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Stadtwerke Dachau:CityCom floriert

Die Corona-Krise hat der Tochterfirma der Stadtwerke jeden Monat 50 Prozent mehr Neukunden beschert als sonst üblich

Von Gregor Schiegl, Dachau

In der Corona-Krise stehen Millionen Menschen in Deutschland offensichtlich später auf als sonst und gehen auch später unter die Dusche. Die Stadtwerke in mehreren deutschen Kommunen haben coronabedingte Veränderungen beim Strom- und Wasserverbrauch beobachtet. Morgens werde der Strom später als sonst genutzt, zeigt eine Umfrage der Presseagentur dpa. Dafür steige der Verbrauch mittags. Offenbar kochten die Menschen mehr daheim. Zudem liege die Vermutung nahe, dass viele Menschen erst nach dem Frühstück duschen. In Hamburg habe sich die "Abgabespitze" um gut zwei Stunden verschoben, die Dresdner sind im Vergleich dazu eine halbe Stunde früher dran. Die Dachauer hingegen beweisen ein erstaunliches Beharrungsvermögen: Auch während des Lockdown hielten die meisten Verbraucher offenbar an ihren Koch- und Duschgewohnheiten fest. Das jedenfalls legen die Daten der Stadtwerke Dachau nahe.

"In unserem Netz konnten wir während des Lockdown keine signifikanten Veränderungen bei den Verbräuchen von Strom und Trinkwasser im Vergleich zu normalen Monaten feststellen", teilte Sprecherin Cornelia Scheyerl auf Anfrage der SZ Dachau mit. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum seien die abgenommenen Strommengen nur geringfügig gesunken, der Wasserverbrauch habe sich im März und April dafür leicht erhöht. Solche leichten Schwankungen sind normal und besagen wenig, schließlich wird Wasser nicht nur zum gründlichen Händewaschen verwendet, sondern auch zum Blumengießen, Putzen und um - wer so etwas besitzt - den privaten Swimmingpool aufzufüllen.

Umgekehrt bedeutet die Unauffälligkeit der Verbrauchsstatistik keineswegs, dass sich nicht auch in Dachau Tausende Familien mit Homeoffice und nervenaufreibendem Homeschooling herumschlagen mussten und es zum Teil immer noch tun. "Für unser Netz gehen wir grundsätzlich eher von einer Verschiebung aus: von Büros und Geschäftsräumen hin zu privaten Haushalten", erklärt die Stadtwerke-Sprecherin. Ob man sich seinen Kaffee im Büro macht oder daheim in der Küche, das spielt unterm Strich keine große Rolle. Bei Großverbrauchern ist das etwas anderes. Wenn ein Betrieb wie MAN oder MTU seine Produktion herunterfährt, geht es um ungleich größere Wassermengen als in Privathaushalten. Solche Großabnehmer haben die Dachauer Stadtwerke aber nicht; in Dachaus Unternehmenslandschaft dominieren Mittelständler, Dienstleister, Einzelhandel und das Handwerk.

Durch die Decke gegangen sind dagegen die Zahlen der Internetnutzung. Die Tochterfirma der Stadtwerke, Dachau CityCom, die in vielen Straßenzügen der Stadt auch Glasfaseranschlüsse anbietet, konnte zahlreiche neue Kunden gewinnen. Während des Lockdown verzeichnete die Dachau CityCom nach Angaben der Stadtwerke durchschnittlich 50 Prozent mehr an monatlichen Neuzugängen als im monatlichen Durchschnitt vor der Krise. Viele Geschäftskunden erweiterten während der Corona-Pandemie zudem ihre Bandbreite, damit ihre Mitarbeiter im Homeoffice gut arbeiten können. Je nach Tarif konnte die CityCom Zuwächse zwischen vier Prozent (60 Mbit) und 20 Prozent (500 Mbit) registrieren.

Die Traffic-Zahlen belegen die zentrale Rolle des Internets während des Lockdown: der Datenverkehr stieg deutlich an, zwischen den Kalenderwochen 11 und 14 - also zwischen 9. März und 5. April - waren es bis zu 22 Prozent. Das Netz der Dachau CityCom war laut Stadtwerken trotz des Anstiegs zu keine Zeit ausgelastet. Nur 25 Prozent der aktuell möglichen Auslastung seien benötigt worden. Das Netz wird weiter ausgebaut, allerdings nicht in dem Tempo, wie die Zahl der Neuanträge während des Lockdown gestiegen ist. Zum Verlegen der Glasfaserleitungen und -anschlüsse braucht man Bauarbeiter aus dem Tiefbau. Und hier herrscht der gleiche Fachkräftemangel, den es auch schon vor der Corona-Krise gab.

© SZ vom 24.06.2020

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