Abwechslungsreiches Programm Miteinander erinnern

Zeitzeuge Max Mannheimer trat bei ungezählten Auftritten für Erinnerung und Versöhnung ein.

(Foto: Privat)

Ende Januar startet die zweite Auflage der Max-Mannheimer-Kulturtage in Bad Aibling

Von Anja Blum, Bad Aibling

"Ihr seid nicht schuld an dem, was war, aber verantwortlich dafür, dass es nicht mehr geschieht." Diesem Auftrag Max Mannheimers an die nachfolgenden Generationen, seinem Erbe gewissermaßen, fühlen sich in Bad Aibling viele Menschen verpflichtet: 2018 fanden in der Stadt die ersten Max-Mannheimer-Kulturtage statt, nun steht die zweite Auflage der Veranstaltungsreihe vor der Tür.

Die erste Ausgabe sei ein großer Erfolg gewesen, schreiben die Organisatoren, das generations- und kulturübergreifende Gedenken an die Folgen der nationalsozialistischen Diktatur und die Opfer des Holocaust sei auf viel positive Resonanz gestoßen. "Miteinander erinnern" - das Motto der Max-Mannheimer-Kulturtage Bad Aibling - sei weit über die Stadtgrenzen hinaus rege wahrgenommen worden und habe auch in den sozialen Netzwerken seine Verbreitung gefunden.

Namensgeber der Kulturtage ist Max Mannheimer (1920 bis 2016), Überlebender des Holocaust. Der jüdische Kaufmann kehrte nach dem Krieg ins Land jener Täter zurück, die ihm seine erste Frau, seine Eltern und zwei Geschwister genommen hatten. 35 Jahre lang war Mannheimer als Zeitzeuge im Dienste der Aufklärung und der Versöhnung unterwegs, hat vor allem in Schulen, auch im Landkreis Ebersberg, unzähligen jungen Leuten seine Geschichte erzählt. Das Organisationsteam der Kulturtage aus Stadtbücherei, Volkshochschule und Kunstverein hat sich bereits jetzt um mehrere Institutionen erweitert: um den Verein Mut und Courage, den Historischen Verein und die evangelische Christuskirche.

Vom 26. Januar bis 17. Februar erwartet das Publikum ein abwechslungsreiches Programm, das zum Innehalten, Nachdenken und Diskutieren einlädt. Eröffnet werden die Max-Mannheimer-Kulturtage am Samstag, 26. Januar, in der Galerie im Alten Feuerwehrgerätehaus mit der Ausstellung "Von Papenburg nach Neuruppin - Zyklus für Maria". Sie beleuchtet eines der dunkelsten Kapitel der jüngsten Vergangenheit, die nationalsozialistische "Euthanasie", der mindestens 200 000 Menschen zum Opfer fielen. Hannah Bischof, Enkelin einer Ermordeten, ist auf Spurensuche gegangen und erinnert mit ihren Bildern an die Stationen des Leidenswegs ihrer Großmutter. Die Schau ist bis zum 10. Februar zu sehen.

Der renommierte Biograf Alois Prinz wird am Dienstag, 29. Januar, in der Stadtbücherei sein Buch über den Theologen und Widerstandskämpfer "Dietrich Bonhoeffer - Wege zur Freiheit" vorstellen, der Bad Aiblinger Schauspieler Michael Stacheder liest Originaltexte Bonhoeffers. Musikalisch umrahmt wird die Veranstaltung von dem namhaften Gitarristen Johannes Öllinger. Der Bad Aiblinger Regisseur Richard Lindl und sein Ensemble werden sich mit dem dramatischen Werk des bekannten Psychologen und KZ-Überlebenden Viktor E. Frankl auseinandersetzen: Am Samstag, 2. Februar, findet im Kulturzentrum Mosaik die Premiere des 1946 geschriebenen und selten aufgeführten Schauspiels "Synchronisation in Birkenwald" statt - eine eindrucksvolle Begegnung. Die Aufführung wird insgesamt fünf Mal zu sehen sein.

Die VHS zeigt am Mittwoch, 6. Februar, in Anwesenheit des Filmemachers Michael Bernstein und Schwester Elija Boßler ein außergewöhnliches Zeitdokument: "Dachauer Dialoge" lautet der Titel eines Films, der einen ganz besonderen jüdisch-christlichen Dialog bezeugt. Er porträtiert die wegweisende Freundschaft zwischen Max Mannheimer und Schwester Elija Boßler und nimmt den Zuschauer mit in eine intensive Auseinandersetzung über aktuelle, universelle, aber auch sehr persönliche Fragen. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, wird am 13. Februar von ihrem Überleben als Kind im Holocaust erzählen. Die Erinnerung an das singuläre Menschheitsverbrechen sowie der Kampf für Demokratie, Freiheit und Menschlichkeit gehören für Knobloch untrennbar zusammen. Die Moderation dieses Zeitzeugengesprächs im Kurhaus übernimmt Helmut Zeller, SZ-Redakteur und Buchautor.

Zum Abschluss am Sonntag, 17. Februar, lädt der Historische Verein zu dem Vortrag "Stolpersteine als Erinnerungszeichen" ins Café des evangelischen Gemeindehauses ein. Stolpersteine erinnern an Menschen, die von den Nationalsozialisten verfolgt, vertrieben, ermordet oder in den Tod getrieben wurden. Weit mehr als 60 000 der Steine wurden bereits verlegt, sie bilden das größte dezentrale Flächendenkmal weltweit. Thomas Nowotny, Sprecher der Initiative "Erinnerungskultur - Stolpersteine für Rosenheim", berichtet von den ersten Verlegungen im Juli 2018.

Begleitend zum Programm der Max-Mannheimer-Kulturtage werden für die 9./10. Jahrgangsstufen der Schulen spezielle Angebote wie Führungen und Lesungen angeboten.