Wasserverschmutzung Alles im Fluss

Der Grund der Amper gleicht einer kleinen Müllhalde. Fahrräder, Maßkrüge oder Verkehrsschilder liegen herum. Nun entdeckte ein Hobbytaucher ein Auto, das die Feuerwehr aufwendig bergen musste. Kommt es bald zum Unterwasser-Ramadama?

Von Thomas Altvater, Dachau

Die Amper ist ein Fluss, der seine Geheimnisse nur selten preis gibt. Wie eine Decke liegt das trübe Wasser über dem Flussbett und verbirgt alles, was sich unter der Oberfläche befindet. Dort unten könne man nicht mehr als einen Meter weit sehen, sagt Alexander Sengpiel. Er ist einer, der es wissen muss. Gemeinsam mit seinem Sohn Roman schwimmt und taucht Sengpiel regelmäßig in der Amper. Doch in diesem Jahr ist der Flusspegel so niedrig wie selten zuvor und auch die Sicht besser als sonst. Am Sonntagnachmittag entdeckte Sengpiel schließlich, wonach er gesucht hatte: Durch die blaugrüne Wasseroberfläche schienen die rostigen Umrisse eines Autowracks, dazwischen lagen Fahrräder und weiterer Müll. Das Auto konnte von der Dachauer Feuerwehr nun geborgen werden. Doch der Grund der Amper gleicht noch immer einer kleinen Müllhalde.

Das Auto, ein früher rot lackierter Ford Granada, sei von einem selbsternannten Schatzsucher gefunden worden, erzählt Sengpiel. Sengpiel suchte anschließend nach dem Fahrzeug, und fand es unterhalb der Fußgängerbrücke zwischen Blumenstraße und Amperweg. Der Schatzsucher war es auch, der die Feuerwehr verständigte. Gemeinsam mit zwei Tauchern der Wasserwacht bargen die 20 Feuerwehrleute das Wrack am Dienstagnachmittag. Zuerst zogen die Einsatzkräfte das schrottreife Fahrzeug mit einer Seilwinde flussabwärts, anschließend sicherten sie das Auto an der Flussböschung ab. Während der Bergungsaktion brachte die Feuerwehr eine Ölsperre unterhalb der Brücke an. Ein Kran transportierte den Ford schließlich gestern Nachmittag ab.

Dabei fehlten das Autodach, die Heckklappe sowie die Motorhaube. "Es sah so aus, als wäre das von jemandem abmontiert worden", sagt Feuerwehrsprecher Wolfgang Reichelt über den Zustand des Wagens. Wie lange das Auto schon in der Amper lag, darüber kann Reichelt nur spekulieren. Im Jahr 1985 rollte der letzte Ford Granada vom Band. Wer das Auto in die Amper gesteuert hat, das wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben. Die entsprechenden Fahrzeugnummern seien nicht mehr erkennbar gewesen, sagt Polizeisprecher Björn Scheid. "Wir gehen allerdings stark davon aus, dass das Auto willentlich in der Amper entsorgt wurde."

Fahrräder, Maßkrüge, Gläser und Verkehrsschilder

Tatsächlich scheint es so, als sei das Gewässer für viele Dachauer zu einer Art Müllhalde geworden. "Auf dem Grund liegt einiges rum", weiß Sengpiel. Auf seinen Tauchgängen entdeckt der 48-Jährige immer wieder Fahrräder, Maßkrüge, Gläser oder Verkehrsschilder. Auch einen Laptop hat er schon gefunden. Dass die Amper immer mehr vermülle, sei schon lange ein Problem, erklärt der Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz, Roderich Zauscher. "Für viele Menschen ist das eine einfache Art, Dinge möglichst unsichtbar loszuwerden." Auch Stephan Kirner vom zuständigen Münchner Wasserwirtschaftsamt findet klare Wort und spricht von der "Wegwerfgesellschaft".

Für Zauscher sind die Gefahren der illegalen Entsorgung vielschichtig. Altöl, Blei oder andere giftige Stoffe können im Wasser freigesetzt werden, die Fische können sich an den Gegenständen verletzten und der viele Müll nimmt den Tieren einen Teil ihres Lebensraums. "Deshalb muss die Amper dringend entmüllt werden", sagt Zauscher und fordert den Staat, das Landratsamt sowie das Wasserwirtschaftsamt zum Handeln auf.

Einen akuten Handlungsbedarf erkennt Stephan Kirner allerdings nicht. Der Müll werde vom Fluss integriert und mit der Zeit ein Bestandteil des Gewässers, erklärt er. Aus der Sicht des Wasserwirtschaftsamts kann eine Reinigung des Gewässers gerade jetzt, wo die Wassertemperaturen höher sind als üblich, für die vielen Lebewesen zur Gefahr werden. "Reißt man den Müll aus dem Flussboden, dann werden Fein- und Schwebstoffe aufgewirbelt und im Fluss gibt es weniger Sauerstoff." Das Wasserwirtschaftsamt greift erst ein, wenn die Abfallstoffe abflusshemmend oder gefährlich sind. Große Räumaktionen sind unüblich.

Sengpiel wünscht sich eine Art Unterwasser-Ramadama

Sengpiel will das nicht gelten lassen, er sorgt sich um den Zustand der Amper. Immer wieder versucht er, den Müll im Fluss einzusammeln. Nach dem Fund des Autowracks will der Dachauer jetzt selbst etwas in die Wege leiten. Dafür hat der 48-Jährige nun den Fischereiverein kontaktiert, in dessen Revier Sengpiel unterwegs ist. Die Idee? Eine Art Unterwasser-Ramadama. Der Zeitpunkt sei ideal, sagt Sengpiel. "Weil das Wasser so niedrig ist." Roderich Zauscher hält das für einen ersten Schritt in die richtige Richtung. "Aber es muss noch wesentlich mehr aufgeräumt werden, das ist nicht genug", sagt er. Eine Aufräumaktion in der Amper hat es bisher noch nie gegeben, es wäre eine Premiere. Die Müllentsorgungen im Fluss könne man nur schwer verhindern, sagt Zauscher. Wird man erwischt, droht einem ein Bußgeld bis zu 50 000 Euro. Wirklich helfen würde nur eine Aufklärung der Öffentlichkeit, so der Naturschützer.

Erst Anfang Juni entdeckte ein Spaziergänger auf einem Grundstück entlang der Amper, mitten in einem Naturschutzgebiet, ein 2000 Quadratmeter großes Müllfeld. Neben dem Abfall sind vor allem die hohen Temperaturen eine zusätzliche Belastung für die Flüsse. Durch den niedrigen Wasserstand erwärmen sich die Gewässer stark, die Algen vermehren sich schneller und der Sauerstoffgehalt sinkt. Für viele Lebewesen in der Amper ist das eine weitere Todesfalle.