Drama Vom Himmel durch die Welt zur Hölle

Der Mord an Filmemacher Pasolini ist bis heute nicht aufgeklärt. Am Residenztheater verknüpft der Regisseur Antonio Latella dessen Leben mit Motiven und Texten aus Dantes "Göttlicher Komödie".

Von Christiane Lutz

Das Schöne am Beruf des Regisseurs ist, dass er, wenn es gut läuft, Theaterproduktionen aus den Themen zusammenbauen kann, die ihn besonders interessieren. Der italienischen Regisseur Antonio Latella interessiert sich zum Beispiel sehr für das Leben und Werk von Pier Paolo Pasolini und das von Dante Alighieri. Für ihn sind sie zwei der bedeutendsten italienischen Autoren, ungeachtet der Tatsache, dass sie Jahrhunderte voneinander getrennt gelebt und gearbeitet haben. Am Residenztheater entstand so "Eine göttliche Komödie. Dante Pasolini", eine Uraufführung, geschrieben von Federico Bellini.

Ausgangspunkt der Geschichte ist der Mord an Pasolini in der Nacht vom 1. auf den 2. November 1975 in Ostia. Am Morgen wird der Autor und Filmemacher tot auf einem Fußballplatz gefunden. Manche sagen, es sei ein junger Stricher gewesen, mit dem Pasolini, der seine Homosexualität offen lebte, eine Verabredung hatte. Andere sagen, er sei Opfer von Rechtsradikalen geworden, weil er stets linksliberal, ja kommunistisch bewegt war. Pasolini sorgte zu Lebzeiten für allerlei Anstoß, wie er sich mit den kleinen Leuten solidarisierte, Konsum und Politik kritisierte und seinen sexuellen Neigungen nachging.

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Latella möchte in seiner Inszenierung den Mord an Pasolini rekonstruieren und seine Erzählung mit Texten, Szenen und Bildern aus Dantes Monumentalwerk "Die göttliche Komödie" anreichern. Pasolini war von Dante inspiriert, er versuchte sogar, "Die göttliche Komödie" weiter zu schreiben. Die Odyssee durch die Hölle, die Dante beschreibt, verknüpft der Regisseur mit den Leiden Pasolinis. Nach dem Mord begegnet Pasolini also Figuren seines Lebens wieder, der übermächtigen Mutter zum Beispiel, von der er sich zeitlebens nicht lösen konnte, Figuren aus seinen radikalen Filmen.

Latella arbeitet mit sechs Schauspielern des Residenztheaters, die mehr oder weniger verschiedene Rollen übernehmen. Franz Pätzold wird vor allem die Rolle des Vergil übernehmen, der Dante auf seiner Höllentour begleitet. Diese Produktion wird schon die letzte Premiere im Schauspielhaus unter der Intendanz Martin Kušejs sein, das Theater schließt schon am 19. Mai, die Stromversorgung muss saniert werden.

Die göttliche Komödie. Dante Pasolini, Uraufführung, Freitag, 22. März, 19.30 Uhr, Residenztheater, Max-Joseph-Platz 1, t 21 83 19 40