4 (Daniel Kutschinski, Deutschland, 2015)

Arbeit und Bedingungen für die Qualität eines Quartetts haben etwas mit unbedingter Verschworenheit zu tun. Die vier müssen nicht notwendig enge Freunde sein, sie müssen sich aber im Musizieren treffen, verständigen, inspirieren können. Das erinnert etwas an Jean-Pierre Melvilles wunderbares Gangsterpoem "Vier im roten Kreis" von 1970. Daniel Kutschinskis Film über das grandiose französische Quatuor Ébène porträtiert weniger, vielmehr scheint es, als sei die Kamera stille Fünfte im Bunde. Man wird Zeuge aus nächster Nähe, kann Spannungen, Kämpfe um den rechten Weg, Verstimmungen, Zweifel, Fragen, aber auch Triumphe miterleben. Diese erhellende Nähe hebt "4" von den üblichen filmischen Andachtshaltungen gegenüber der ehernen "Klassik" wohltuend ab. Hier herrscht die Elektrizität aus Neugier, Aufmerksamkeit und Beobachtungsgenauigkeit. Von Harald Eggebrecht

Bild: 4/DOK.fest München 4. Mai 2016, 17:502016-05-04 17:50:21 © SZ.de/infu