Homo Sapiens (Nikolaus Geyrhalter, Österreich 2016)

Wo ein Ort ist, spielt ohne Menschen plötzlich keine Rolle mehr - Hashima zum Beispiel, die verlassene Insel vor Japan mit ihren einstürzenden Apartmentblocks könnte überall sein. Nikolaus Geyrhalter hat solche Orte gesammelt und in langen Einstellungen gefilmt: Ruinen der Zivilisation und der Hoffnungen, verfallene Kathedralen, eine Bar, die der Dschungel zurückerobert, rostende Militäranlagen und ein versunkenes Spaßbad. Sieht man lange genug hin, wird der Gedanke, dass die Welt noch nach dem Gastspiel des Homo sapiens da sein wird, gar nicht mehr bedrohlich. Die Welt ist auch ohne uns ganz schön. Gebäude von Menschenhand stehen für Hybris und zerborstene Zukunftsträume so sehr wie für Kunstsinn und Tollkühnheit. An diesen Orten werden für immer unsere Geister sein. Von Susan Vahabzadeh

Bild: Homo Sapiens /Dokfest München 4. Mai 2016, 17:502016-05-04 17:50:21 © SZ.de/infu