Widerstand gegen Gewerbegebiet Bürger wollen Grünzug erhalten

Kampf um die grüne Zone zwischen Karlsfeld und Dachau: Eine überörtliche Bürgerinitiative wehrt sich gegen neue Gewergebiete.

Von Walter Gierlich

In Dachau und Karlsfeld regt sich massiver Widerstand gegen Planungen für Gewerbegebiete im Grünzug zwischen beiden Kommunen. Vor knapp zwei Wochen haben sich Bürger aus beiden Orten zusammengetan und eine Initiative gegründet, deren Ziel es ist, den Freiraum zwischen Dachau-Ost und dem Karlsfelder See zu erhalten. "Der Grünzug muss erhalten bleiben. Da darf nichts abgeschnitten werden", sagte Peter Heller, der Vorsitzende der Dachauer Ortsgruppe des Bunds Naturschutz (BN), als sich die Bürgerinitiative in einer Veranstaltung jetzt erstmals öffentlich präsentierte.

Sommer am Karlsfelder See: Eine Bürgerinitiative kämpft darum, den Freiraum zwischen Dachau-Ost und dem Karlsfelder See zu erhalten.

(Foto: region.dah)

Die Gemeinde Karlsfeld hat in ihrem neuen Flächennutzungsplan bereits ein 7,5 Hektar großes Gewerbegebiet beiderseits der Bajuwarenstraße unmittelbar an der Stadtgrenze zu Dachau ausgewiesen, obwohl dort der regionale Grünzug Dachauer Moos verläuft und die unter EU-Schutz stehenden Flora-Fauna-Habitat-Gebiete (FFH) am Tiefen Graben und Schleißheimer Kanal berührt werden. Noch ist der geänderte Plan nicht rechtskräftig, bis 22. Juli haben Bürger die Möglichkeit, Einwendungen zu erheben. Sie dazu zu ermutigen, sieht die Bürgerinitiative (BI) als aktuelle Priorität an.

Als weiteres Ziel bezeichnet es Bruno Schachtner, einer der Sprecher der BI, der auch eine ganze Reihe von Dachauer und Karlsfelder Kommunalpolitikern angehören, die Öffentlichkeit über die Pläne zu informieren und Unterschriften zur Erhaltung des Grünzug zu sammeln. In Dachau wird derzeit gerade ein Bebauungsplan für ein Gewerbegebiet auf dem Gelände des ehemaligen Feinpappenwerks Schuster erstellt. Doch fürchtet die BI, dass auch das rund 75000 Quadratmeter Areal zwischen dem alten Fabrikgelände und dem FFH-Gelände am Tiefen Graben mittelfristig gewerblich genutzt werden soll.

Einen Antrag der SPD-Fraktion, dort den Freiraum als Erholungsgebiet auszuweisen, hat der Bauausschuss des Dachauer Stadtrats mit den Stimmen von CSU und FDP abgelehnt. Oberbürgermeister Peter Bürgel (CSU) mochte damals eine Nutzung als Gewerbegebiet nicht ausschließen. ,,Als denkbare Option'' bezeichnete das am Montag Stadtbaurat Michael Simon, der jedoch nachdrücklich betonte. ,,Es gibt noch keinen Beschluss.'' Das Areal, das einer Erbengemeinschaft gehört, steht derzeit zum Verkauf. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Stadt das Grundstück gerne erwerben würde.

Die massivsten Einwände gegen mögliche Gewerbegebiete im regionalen Grünzug erhob in der Veranstaltung der stellvertretende Vorsitzender der Karlsfelder BN-Ortsgruppe, Peter Reiz. Er kritisierte nicht nur die Eingriffe in das Landschaftsbild, sondern sah auch das regional bedeutsame Kaltluftentstehungsgebiet in Gefahr. Zudem fürchtete er eine Zunahme des Verkehrs nach Karlsfeld, zumal das potentielle Dachauer Gewerbegebiet westlich des Tiefen Grabens über Karlsfelder Gebiet an die Bajuwarenstraße angeschlossen werden soll, weil die Schleißheimer Straße nicht mehr aufnahmefähig ist. Der Bund Naturschutz habe auf diese Gefahren schon seit 2007 und 2008 in Stellungnahmen zur Flächennutzungsplanänderung hingewiesen. Reiz hielt daher den Karlsfelder Gemeinderäten von CSU und dem größten Teil der SPD vor: ,,Es kann niemand sagen, er hätte nicht gewusst, was hier passiert.''