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Aktion zum Frauentag:Der kleine große Unterschied

Birgit Dimotsios und Angela Rupp organisieren zusammen mit Maximiliane Dierauff und Eva-Maria Berninger die Veranstaltung am 8. März (von links).

(Foto: Christian Endt)

Altersarmut betrifft Frauen häufiger als Männer. Ein Vortrag informiert über Möglichkeiten zur finanziellen Absicherung

Von Johanna Feckl, Ebersberg

Viele wissen es gar nicht. Dass es da diesen Unterschied gibt. In Bayern beträgt er 24 Prozent. Und dass diese Prozentpunkte auch später einmal, im Rentenalter, entscheiden, ob auf dem Konto monatlich 500 Euro mehr oder weniger eingehen: Bayernweit verdienen Frauen durchschnittlich 24 Prozent weniger als Männer, was dazu führt, dass sie um 500 Euro weniger Rente bekommen. Das erzählen Eva-Maria Berninger und Maximiliane Dierauff. Die zwei Frauen sind Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Ebersberg und der Stadt Grafing. Zusammen mit Angela Rupp und Birgit Dimotsios vom Ebersberger Verein Frauen helfen Frauen organisieren sie anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März eine Veranstaltung, bei der es genau um dieses Thema gehen soll: Frauen und Geld.

"Frauen sind öfter und in größerem Umfang von Altersarmut betroffen als Männer", sagt Birgit Dimotsios, die sich im Verein Frauen helfen Frauen vor allem um Fälle von häuslicher und sexualisierter Gewalt gegen Frauen kümmert. Eva-Maria Berninger erklärt die Gründe hierfür: Zum einen gebe es das traditionelle Frauenbild. Demnach schicke es sich für Frauen nicht so sehr, aktiv und mit Nachdruck in Gehaltsverhandlungen zu treten und mehr Gehalt zu fordern. Männer hätten da weniger Schwierigkeiten. Zum anderen dominiere nach wie vor eine geschlechtertypische Berufswahl: Die Frau ergreife einen sozialen Beruf, der Mann einen technischen - und ein solcher sei in der Regel wesentlich besser bezahlt. Als dritten Grund nennt Berninger eine Ungleichbehandlung bei der Förderung von künftigen Führungskräften, zum Nachteil der Frauen.

Angela Rupp, die unter anderem den Ebersberger Frauennotruf geschäftsführend leitet, nennt einen weiteren Faktor, der Frauen nicht selten in eine finanziell prekäre Lage manövriert. Sie spricht von einem Relikt aus alten Zeiten: "Frauen haben früher Zuverdienste gemacht", sagt sie. "Es ist erschreckend, dass das heute sehr oft immer noch so ist!" In vielen Fällen kämen Frauen zu ihr in die Beratung, die einen Minijob angenommen haben, um sich ein "Taschengeld", wie sie sagt, dazu zu verdienen.

Ein solches Modell könne funktionieren, aber: "Was ist, wenn das Leben einmal nicht mehr so linear weiter verläuft?" Rupp hat, wie sie erzählt, schon mit zahlreichen Frauen zu tun gehabt, die nach einer Scheidung oder einem Schicksalsschlag auf einmal wieder alleine dastanden, und nicht in der Lage waren, sich finanziell selbst zu versorgen - weil sie entweder gar nicht oder immer in Teilzeit- und Minijobverhältnissen angestellt waren.

Die Frauen, die Rupp und Dimotsios in der Beratung vom Verein Frauen helfen Frauen aufsuchen, kommen aus allen gesellschaftlichen und beruflichen Schichten. Gleiches erzählen die Gleichstellungsbeauftragten Berninger und Dierauff. "Das ist eine gewachsene gesellschaftliche Situation", sagt Rupp. Und diese müsse nicht zwingend so sein. In skandinavischen Ländern etwa seien Frauen finanziell wesentlich besser gestellt. Denn dort sei es im Gegensatz zu Deutschland der Regelfall, dass Frauen ebenso wie Männer in Vollzeit arbeiten, egal ob mit oder ohne Kind. Zu denselben finanziellen Konditionen, versteht sich.

Als Referentin wird zu der Veranstaltung am 8. März Stefanie Kühn kommen und in ihrem Vortrag Tipps geben. "Es soll darum gehen, wie Frauen auch unabhängig für sich vorsorgen können", erklärt Dierauff. Stefanie Kühn ist Honorarberaterin, Autorin und Mentalcoach aus Grafing. Seit beinahe 20 Jahren berät sie Mandanten und Mandantinnen in finanziellen Angelegenheiten, etwa wenn es um Möglichkeiten zur Geldanlage oder Altersvorsorge geht, ebenso wie um Honorarberatungen.

Informationsveranstaltung "Ziemlich beste Freundinnen - Frauen und Geld" am Freitag, 8. März, in der Stadtbücherei Grafing, Grenzstraße 5. Beginn ist um 20 Uhr, der Eintritt ist kostenlos.

© SZ vom 21.02.2019
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