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Wochenende:Durch die Viertel stöbern

Hofflohmärkte gibt es in ganz Deutschland, unter anderem in Karlsfeld, Gemering oder Oberschleißheim.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Die Hofflohmärkte in Dachau dürfen nach Prüfung der Stadtverwaltung nun am Sonntag stattfinden.

Handelt es sich bei den Hof- und Gartenflohmärkten, die am Sonntag in Dachau stattfinden, um eine gewerbliche Veranstaltung oder nicht? Diese Frage hat in den vergangenen Tagen die Rathausverwaltung sowie Organisatoren und Teilnehmer beschäftigt und in sozialen Netzwerken rege Diskussionen ausgelöst.

Die Stadt wollte die kleinen Flohmärkte in Dachauer Hinterhöfen zunächst untersagen. Im Rathaus sah man einen Widerspruch zum Sonn- und Feiertagsgesetz, das gewerbliche Veranstaltungen an diesen Tagen verbietet. Doch auf mehrmaligen Protest des Münchner Veranstalters "Stadtfavoriten" und nach unzähligen kritischen Kommentaren auf Facebook revidierte die Stadt ihre Entscheidung. Nun ist klar: Die Hofflohmärkte gehen wie geplant am Sonntag, 23. September, von 11 bis 16 Uhr über die Bühne. Veranstalter René Götz sagt: "Ich bin froh, dass das geklärt ist."

In Dachau haben sich rund 80 Teilnehmer angemeldet

Götz organisiert seit 15 Jahren Hof- und Gartenflohmärkte. Diese finden regelmäßig in mehreren Städten und Gemeinden Deutschlands statt, darunter Haar, Karlsfeld, Germering oder Oberschleißheim. In Dachau gibt es sie seit 2015, der jüngste Termin war heuer im Juli. Dabei verkaufen Hausanwohner zusammen mit Nachbarn gebrauchte Gegenstände im eigenen Hinterhof oder Garten.

Für den kommenden Sonntag haben sich in Dachau bisher rund 80 Teilnehmer angemeldet, die sich über das ganze Stadtgebiet verteilen. Götz koordiniert das Ganze und stellt etwa eine Online-Plattform zur Verfügung, auf der man einen Stadtplan mit den einzelnen Standorten findet.

Zwar verlangt er 15 Euro pro Hof oder Garten, wenn die Flohmärkte samstags stattfinden. Damit finanziere er Werbekosten etwa für gedruckte Flyer oder Plakate, sagt Götz. Bei Terminen am Sonn- oder Feiertag aber entfällt diese Gebühr, um nicht in Widerspruch mit dem Gesetz zu gelangen. Dafür gebe es aber weniger Werbung.

Götz erklärt: "Es handelt sich um eine Nachbarschaftsprojekt ohne kommerziellen Charakter." Vielmehr gehe es darum, Städte zu beleben und Straßen und Ecken sichtbar zu machen, an denen man normalerweise nicht vorbeikomme. "Dachau hat unglaublich viele Facetten." Das wolle er mit dem Projekt zeigen.

Das Thema sorgt für rege Diskussionen auf Facebook

Dennoch hat ihm die Stadt in der vergangenen Woche mitgeteilt, die Hofflohmärkte wegen des Sonn- und Feiertagsgesetzes verbieten wollen. Daraufhin hat Götz mehrmals mit Mitarbeitern der Stadt telefoniert und sie auf den nicht kommerziellen Hintergrund hingewiesen, vergeblich. Auf der Facebook-Seite "Hofflohmärkte Dachau" schrieb Götz am Montag: "Eine Stadt sollte auch am Sonn- und Feiertag nachbarschaftliche und nachhaltige Aktivitäten unterstützen, statt die Akteure mit sozialem, nachhaltigen und gesellschaftlich positiven Gedanken aus der Stadt zu vertreiben." Daraufhin äußerten sich viele Facebook-User verärgert über die Linie der Verwaltung. Einer schrieb, das Verbot sei kleinkariert. Ein anderer: "Ich finde es sehr schade, dass man als Stadt nicht die Chance nützt, Stadtteile gemeinschaftlich, nachbarschaftlich und kreativ zu beleben."

Die Stadt überprüfte die Sachlage erneut und teilte schließlich am Dienstagvormittag auf Facebook mit, dass die Hofflohmärkte nun doch stattfinden dürften. Man habe erkannt, "dass bei dem geplanten Hofflohmarkt nicht der gewerbliche Charakter des Organisators im Vordergrund steht, sondern der private der vielen Teilnehmer". Auf Nachfrage sagt Hauptamtsleiter Josef Hermann: "Wir waren auf der falschen Schiene." Der Veranstalter verlange keine Gebühr. Deshalb könne man nicht von einer gewerblichen Veranstaltung sprechen.