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Daglfing:Eine Milliarde Euro

Gleisausbau: Ministerium bestätigt die Tunnel-Zusatzkosten

Von Nicole Graner, Daglfing

Bei einem Gespräch der Bürgerinitiative für Bahntunnel von Zamdorf bis Johanneskirchen (BI Tunnel) mit dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) sowie Vertretern der Deutschen Bahn AG über die Planung der Truderinger und Daglfinger Kurve und Spange (TDKS) vor einer Woche wurden einmal mehr Zahlen bekannt, was denn die Tunnel-Variante für diese Strecke zusätzlich kosten würde. Pro Bahnkilometer wären es laut BI 250 Millionen Euro. Was für die vier Kilometer lange Strecke eine Milliarde Euro bedeuten würde. Die Bahn hatte die Tunnel-Kosten insgesamt sogar bei 2,4 Milliarden Euro angesetzt.

Jetzt bestätigt das BMVI auf Anfrage der SZ die Zahlen der BI. Nach den Zahlen, die dem BMVI vorliegen, würden sich nach einer "ersten Schätzung" die Kosten für den oberirdischen Streckenausbau des viergleisigen Ausbaus Daglfing - Johanneskirchen auf 600 bis 800 Millionen Euro und die Kosten für einen Tunnel demzufolge auf 1,5 bis 1,8 Milliarden Euro belaufen. "Die Zusatzkosten für die von der Stadt München gewünschten Tunnellösung betragen demnach zirka eine Milliarde Euro", heißt es in einem Schreiben aus dem Büro des Parlamentarischen Staatssekretärs Enak Ferlemann (CDU).

Die Bahn hat drei Varianten, die Tunnel-Lösung, eine Trog-Variante oder einen ebenerdigen Verlauf prüfen lassen. Der Trog wurde in dem Gespräch am Dienstag vor einer Woche allerdings nicht weiter thematisiert. Wie das BMVI mitteilt, seien "die Kosten einer Trog-Variante nach den derzeitigen Erkenntnissen annähernd so hoch wie die eines Tunnelbaus". Weil die fachliche Bewertung "aufgrund des hohen Flächenverbrauchs im Vergleich zu einer Tunnellösung deutlich negativer abschneiden dürfte", gehe der Bund davon aus, dass "diese Variante nicht weiter verfolgt werden wird". Auch dürfte wegen der hohen Kosten der Tunnel-Variante für die Bahn "der ebenerdige Ausbau die Vorzugsvariante sein". Allerdings, so heißt es in der Auskunft des BMVI auch, könne aufgrund der von der Stadt München gewünschten Stadtentwicklungsmaßnahme bei entsprechender Übernahme der Mehrkosten durch die Stadt auch eine Tunnellösung realisiert werden.

Zur Frage, was denn nun genau die Grundlage für die Berechnung des Zugaufkommens auf der genannten Strecke zwischen Zahmdorf und Johanneskirchen sei, nennt das BMVI erneut den Bundesverkehrswegeplan als Quelle. Beim Variantenvergleich würden die "Auswirkungen eines Ausbauvorhabens auf Mensch und Umwelt" mit einfließen - "ohne dass hierbei auf eine exakte Höhe der Zugzahlen einzugehen wäre". Denn erst zu einem sehr viel späteren Zeitpunkt, bei der Entwurfs- und Genehmigungsplanung, seien, so erläutert das BMVI weiter, die "dann aktuellen Zugzahlen nach der Verkehrsprognose des Bundes und der Anmeldungen aus dem Nahverkehr für die Erstellung der schallschutztechnischen Gutachten entscheidend". Erst danach seien dann im Einzelnen die "Lärmschutzmaßnahmen zu bemessen".

© SZ vom 24.06.2020

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