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Zeitgemäße Architektur:Vier Höfe und ein Pizzaofen

Johannes-Neuhäusler-Schule

44 Jahre ist die Johannes-Neuhäusler-Schule alt. Längst platzt sie aus allen Nähten und ist für die Schüler nicht mehr zeitgemäß.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Das Franziskuswerk kann im Osten von Schönbrunn die Johannes-Neuhäusler-Schule neu bauen

Von Thomas Radlmaier, Schönbrunn

Es ist der Durchbruch bei einem Projekt, das in den vergangenen Jahren ins Stocken geraten war: Die Viktoria-von-Butler-Stiftung kann die Johannes-Neuhäusler-Schule in Schönbrunn neubauen. Die Mitglieder des Bauausschusses der Gemeinde Röhrmoos haben das Vorhaben einstimmig genehmigt. Die Baukosten belaufen sich voraussichtlich auf 20 Millionen Euro. Im ersten Quartal des kommenden Jahres sollen die Arbeiten beginnen. Im Franziskuswerk hofft man, den Betrieb zum Start des Schuljahres 2020/21 aufnehmen zu können. Dann können die 150 Schüler das alte und marode Schulgebäude verlassen.

Die Johannes-Neuhäusler-Schule ist ein Förderzentrum für geistig behinderte Menschen mit Schwerpunkt auf geistige Entwicklung. Das Ziel der Einrichtung ist, die Kinder und Jugendlichen zu einer möglichst selbstständigen Lebensgestaltung zu führen. In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Schüler stark gestiegen. Sonder- und Volksschullehrkräfte, heilpädagogische Förderlehrer, Unterrichtshilfen und Kinderpfleger betreuen und unterrichten derzeit in 18 Klassen aus Grund-, Mittel- und Berufsschulstufe. Eine davon ist für Kinder mit autistischen Verhaltensweisen vorgesehen.

Das Schulgebäude, das 44 Jahre alt ist und über 14 Klassenzimmer verfügt, platzt aus allen Nähten. Zudem ist es deutlich in die Jahre gekommen. Schon lange plant man am Franziskuswerk, eine neue Lehrstätte für die Schüler zu schaffen. Schnell war klar, dass es billiger werden würde, die Schule komplett neu zu bauen, statt zu sanieren. Doch die Standortsuche zog sich über Jahre. Zunächst war ein Grundstück nördlich des alten Schulgebäudes für den Neubau vorgesehen. Auch der Röhrmooser Gemeinderat hatte bereits zugestimmt. Doch es stellte sich heraus, dass der dortige Boden für ein solches Vorhaben ungeeignet ist. "Er ist zu weich, das hätte eine immense Kostensteigerung verursacht", sagt Sigrun Wedler, Pressesprecherin am Franziskuswerk. Inzwischen haben Vertreter des Franziskuswerkes dem Röhrmooser Bauausschuss einen neuen, geeigneteren Standort präsentiert. Das Grundstück, das 11 670 Quadratmeter misst, befindet sich im östlichen Teil von Schönbrunn auf dem Gelände der ehemaligen Stallungen, die von den Straßen Raphaelweg und Werkstättenweg umrandet werden. . "Wir sind damit näher am Ort und damit präsenter", sagt Wedler.

Die neue Schule besteht aus drei zweigeschossigen und einem eingeschossigen Gebäude, die jeweils an der Giebelseite miteinander verbunden sind und ein wenig versetzt zueinander stehen. Im nördlichen Baukörper und in einem der mittleren befinden sich die Klassenzimmer und der Werkbereich. Zwischen den Klassenräumen ist jeweils ein Zimmer für Gruppenarbeit vorgesehen. Im zweiten Mittelgebäude sind die Aula, Lehrküchen, eine Bibliothek und Verwaltung untergebracht. Im südlichen Bau, der als einziger unterkellert ist, ist die Turnhalle und ein Therapiebad mit Nebenräumen geplant.

Zwischen den Gebäuden haben die Architekten aus München vier Höfe geplant. Im nördlichen Hof erhalten die Berufsschüler einen Freibereich, den mittleren teilen sich Grund- und Mittelschüler. Im östlichen Hof kommen Schüler, Lehrer und Besucher an und betreten von dort das Schulhaus oder die Turnhalle. Der südliche Freiplatz wird mit Pflanzenbeeten und einem Pizzaofen für die Schüler ausgestattet.

Der Röhrmooser Bürgermeister Dieter Kugler (CSU) spricht von einem "sehr ansprechenden Plan". Gut sei auch, dass mit dem neuen Standort die Viktoria-von-Butler-Straße verkehrstechnisch entlastet werde, da man nicht mehr direkt durch den Ort fahren müsse. Er begrüße, dass die geistig behinderten Schüler "beste Rahmenbedingungen" vorfinden. "Schönbrunn gehört für uns schon immer mit dazu." Insofern sei das nichts Besonderes - und so sollte es auch in der Gesellschaft sein.

© SZ vom 06.11.2018

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