Weichs Gefahrgutunfall löst Katastrophenalarm aus

Bei Weichs laufen etwa 800 Liter der ätzenden Chemikalie Eisendichlorid aus, ein Teil davon fließt in die Glonn.

Von Gregor Schiegl, Weichs

Etwa 800 Liter der stark ätzenden Chemikalie Eisendichlorid sind am Samstag bei Weichs nach einem Unfall ausgelaufen und über einen Entwässerungsgraben teilweise in die Glonn gelangt. Ein Großaufgebot mit mehr als 150 Einsatzkräften von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk, Rotem Kreuz und Polizei war stundenlang im Einsatz. Das kontaminierte Wasser wurde aufgestaut und abgepumpt. Alle Zugangsstraßen waren gesperrt, der Einsatzort weiträumig abgeriegelt. Die Feuerwehrleute arbeiteten mit Atemschutzmasken und Schutzanzügen. Es wurden Dekontaminationsplätze aufgebaut. Auch die Berufsfeuerwehr München wurde mit einem mobilen Labor hinzugezogen. Wegen der starken Regenfälle verdünnte sich die giftige Substanz in der schnell fließenden Glonn rasch, Wind und Regen verhinderten außerdem, dass sich giftige Dämpfe in kritischer Konzentration bildeten. Verletzt wurde niemand. "Für die Bevölkerung bestand zu keiner Zeit Gefahr", sagte Einsatzsprecher Wolfgang Reichelt vom Landratsamt am Sonntag.

Auf die leichte Schulter nimmt Reichelt den Vorfall trotzdem nicht. "Wir sind noch mal mit einem blauen Auge davongekommen", sagte er. "An einem anderen Ort und einer anderen Stelle hätte es weit gravierendere Folgen haben können." Vorsichtshalber hat das Landratsamt alle Fischereiberechtigten informiert, die vom Unfall betroffen sein können. Bei Eintreffen der Feuerwehr war die Konzentration des Gifts im Wasser aber bereits so schwach, dass es kaum noch nachweisbar war.

Die Zufahrtsstraßen rund um den Unfallort waren am Samstag weiträumig abgeriegelt. Feuerwehren aus dem ganzen Landkreis rückten an.

(Foto: Toni Heigl)

"Man muss zunächst immer vom Schlimmsten ausgehen"

Wie Kreisbrandinspektor Maximilian Reimoser schilderte, war einem Landwirt am Samstagvormittag beim Verladen ein Container vom Frontlader seines Traktors gerutscht und auf der Straße zwischen Breitenwiesen und Zillhofen leckgeschlagen. Aus dem Kunststoffbehälter traten rund 800 Liter des stark ätzenden und gesundheitsgefährdenden Eisendichlorid aus. Die Chemikalie wird für die Entschwefelung im Betrieb von Biogasanlagen eingesetzt. Der Alarm für den Gefahrgutunfall ging um 11.13 Uhr ein und löste einen Großeinsatz aus, im Landkreis wurde Katastrophenalarm ausgelöst. "Man muss zunächst immer vom Schlimmsten ausgehen", sagte Reimoser.

Verstärkt von THW und Rotem Kreuz rückten die Feuerwehren von Weichs, Petershausen, Markt Indersdorf, Dachau, Karlsfeld, Vierkirchen, Giebing, Altomünster, Hebertshausen, Pasenbach und Röhrmoos an sowie zwei Züge der Freiwilligen Feuerwehr und der Berufsfeuerwehr aus München. Einen Teil der Chemikalie konnten sie in Güllefässer abpumpen, auf der Straße wurde die Substanz mit Bindemitteln unschädlich gemacht und kontaminiertes Erdreich teilweise abgetragen, teilweise vorläufig abgedeckt.

Unmittelbar am Unfallort durften nur Einsatzkräfte mit Atemmaske und Schutzanzug arbeiten. Die anderen Feuerwehrleute sicherten sie.

(Foto: Kreisfeuerwehrverband)

Die Analytische Taskforce der Berufsfeuerwehr München nahm Wasserproben, fand aber nur noch Konzentrationen von Eisendichlorid, die deutlich unter der Grenze der erlaubten Einleitungswerte für Klärwasser lagen. Bei Freising, wo die Glonn in die Amper mündet, war die Chemikalie laut Wolfgang Reichelt "gerade noch im messbaren Bereich" zu finden; das Wasserwirtschaftsamt gab Entwarnung. Gegen 17 Uhr konnten die Sperrungen wieder aufgehoben werden und der Großteil der Einsatzkräfte rückte ab.

Teurer Großeinsatz

Unterdessen ermittelt die Polizei gegen den Landwirt wegen des Verdachts der fahrlässigen Gewässerverunreinigung. Dass den Landwirt ein Verschulden trifft, steht für Werner Gschossmann von der Polizeiinspektion Dachau außer Frage. "Er hat sicher etwas falsch gemacht, sonst wäre es ja nicht zu diesem Unfall gekommen." Welche strafrechtlichen Folgen den Mann erwarten, muss jetzt noch geklärt werden. Für fahrlässige Gewässerverunreinigung sieht das Gesetz einen Strafrahmen von Geldstrafe bis zu einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren vor. Vorsätzliche Verunreinigung ist dem Landwirt nicht vorzuwerfen. Er selbst war es, der nach dem Unfall die Feuerwehr sofort informiert hatte.

Teuer könnte es für den Mann allerdings werden, wenn die Feuerwehren ihm ihren Einsatz in Rechnung stellen. "Bei so einem Großeinsatz kommt schnell eine Summe im mittleren fünfstelligen Bereich zusammen", sagte Wolfgang Reichelt. Er ist selbst seit vielen Jahren aktives Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr Dachau. An einen Fall wie diesen kann er sich im Landkreis nicht erinnern. Vor drei Jahren gab es kurz hinter der Landkreisgrenze schon mal einen folgenschweren Unfall mit Substanzen einer Biogasanlage. Damals war ein Nachgärbecken in Wenigmünchen (Landkreis Fürstenfeldbruck) übergelaufen und hatte im angrenzenden Rohrbach ein Fischsterben ausgelöst. Der Bach mündet bei Odelzhausen in die Glonn.