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Zukunft von Markus Söder:Fast zu schade für Berlin

Blasius Thätter,Blasius Thätter 40 Jahre SZ

Der ehemalige Landtagsabgeordnete Blasius Thätter.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

An der Frage, ob Bayerns Ministerpräsident Markus Söder als Kanzler kandidieren soll, scheiden sich auch bei der CSU im Landkreis die Geister

Von Benjamin Emonts, Eva Waltl, Dachau

Die Dachauer Bundestagsabgeordnete Karin Staffler (CSU) ist definitiv nicht auf den Mund gefallen, doch bei dieser Frage gerät sie ins Stottern. Soll Markus Söder für das Kanzleramt kandidieren, will man am Telefon von ihr wissen. Staffler zögert fast eine Minute, sie zaudert und lacht verlegen, bis sie letztlich ausweicht und sich höflich entschuldigt. Söder, sagt sie nur, sei ein hervorragender Ministerpräsident, der das Zeug zum Kanzler habe. Die Frage aber sei "knifflig".

Mit ihrer freundlichen Zurückhaltung ist Staffler nicht allein. Die meisten ihrer Parteikollegen in der CSU wollen sich in der Frage ebenfalls nicht festlegen, weil niemand es sich mit dem derzeit so beliebten und mächtigen Ministerpräsidenten Söder verscherzen will. Eine Parteilinie in der Frage gibt es (noch) nicht. Und Söder öffentlich die Tauglichkeit zum Kanzleramt abzusprechen, käme wohl einer Majestätsbeleidigung gleich. Söder selbst ist ja nicht ganz zu durchschauen. Er hat zwar am Montag in einer Videokonferenz versichert: "Mein Platz ist natürlich in Bayern." Doch andererseits schmeicheln ihm die Kanzlerspekulationen offensichtlich. Mit allerletzter Konsequenz hat er sie bisher auch nicht dementiert. Stattdessen sagte er zuletzt Sätze wie: Der künftige Kanzlerkandidat der Union müsse sich in der Corona-Krise bewährt haben. Oder: "Nur wer Krisen meistert, wer die Pflicht kann, der kann auch bei der Kür glänzen." Sie klangen wie ein Plädoyer in eigener Sache.

Was also denken die Politiker aus dem Landkreis? Am Stammtisch im Dachauer Stadtkeller, an dem sich jede Woche ehemalige CSU-Größen aus der Region treffen, gehen die Meinungen auseinander, berichtet der langjährige Landtagsabgeordnete Blasius Thätter aus Großberghofen. Der 84-Jährige aber hat eine klare Meinung: "Söder sollte in Bayern bleiben, da ist er besser aufgehoben und kennt sich aus." Im Bund, so glaubt Thätter, hätte Söder mit der CDU alle Hände voll zu tun und könnte "verheizt" werden. Er weist auf die gescheiterten Kandidaturen von Edmund Stoiber und Franz Josef Strauß hin. Für einen Bayern, sagt Thätter, sei es eben sehr schwer, zum Kanzler gewählt zu werden. Strauß, das zur Erinnerung, war bei der Wahl 1980 am Sozialdemokraten Helmut Schmidt gescheitert, Thätters langjähriger Weggefährte Edmund Stoiber 2002 an SPD-Kanzler Gerhard Schröder.

Andere namhafte CSU-Mitglieder aus Dachau geben sich wie Katrin Staffler eher wankelmütig. "Ich habe ein gespaltenes Herz", sagt etwa der Dachauer Landrat Stefan Löwl. Auch er glaubt, dass es für Söder schwierig werden würde, auf Bundesebene gewählt zu werden. In Bayern, so glaubt er, fühle Söder sich wohler, wobei er ihm das Kanzleramt zutraue. Sollte die CDU nach ihm rufen, ist Löwl überzeugt, werde Söder dem Ruf folgen, weil das Amt sehr reizvoll sei. Für Bayern wäre das jedoch ein großer Verlust, glaubt Löwl. Er selbst liebäugelt für den kommenden Wahlkampf mit einem "starken Tandem" aus Söder und Gesundheitsminister Jens Spahn - mit Spahn als Kanzleranwärter.

In höchsten Tönen spricht Florian Schiller, der Vorsitzende der Dachauer CSU-Stadtratsfraktion, über Söder. Wer als Ministerpräsident in Bayern so erfolgreich und noch dazu beliebt sei, dem traue er auch eine große Rolle in Berlin zu. Söders Erfolge im Freistaat seien die Basis für eine erfolgreiche Kanzlerkandidatur. Als Alternative ist für Schiller aber auch Armin Laschet denkbar, der Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens, dem Ambitionen nachgesagt werden. Söder jedoch ist gewiss kein Fan dieser Option. Er ist in der Corona-Krise immer wieder mit Laschet aneinandergeraten in der Frage, welche Sicherheitsmaßnahmen erforderlich sind.

Dachaus SPD-Oberbürgermeister Florian Hartmann hingegen äußert sich skeptisch. Er finde zwar, dass Söder sich in den vergangenen Monaten profiliert und seine Position innerhalb der Unionsparteien gestärkt habe. "Ich glaube aber, dass es nur dann einen CSU-Kanzlerkandidaten geben wird, wenn sich in der CDU niemand Geeignetes findet. Und in der CDU gibt es ja aktuell einige, die unbedingt ins Kanzleramt wollen." Das Ende der Geschichte wiederum glaubt der Landtagsabgeordnete und Kreisvorsitzende der CSU, Bernhard Seidenath, zu kennen: Söder wird demnach nicht kandidieren. Das nämlich, so berichtet Seidenath, habe er mit eigenen Ohren von Söder gehört in einer nicht-öffentlichen Sitzung im Landtag am vergangenen Dienstag. Er finde das gut, weil Söder in Bayern hervorragende Arbeit leiste.

© SZ vom 11.07.2020

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