bedeckt München 11°

DVD & Stream:Wiedersehen mit den Brüdern

Der eine ist bekannt für seine schrägen Komödien, der andere ist deutlich melancholischer. Die besten Filme von Mika und Aki Kaurismäki gibt es nun auf DVD, Blue-ray und als Stream.

Von Josef Grübl

Master Cheng

Master Cheng (Chu Pak Hong) und seine finnische Freundin Sirrka (Anna-Maija Tuokko).

(Foto: Marianna Films Oy/Han Ruan Yuan He Media)

Sie sind Brüder, werden aber nicht immer als solche wahrgenommen: "Noch heute glauben viele, dass es nur einen Kaurismäki gibt", sagte Mika Kaurismäki einmal im Interview. Der Finne studierte Ende der Siebzigerjahre an der HFF München, sein zwei Jahre jüngerer Bruder Aki Kaurismäki wurde kurz darauf ebenfalls Filmemacher: Anfangs arbeiteten sie zusammen, später machte jeder sein eigenes Ding, Erfolg hatten beide. Mika etwa landete im Sommer 2020 mit Master Cheng in Pohjanjoki einen Hit in den deutschen Programmkinos, jetzt ist die sympathische Culture-Clash-Komödie auf DVD, Blu-ray und als Video on Demand erhältlich. Es geht um einen Chinesen, der mit seinem Sohn in der finnischen Provinz strandet, sie sitzen den ganzen Tag im Imbiss der Wirtin Sirrka (Anna-Maija Tuokko) herum. Doch bald macht sich Master Cheng (Chu Pak Hong) nützlich, er ist Koch und mischt Sirkkas fade Kost ordentlich auf, es gibt Nudeln mit Hühnchen oder Rentier auf chinesische Art. Und da Liebe bekanntlich durch den Magen geht, werden die beiden ein Paar - und den wahren Grund seines Finnland-Trips erfährt man irgendwann auch.

Einen deutlich wehmütigeren Blick auf das Leben und die Liebe hat Aki Kaurismäki, der berühmtere der Brüder. In der Arte Mediathek kann man derzeit fünf seiner Spielfilme abrufen, unter anderem Das Leben der Bohème, Wolken ziehen vorüber oder das famose Außenseiterinnendrama Das Mädchen aus der Streichholzfabrik (1990): Die phantastisch phlegmatische Kati Outinen, Star vieler Kaurismäki-Filme, sucht darin nach der Liebe, findet sie aber weder bei ihren Eltern noch in der Disco oder im Bett eines fremden Mannes. Ebenfalls in der Arte Mediathek zu sehen ist sein 2003 für den Oscar nominiertes Sozialdrama Der Mann ohne Vergangenheit. Auch da ist Outinen dabei, als Frau von der Heilsarmee. Sie verliebt sich in den titelgebenden Mann (Markku Peltola) von der Müllkippe, sie wird sogar seinen Kochdilettantismus loben: "Die Erbsen waren gut." Wortkarg sind sie eigentlich immer, die Figuren in den Filmen der Kaurismäki-Brüder, das Wiedersehen mit ihnen ist aber jedes Mal aufs Neue eine große Freude.

© SZ vom 20.01.2021
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema