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Das ist nicht schön:Großes Drama

Kinos dürfen wieder öffnen. So leicht ist das aber nicht

Von Josef Grübl

Eine kleine Pause könnten jetzt alle gut gebrauchen, das passende Programm stünde bereit: "Gönn dir eine Auszeit", singt Hape Kerkeling in der Kinokomödie "Der Boandlkramer und die ewige Liebe". Leider ist das in Pandemiezeiten nicht so einfach, diese Auszeit dauert länger, die Kinos haben seit einem halben Jahr geschlossen. Jetzt aber gibt es Hoffnung beziehungsweise Öffnungsperspektiven: Die dritte Welle scheint gebrochen, in München dürfen die Menschen zurück in Biergärten, Theater und Museen. Auch Kinobesuche wären wieder möglich. Bis auf ein paar wenige Ausnahmen (Breitwand-Kino in Gauting, Manhattan Deluxe in Erlangen) bleiben Bayerns Lichtspieltheater aber bis auf Weiteres geschlossen.

Das hat mehrere Gründe: Zum einen lässt sich ein über Monate lahmgelegter Kinobetrieb nicht von einem Tag auf den nächsten hochfahren, zum anderen gibt es strenge Auflagen. Nur mit einer Sieben-Tage-Inzidenz zwischen 50 und 100 darf geöffnet werden; Städte wie München oder umliegende Landkreise haben diesen Wert erreicht. Aber auch dann können Besucher nur mit aktuellem negativen Testnachweis rein. Die aus dem vergangenen Jahr bekannten Abstandsregelungen sind weiterhin einzuhalten, Masken müssen auch am Platz aufbehalten werden, Popcorn und Cola sind tabu. Verdient ist mit solchen Vorgaben nichts, ein Auszeitgefühl mag sich nicht einstellen. Hinzu kommt, dass kaum neues Programm bereitsteht: Für die Filmverleiher haben Neustarts und Werbekampagnen nur dann Sinn, wenn Kinos in ganz Deutschland geöffnet haben. Diese Erfahrung machte man bereits im Sommer 2020, als der Kinomotor nur sehr holprig wieder ansprang.

Das scheint sich nun zu wiederholen: Viele Kinos werden frühestens im Juni wiedereröffnen, einige sogar erst im Juli. Für den singenden Hape Kerkeling ist das leider zu spät: Der potenzielle Kino-Gute-Laune-Hit "Der Boandlkramer und die ewige Liebe" läuft jetzt bei Amazon Prime Video; Fans von vollbesetzten Kinosälen und filmischem Volksfestgefühl schauen also in die Röhre. Das ist nicht schön.

© SZ vom 15.05.2021
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