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DVD & Stream:Künstler im Blick

Neu fürs Heimkino: Die inspirierenden Dokumentarfilme "Schlingensief - In das Schweigen hineinschreien", "Body Of Truth" mit Marina Abramović und "Martin Margiela - Mythos der Mode".

Von Josef Grübl

Christoph Schlingensief war Einzelkind, dabei träumten seine Eltern von einer großen Familie. Das klappte aber nicht, weshalb sich der Erst- und Einziggeborene bereits als Junge dem elterlichen Wunsch verpflichtet fühlte: "Ich war sechs Kinder, drei davon sachlich, drei gaga." Das erzählte der im Jahr 2010 verstorbene Künstler oft, in der Künstlerdoku Schlingensief - In das Schweigen hineinschreien findet sich der sechsfache Schlingensief ebenfalls wieder. Vielleicht wollte er damit seine unglaubliche Produktivität erklären, sein vielfältiges Werk. Der Film erzählt davon, lustvoll und lustig, mit vielen Abschweifungen und Anekdoten. Vergangenen Sommer lief er im Kino, jetzt ist er auf DVD und als Stream erhältlich.

Schlingensief Dokumentarfilm In das Schweigen hineinschreien

Lustvoll und lustig: Die Künstlerdoku Schlingensief – In das Schweigen hineinschreien.

(Foto: Filmgalerie 451)

Auch die Münchner Regisseurin Evelyn Schels porträtiert Künstler, Georg Baselitz etwa oder Per Kirkeby, in ihrem jüngsten Werk geht es um vier Künstlerinnen: Body Of Truth erzählt von Frauen, die sich an ihren eigenen Körpern abarbeiten, die bekannteste von ihnen ist die Serbin Marina Abramović. Diese ritzte sich einmal einen fünfzackigen Stern in den Bauch oder ließ sich von tausenden New Yorkern in die Augen starren, dazu sagte sie: "Der Geist kann lügen, doch der Körper lügt nie." Sigalit Landau, Katharina Sieverding und Shirin Neshat sind weitere Ikonen der weiblichen Körperkunst, der neu auf DVD und als Stream erschienene Dokumentarfilm erzählt ihre Lebensgeschichten und stellt Werkverknüpfungen her.

Ebenfalls ein großer Künstler ist Martin Margiela, seine Werke wurden bereits vor Jahren in Museen wie dem Haus der Kunst ausgestellt, man findet sie aber auch in der Maximilianstraße: Der Belgier ist Modedesigner, mit seinem 1988 gegründeten Label setzte er neue Aspekte in der Mode. Er stülpte das Innere seiner Kleidungsstücke nach außen, gleichzeitig trat er selbst den Weg nach Innen an: Es gibt keine öffentlichen Bilder von ihm, vor elf Jahren zog er sich aus dem Unternehmen zurück. Der Münchner Dokumentarfilmer Reiner Holzemer schaffte es trotzdem, den visionären Dekonstruktivisten vor die Kamera zu locken: In Martin Margiela - Mythos der Mode (neu auf DVD und als Stream) sieht man seine Hände und hört seine Stimme, der Rest ist Imagination.

© SZ vom 08.04.2021
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