Deutsches Museum investiert Schätze ans Tageslicht

Millionen für den Museumsausbau: 80.000 Exponate aus den Depots des Deutschen Museums sollen künftig in Oberschleißheim ausgestellt werden.

Von Alfred Dürr und Klaus Bachhuber

Das Deutsche Museum will für 44 Millionen Euro einen neuen Ausstellungskomplex in Oberschleißheim errichten. Entsprechende Pläne hat Generaldirektor Wolfgang Heckl jetzt vor dem Oberschleißheimer Gemeinderat konkretisiert und ist dabei auf positive Resonanz gestoßen. Auf dem Flugplatz-Gelände, im unmittelbaren Anschluss an die gläsernen Hallen des dortigen Luft- und Raumfahrt-Museums, könnte die neue Halle entstehen. Vorgesehen ist eine 30000 Quadratmeter große "Zentrale Schausammlung", in der sämtliche Depot-Exponate des Museums zusammengefasst und der Öffentlichkeit präsentiert werden sollen. Der Bauantrag ist bereits in Arbeit.

Neben der Flugwerft in Oberschleißheim plant das Deutsche Museum einen Neubau. In den Depots lagern 80.000 Exponate - vom Oldtimer bis zur Tonfigur.

(Foto: Foto: Ulla Baumgart)

Von den 100000 Exponaten, über die das Deutsche Museum verfügt, sind nur zwischen 20000 und 25000 für die Öffentlichkeit ausgestellt. Der Rest lagert in Depots, die im Keller der Münchner Museumsinsel und in verschiedenen anderen Räumlichkeiten, etwa im historischen Hauptzollamt an der Landsberger Straße, untergebracht sind. Insgesamt gibt es sieben solcher Depots in und um München sowie in Freilassing und Ingolstadt. Das wirft nicht nur logistische Probleme auf und führt zu hohen Transportkosten. Die Keller auf der Museumsinsel sind auch den Gefahren ausgesetzt, die durch Isar-Hochwasser drohen. Nicht zuletzt fallen hohe Mietkosten an. Sie belaufen sich auf etwa eine Million Euro im Jahr.

Kein klassisches Museum

Das ganze Depotwesen soll nun in einem einzigen Baukörper zusammengefasst werden. Bei der Errichtung des Luftfahrtmuseums in Oberschleißheim hat sich das Deutsche Museum damals Baurecht für 7500 Quadratmeter aufgespart. Je nach Gestaltung des neuen Zentraldepots ist eine Grundfläche von 8500 bis 10000 Quadratmeter vorgesehen. Das bedeutet, dass der Oberschleißheimer Gemeinderat diese Überschreitung genehmigen muss. Das scheint zu funktionieren.

Bei der Debatte im Gremium wurde deutlich, dass Oberschleißheim vor allem an einer gelungenen Einbindung in die Landschaft und einer funktionierenden Verkehrserschließung gelegen ist. Es gebe noch keine konkreten Pläne oder Skizzen für die Architektur, sagte Heckl. Man wolle zunächst die Wünsche der Gemeinde hören und diese dann in das Gestaltungskonzept einarbeiten. Absicht des Museums sei es jedenfalls, in der Bauform sowie bei der technischen und energetischen Gestaltung eine Vorreiterrolle einzunehmen.

Bei der Raumplanung ist man nach Auskunft von Museumssprecher Bernhard Weidemann inzwischen schon weit fortgeschritten. Ein klassisches Museum wird die neue Depothalle freilich nicht. Die Objekte werden zwar präsentiert, aber ohne die sonst üblichen Beschreibungen, Schautafeln, Bildschirme oder anderen didaktischen Arrangements. Für die Öffentlichkeit soll es Führungen zu festgelegten Zeiten geben, Museumschef Heckl rechnet mit rund 110000 Besuchern jährlich.

Vom Flugzeug bis zur Schraube

Um alle Regale und Stellmöglichkeiten für die Objekte auf der zur Verfügung stehenden Fläche unterzubringen, plant das Museum mit drei ober- und zwei unterirdischen Geschossen. Die Höhe des Gebäudes soll sich an den Dimensionen der Flugwerft orientieren. Es soll genügend Platz bieten, damit das Deutsche Museum seine Sammeltätigkeit noch über Jahre fortsetzen kann.

Was für Schätze hinter den verschlossenen Türen lagern, kann man nur erahnen. "Vom Flugzeug bis zur Schraube ist fast alles vorhanden", sagt Museumssprecher Weidemann. Dazu gehören etwa die ersten Röntgen-Röhren, der erste kleine Stahlbeton-Bau Deutschlands aus dem Jahr 1884, die Olympiafackel von 1972, eine Haartrocken-Haube aus den 1950er Jahren und vieles andere mehr von der Astronomie bis hin zu allen Formen der Zeitmessung.

Das Deutsche Museum treibt jetzt die Konzeption für die neue Außenstelle mit Nachdruck voran. Bislang steht nur Geld für die ersten Planungen zur Verfügung. Aber man hofft, dass mit den weiteren Schritten auch die Finanzierung der Baukosten in Höhe von 44 Millionen Euro gesichert werden kann. Das öffentliche Depot gehört schließlich zum Sanierungs- und Umgestaltungsprogramm des Deutschen Museums, für das in den kommenden 15 Jahren insgesamt 400 Millionen Euro vorgesehen sind.