Die Partei "Frau ja, aber schöner"

Eine 23 Jahre alte Münchnerin will Bundeskanzlerin Angela Merkel Konkurrenz machen. Sie tritt für "Die Partei" des Satirikers Martin Sonneborn an.

Eine 23 Jahre alte Studentin soll Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Konkurrenz machen. Unter dem Motto "Frau ja, aber schöner" schickt die Partei "Die Partei" von Ex-"Titanic"-Chefredakteur Martin Sonneborn die Münchnerin Samira El Ouassil in ihren "schmierigen" Wahlkampf.

Eine Studentin im Wahlkampf für "Die Partei"

(Foto: Foto: ddp)

"Wir setzen Merkel eine gut aussehende, junge Frau entgegen", sagt Sonneborn. Zu ihrer neuen Funktion kam El Ouassil durch den Sieg bei einem "Kanzlerkandidatinnen-Casting" der Partei. Vom heutigen Donnerstag an ist die junge Münchnerin in ihrer neuen Rolle auch im Kino zu sehen: in "Die Partei - Der Film".

Mehr als einen Monat nach ihrem Casting-Sieg hat El Ouassil ihre politische Funktion nahezu perfekt verinnerlicht. Zum Interview kommt sie in Begleitung ihres "Fahrers", trägt ein blaues Hemd mit roter Krawatte und reiht politsatirische Phrasen aneinander.

Ein Rock geht durch Deutschland "Es soll ein Rock durch Deutschland gehen, und ich bin dieser Rock", verkündet sie. "Ich bin das, was Sarah Palin eigentlich war, aber nie zugegeben hat: nämlich ein politisches Pin-up-Girl für die Parteimitglieder." Die Studentin der Kommunikationswissenschaften war von Sonneborn bei einer Lesung zum Casting der "Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative" eingeladen worden. Teilnehmen durften dem Parteichef zufolge ausschließlich gut aussehende Frauen unter 35, die bereit sind, "als willenlose Marionetten" zu kandidieren. Insgesamt 17 junge Frauen präsentierten sich Anfang Juli in Hamburg einer Jury.

El Ouassil überzeugte die Jury im tiefdekolletierten roten Kleid nicht nur auf dem Laufsteg, sondern auch im zweiten Teil des Castings, bei der "politischen Meinungsäußerung": "Hier ist es sehr, sehr heiß, aber die 'Partei' verspricht einen heißen Wahlkampf", rief sie unter dem Jubel der "Partei"-Anhänger.

Sonneborn ist voll des Lobes für seine Kanzlerkandidatin: Sie sehe gut aus und habe die Frage, ob sie eine politische Vision habe, mit Ja beantwortet. Die Rollen von Parteichef und Kanzlerkandidatin sind klar verteilt, wie El Ouassil erläutert: "In der Regel redet Martin, und ich sehe aus." Nur hin und wieder sind der Münchnerin marokkanischer Herkunft Antworten jenseits ihrer Rolle zu entlocken. Die Wähler sollten "auf die Absurdität der politischen Mechanismen aufmerksam werden", sagt die Studentin.

Ein Wahlkampf wie im Kino Eine öffentlichkeitswirksame Aktion gelang Sonneborn und El Ouassil vergangene Woche, als sie unmittelbar vor der Pressekonferenz von Hape Kerkeling zu dessen neuem Film "Horst Schlämmer - Isch kandidiere" auf dem Podium Platz nahmen. Die Kanzlerkandidatin lächelte und winkte ins Publikum, Sonneborn stellte die "Partei" kurz vor. Nach etwa zwei Minuten wurden die beiden von Sicherheitsleuten aus dem Saal geführt.

Zwar ist El Ouassil längst in "Die "Partei" eingetreten, für einen Platz auf deren Landeslisten kam ihre Kür zur Kanzlerkandidatin aber zu spät. Damit stünde sie selbst dann nicht zur Wahl, wenn "Die Partei" bei der Bundestagswahl doch noch antreten dürfte.

Danach sieht es nach dem Nein des Bundeswahlausschusses aber ohnehin nicht aus. Damit sind vorerst nicht Merkel, Steinmeier, Westerwelle und Co. die Hauptkontrahenten von Sonneborn und El Ouassil, sondern Bundeswahlleiter Roderich Egeler und insbesondere Hape Kerkeling: Am 20. August kommt der Film über den Wahlkampf der "Horst Schlämmer Partei" (HSP) in die Kinos, bereits am heutigen Donnerstag der Film über "Die "Partei".

Die Kanzlerkandidatin El Ouassil hat auf dem Filmplakat eine hervorgehobene Stellung, spielt im Film aber nur eine Nebenrolle. Aber sie wurde ja ohnehin vor allem ausgewählt, um der Partei ein schönes Gesicht zu verleihen.