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Kneipe Olympiadorf "O'Connolly's":Das kleinste Pub der Stadt

Schon bei zwei Gästen gut gefüllt: Die Kunststudentin Eva Schleippmann verwandelt einmal die Woche ihren acht Quadratmeter großen Bungalow in eine Kneipe.

Dieser Text ist leider veraltet, die Bar gibt es inzwischen nicht mehr.

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Ein Stückchen Irland im Olympiadorf: Der Pub von Eva Schleippmann.

(Foto: Eva Schleippmann)

Koboldgrün springt er einem ins Auge: der kleine Bungalow von Eva Schleippmann im Olympiadorf. So bunt, dass er fast nach Aufmerksamkeit schreit. Ziemlich wagemutig für das, was sich hinter dieser quietschgrünen Wand befindet - gerade einmal acht Quadratmeter.

Interessant sind diese paar Quadratmeter trotzdem. Sie bieten Münchens kleinstem irischen Pub ein Zuhause: dem O'Connolly's. Und die Kunststudentin Eva Schleippmann, 24, serviert dort nicht nur Guinness, sondern auch junge Kunst und Literatur.

Die Idee für das winzige Pub entstand während Evas Aufenthalt in Irland. Sie nahm die irische Bedeutung eines Pubs wortwörtlich. "Die Iren begreifen das Pub als erweitertes Wohnzimmer", erklärt Eva. Dass sich das erste Geschoss ihres kleinen Bungalows in der Studentenstadt dafür geradezu perfekt anbietet, war ihr zuhause schnell klar.

Einen Ort schaffen, an dem Leute zusammenkommen, sich treffen und sich gemütlich austauschen können. Aber noch ein architektonisches Detail gab Eva Anreiz, das Pub-Projekt bei sich zu Hause zu verwirklichen - die zwei Auslagenfenster der Bungalows, die mehr an Schaufenster als an normale Fenster erinnern. "Als Kunststudentin konnte ich da natürlich keine dekorativen Gläser reinstellen", sagt Eva. Also wollte Eva die Schauseite nach außen hin für künstlerische Projekte zur Verfügung stellen.

Vor etwa einem Jahr entstand die Idee für das O'Connolly's. Dass es das kleinste Pub Münchens sein soll, ist für Eva zumindest nicht widerlegt. "Bislang hat sich noch niemand bei mir gemeldet und gemeint, er habe ein noch kleineres Pub." Der Raum fühlt sich auf jeden Fall schon zu zweit gut gefüllt an.

Bis jetzt läuft es sehr gut, kein Wunder bei den perfekten, aber doch außergewöhnlichen Gegebenheiten. Das Pub, die wechselnden Ausstellungen, die Lesungen kommen gut an. Nicht nur bei den Kommilitonen der Akademie der Bildenden Künste, sondern auch bei den normalen Studenten aus den umliegenden Bungalows.

Aber wie kommt eine junge Kunststudentin dazu, den Spagat zwischen stressigem Studium und Pub-Betrieb zu wagen? "Es funktioniert einfach, und es gehört ja auch zu meinem Studium dazu - meine Kunst ist es, das hier zu machen", sagt Eva überzeugt. Lernt man Eva kennen, merkt man gleich, dass sich Kunst nicht auf Bilder oder Skulpturen beschränkt, sondern dass die Präsentation der Kunstwerke auch zur Kunst zählt. Kaum verwunderlich, dass es Eva gefallen würde, später als Kuratorin zu arbeiten. Das O'Connolly's sei für sie eben Kuratorenarbeit im Kleinen, aber mit großem Lerneffekt. Schließlich liegt es in ihrer Hand zu entscheiden, welche Kunstwerke präsentiert werden können.

Sie möchte jungen Künstlern, die sich in der großen Künstlerwelt noch beweisen müssen, einen kommunikativen Rahmen bieten. Und die Enge, aber zugleich auch Nähe des O'Connolly's ist sehr kommunikativ. Vor allem, wenn sich auf einmal 20 Menschen in dem beengten Raum tummeln.

Fremdheit ist da ganz schnell überwunden - und mündet oft in angeregten Diskussionen über die dargestellten Werke. Ganz schnell entstehen besonders interessante Blickwinkel, wenn die Künstler auf Laien treffen. "Das ist aber auch der Anspruch, den ich mir stelle: Es soll interdisziplinär sein." Eva findet, dass alle - nicht nur Kunststudenten - dazu eingeladen sind auszustellen. Alles, was realisierbar sei, könne gezeigt werden.

Anstrengend sei der Betrieb des Pubs neben dem Studium natürlich schon, aber Eva bekommt ja auch Hilfe. Finanzielle Unterstützung von ihrer Uni sowie die Duldung durch das Studentenwerk machen den Betrieb schon leichter. Alles läuft auf Spendenbasis, das macht das O'Connolly's einerseits sehr preiswert. Andererseits ermöglicht es Eva, die Bar ohne Schanklizenz zu betreiben. Mit den direkten Nachbarn gab es bislang auch keine Probleme, aber vorausschauend wie sie ist, nimmt Eva natürlich Rücksicht. In den Semesterferien und in den Lernzeiten bleibt das O'Connolly's geschlossen - außer am St. Patrick's Day natürlich.

Der Text ist auf der Jugendseite der SZ erschienen. Weitere Artikel von jungen Autoren finden Sie hier.

Diese Sommersaison ist das O'Connolly's in der Connollystraße 3 immer donnerstags von 20 Uhr an geöffnet.

© SZ vom 16.05.2011/sonn

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