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Stärkung des ÖPNV in Dachau:Millionen für schnellere Busse

Der Landkreis Dachau hofft an einem Projekt des Bundes teilnehmen zu können, um einige Linien attraktiver zu machen

Von Jacqueline Lang, Dachau

Der Landkreis will, dass die Bewohner verstärkt den ÖPNV nutzen. Neben der S-Bahn spielt hierbei vor allem der Bus eine zentrale Rolle. Doch es gibt ein Problem: Insbesondere im verstädterten beziehungsweise verdichteten Raum ist der Busverkehr stark von externen Einflüssen abhängig, da er meist im allgemeinen Straßenverkehr mitfließt. Eine Vielzahl von Ursachen führt zu Schwankungen bei den Fahrzeiten, sprich: Es kommt nach wie vor häufig zu Verspätungen, die wiederum dazu führen, dass viele es sich zweimal überlegen, ob sie den Bus nehmen. Grundsätzlich gibt es daher Überlegungen, die Busse zu beschleunigen. Der Sachgebietsleiter Kreisschulen und ÖPNV ist zwar überzeugt, dass daran kein Weg vorbeiführt, er sieht jedoch auch personelle und finanzielle Schwierigkeiten.

Grundsätzlich gibt es mehrere Möglichkeiten, um die Busse zu beschleunigen: den barrierefreien Ausbau von Haltestellen, das Beeinflussen der Ampelschaltungen, das Einrichten von Parkverboten oder auch das Schaffen von Busspuren und -schleusen. All diese Maßnahmen könnten die Fahrzeiten stabilisieren und diese im besten Fall sogar reduzieren, heißt es dazu in einer Mitteilungsvorlage, die Herbst den Kreisrätinnen und Kreisräten in der jüngsten Verkehrs- und Umweltausschusssitzung kurz vorstellte. Trotz der personell und finanziell schwierigen Lage, "müssen wir das Thema Busbeschleunigung angehen für einen attraktiven ÖPNV", machte Herbst deutlich. Der Sachgebietsleiter verschwieg jedoch nicht, dass es unabhängig von Mehrkosten und mehr Personal auch noch ein weiteres Problem gibt: Schon jetzt sind die Straßen "umkämpft", in und um Dachau gibt es schon jetzt viel Verkehr und nur einen begrenzten Platz für jeden Verkehrsteilnehmer.

Die Verwaltung habe, so führt Herbst in der Mitteilungsvorlage aus, bereits seit vielen Jahren immer wieder Schritte unternommen, um eine Busbeschleunigung - "insbesondere in der sehr stark vom motorisierten Individualverkehr belasteten Relation Dachau - Karlsfeld - Münchener Nordwesten" umzusetzen. Aus verschiedenen Gründen - insbesondere weil es keine eindeutige Zuständigkeit für den Landkreis Dachau gibt, aber auch wegen fehlender personeller Planungskapazitäten bei allen Beteiligten, teilweise nicht ausreichendem Verkehrsraum und wegen erheblicher finanzieller Auswirkungen trotz gewisser staatlicher Förderung - hätten bislang keine Maßnahmen zur Busbeschleunigung für den MVV-Regionalbusverkehr im Landkreis Dachau realisiert werden können.

Nachdem Buslinien über weite Strecken im allgemeinen Straßenverkehr mitfließen und in der Zukunft mit einer weiteren deutlichen Zunahme des Verkehrs zu rechnen ist, sind "geeignete Abhilfemaßnahmen" laut Herbst wichtiger denn je, um die ÖPNV-Attraktivität weiterhin zu gewährleisten. Sein Fazit lautet deshalb: Kurz- beziehungsweise mittelfristig gibt es keine Alternative, als die Busbeschleunigungsmaßnahmen nach und nach umzusetzen und so die Verkehrssituation zu verbessern, "selbst wenn dies bedeuten könnte, dass nur eine überschaubare Fahrplanstabilisierung bei den betroffenen regionalen MVV-Omnibuslinienverkehren erreicht wird".

Um diesem Ziel zumindest ein wenig näher zu kommen, will der Landkreis Dachau nun Teil des Modellprojekts zur Stärkung des ÖPNV werden. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur will hierfür in den kommenden vier Jahren insgesamt 250 Millionen Euro ausgeben. Beschleunigungsmaßnahmen werden mit bis zu 30 Millionen Euro pro Antragsteller mit einer Förderquote von 80 Prozent unterstützt. Die Quote kann laut Herbst durch Landesmittel auf bis zu 95 Prozent erhöht werden.

Eine einmalige Chance, die sich auch der Landkreis deshalb nicht entgehen lassen will: Unter der Federführung der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund GmbH hat er sich - zusammen mit der Großen Kreisstadt Dachau - beim Teilprojekt "Buslinien-Beschleunigung" eingebracht. Konkret geht es um die Beschleunigung der MVV-Expressbuslinien X 201 (mit der Teilstrecke Dachau - Garching) und X 732 (Dasing - Pasing). Eine endgültige Festlegung ist damit noch nicht verbunden, so dass auch die Buslinie 172 (Dachau - Karlsfeld - Am Hart) noch beschleunigt werden könnte.

Da es sich um ein zweistufiges Förderverfahren handelt und die Nachfrage an einer Teilnahme sehr hoch gewesen ist, bleibt noch abzuwarten, ob der Landkreis für das Modellprojekt ausgewählt wird. Fest steht aber schon jetzt: Ganz umsonst wäre die Busbeschleunigung für den Landkreis trotz Fördergeldern nicht und auch an der Schaffung zumindest einer Teilzeitstelle ab 2022 führt aus Sicht von Herbst kaum ein Weg vorbei.

© SZ vom 15.06.2021
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