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Werkschau:Feuer und Flamme

Liz Schinzlers neue Ausstellung "Island - Abstrakt" ist eine Hommage an die archaische Schönheit der nordischen Insel, bewerkstelligt mit Mitteln der modernen Kunst

Von Gregor Schiegl, Karlsfeld

Liz Schinzler ist ziemlich weit herumgekommen in der Welt, aber Island hat es ihr ganz besonders angetan. "Das ist mein Ort", schwärmt die Künstlerin. "Island ist für mich das wildeste, abstrakteste, leiseste, farbigste und wasserreichste Land, das ich auf meinen Reisen um die Welt kennegelernt habe. Hier kann man den Herzschlag der Erde spüren. Ein nordisches Zauberreich aus Feuer und Wasser, Felsen und Eis, in dem die ganze Urgewalt der Schöpfung deutlich wird." Die Begeisterung, die aus ihren Worten spricht, spiegelt sich auch in ihren Bildern wider, die sie seit ihrem Island-Besuch im August 2017 geschaffen hat. Erstmals sind sie nun in einer Ausstellung mit dem Titel "Island - Abstrakt" in der Karlsfelder Galerie Kunstwerkstatt am Drosselanger zu sehen. Eine Liebeserklärung an Island.

Vor ihrem Island-Besuch hätte sich Liz Schinzler nicht für ein so leuchtendes Grün entschieden, es erschien ihr zu krass. Doch es ist Teil der Natur.

(Foto: Toni Heigl)

Liz Schinzler malt nicht nur, sie fotografiert auch gern. In ihrer Kunst gehen diese beiden Medien oft eine intensive Wechselwirkung ein. In einer früheren Ausstellung kombinierte sie schon einmal Fotografien bunter Lichterspiegelungen in Pfützen mit einem farblich und formal korrespondierenden Gemälde. Für Schinzler ist das Abstrakte keineswegs artifiziell und notwendigerweise Menschenwerk, im Gegenteil: Man sieht das Abstrakte überall in der Natur - wenn man es nur sehen will. Schinzler sieht es, sie will es auch dem Betrachter ihrer Bildern zeigen. "Ich will, dass der Funke überspringt."

Die nordische Insel mit ihren geometrischen Basaltformationen, seinen von Vulkanasche schwarz konturierten Gletschermassen und seinen Feuerbergen liefert ihr die idealen Sujets, die sie oft in einer hybriden Form aus Fotografie und Malerei abbildet. Das Foto eines Gletschers mit netzartiger Oberflächenstruktur ist nur mit ein paar Strichen weißer Farbe um eine malerische Ebene ergänzt. Einige Fotos hat sie auch auf Leinwand gedruckt und mit Sand, Asche und Kunstharz nachbearbeitet, so dass bisweilen eine Tiefenwirkung entsteht, gewissermaßen ein 3D-Effekt. Es sind - ganz aus der Reihe der auf einen Meter Höhe genormten Bilder - kleinformatige Werke. Ihre Optik hat etwas Urwüchsiges, Archaisches wie ein Fundstück, das man aus den Tiefen der Erde gezogen hat, geheimnisvoll, roh und dabei doch von einer feinsinnigen, zarten Ästhetik, auch in der Wahl der Farben. In manchen Bildern scheint ein grelles Grün auf, eine Farbe, die Liz Schinzler früher nie zu verwenden gewagt hätte: zu krass. Aber genau dieses Grün schrillt auch an Islands Flussläufen wie ein Triumphschrei des Lebens, und leuchtet luzid, fast wie das Nordlicht, aus einer Folge von Bildern, die fein durchkomponiert sind. Auch wenn die Vorlagen in gewisser Weise abstrakt sind, gibt Schinzler nicht einfach nur interessante Motive wieder. Farben, Formen und Rhythmen in den natürlichen Strukturen arbeitet sie heraus - auch mit Elementen der Collage. Sie nie nennt es das "Gespür für die Größe der kleinen Dinge". Gleichzeitig verwischen aber auch die Grenzen von Fotografie und Malerei, Formen werden aufgelöst und an anderer Stelle variiert wieder aufgenommen. Das erzeugt eine gewisse Magie und Überweltlichkeit.

Liz Schinzler stellt regelmäßig im Großraum München und immer wieder in Karlsfeld aus. Ihr Hauptthema ist die abstrakte Malerei, der sie sich mit Acrylfarben und Pigmenten widmet.

(Foto: Toni Heigl)

Ein Werk in infernalisch explodierenden Rottönen trägt den Namen des hierzulande wohl berühmtesten isländischen Zungenbrechers, des Vulkans "Eyjafjallajökull". Es ist ein imaginärer Ausbruch, den Schinzler gemalt hat, im August 2017 war der Vulkan ganz friedlich, aber ohne Feuer wäre diese Island-Ausstellung unvollständig gewesen. "Was mich am meisten fasziniert hat, war diese Urgewalt", sagt Liz Schinzler. "Man meint, man sei bei der Entstehung der Erde dabei." Gleichzeitig schwingt in ihren Bildern aber auch eine Botschaft mit, die sie selbst in die knappe Formel fasst: "die Schönheit der Erde erhalten".

Liz Schinzler: Island - Abstrakt. Ausstellung in der Galerie Kunstwerkstatt des Kunstkreises Karlsfeld, Am Drosselanger 7. Vernissage am Freitag, 9. März, um 19 Uhr. Öffnungszeiten: Samstag und Sonntag, 10./11. sowie 17./18. März jeweils von 14 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung.

© SZ vom 08.03.2018
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