetzungen für die Zukunft zu schaffen, so Dietz.

Gewohnt kämpferisch präsentierte sich sein Fraktionssprecher Helmut Obermaier. Ein Gutachten gebe der Gemeinde "eine Sicherheit"; es koste auch nicht unbedingt die 20 000 Euro, die Bürgermeister Piet Mayr (CSU) in den Raum geworfen hatte. Damit zukünftige Entwicklungen wie das geplante Wohnquartier auf der Wimmerwiese berücksichtigt würden, schlug er eine gemeinsame Ausschusssitzung mit dem Planungsbüro vor.

Die wird es freilich nun nicht geben. Stattdessen gab es ein Versprechen an die Anwohner, "dass das Thema nicht unter den Tisch fällt", wie der Bürgermeister unterstrich. Auch er war der Meinung, dass das investierte Geld "uns nur den Status Quo bestätigt". Anders sahen das die SPD-Fraktion, drei von vier Grünen sowie Martin Lenz (FW): Sie stimmten für das Konzept.

© SZ vom 04.02.2019
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