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Stadt Dachau:Ansturm auf die Ganztagsschule

77 Schüler nutzen das Angebot im neuen Gebäude der Doktor-Josef-Schwalber-Realschule. Obwohl es weitere Anfragen gibt, mehr geht derzeit nicht.

Die offene Ganztagsschule an der Doktor-Josef-Schwalber-Realschule in Dachau ist ein großer Erfolg. Seit dem Umzug in das neue Schulgebäude im Herbst vergangenen Jahres nutzen das Angebot 77 Schüler in drei Gruppen. "Es ist eine Bereicherung für unsere Schule, dass wir die offenen Ganztagsgruppen anbieten können", sagt Schulleiterin Angelika Rogg. Wenn die Nachfrage anhält, möchte die Realschule auch im neuen Schuljahr wieder drei Gruppen einrichten. Eltern können ihre Kinder im Rahmen der regulären Einschreibung von 7. bis 9. Mai dafür anmelden.

Realschule Dachau

Die Mädchen und Buben, die die Ganztagsgruppen der Schwalber-Realschule besuchen, haben auch Möglichkeiten, sich nachmittags ein wenig zu entspannen und vom Schulstress zu erholen, beim Basteln etwa oder beim Kickern.

(Foto: privat)

Dass die Anzahl der Schüler und Eltern sinkt, die sich für die offene Ganztagsschule interessieren, ist unwahrscheinlich. Im Gegenteil: Als das Angebot startete, gab es mehr als 90 Anmeldungen. Aufgrund des herrschenden Platzmangels konnten nicht alle Schüler aufgenommen werden.

Aktuell gibt es an der Realschule zwei Gruppen mit 25 und 27 Schülern aus den fünften Klassen. 25 Sechstklässler besuchen eine dritte Gruppe, 15 Kinder stehen auf der Warteliste. "Das ist ein Zeichen, dass das Angebot gebraucht wird", sagt Melanie Nierhoff von der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Dachau, die die offene Ganztagsschule an der Doktor-Josef-Schwalber-Realschule leitet. "Die Nachfrage reißt nicht ab."

Das pädagogische Konzept ist auf drei Säulen aufgebaut: dem gemeinsamen Mittagessen, der Hausaufgabenzeit und der Freizeitgestaltung, zum Beispiel in Form einer Bastel- oder einer Sportarbeitsgruppe. Ziel ist die Förderung der persönlichen Kompetenzen der Kinder und Jugendlichen, um sie so zur Selbstbestimmung zu befähigen. Die soziale Komponente spielt dabei eine entscheidende Rolle. Die Betreuung wird von Montag bis Donnerstag jeweils bis 16 Uhr angeboten. Der Realschule stehen dafür insgesamt drei Räume zur Verfügung, zwei davon direkt im Schulgebäude, einer in der Berufsschule nebenan. "Es ist entscheidend, dass die Kinder nicht in Klassenzimmern untergebracht sind, sondern in einem eigenen Gruppenraum, den sie selbst gestalten", sagt Wiebke Kappaun, Geschäftsführerin der Awo in Dachau.

Die Arbeiterwohlfahrt Kinder und Jugend gGmbH hat die Trägerschaft für die offene Ganztagsschule an der Realschule übernommen. Sechs Betreuer gestalten dort das Nachmittagsangebot. Im Vergleich dazu wird bei der gebundenen Ganztagsschule der Pflichtunterricht rhythmisiert, also auf den Vor- und Nachmittag verteilt. Am Dachauer Josef-Effner-Gymnasium etwa gibt es seit Beginn des Schuljahres drei gebundene Ganztagsklassen, die im ehemaligen Gebäude der Realschule an der Steinstraße untergebracht sind. Auch hier ist die Nachfrage derart hoch, dass es im kommenden Schuljahr erneut drei Klassen geben wird.

Grundsätzlich ist die gebundene Form sinnvoll", sagt Schulleiterin Angelika Rogg. Zunächst müsse man das Angebot jetzt aber von unten aufbauen. Ein schrittweiser Aufbau der gebundenen Ganztagsschule von der fünften Jahrgangsstufe an wird aber bereits für das Schuljahr 2013/14 diskutiert.

Albert Herbst, Sachgebietsleiter Kreiseinrichtungen im Landratsamt Dachau, hofft, dass die Doktor-Josef-Schwalber-Realschule mit derzeit 38 Klassen durch eine vierte Realschule im Landkreis in Odelzhausen entlastet wird. In Kooperation mit der Mittelschule soll es dort ein oder zwei Ganztagsklassen geben. "Für uns ist das auch Neuland", sagt Herbst über das Ganztagsangebot. Er sieht den Landkreis Dachau aber auf einem "zukunftsweisenden Weg". Für einen Teil der Finanzierung ist der Landkreis verantwortlich. Die Regierung von Oberbayern stellt pro Schuljahr für jede der drei Gruppen 23 000 Euro zur Verfügung, 5000 davon übernimmt der Landkreis. "Damit kann man keine Berge versetzen", sagt Herbst. Deshalb haben die Kreisgremien gemeinsam mit der Awo entschieden, zusätzlich 5000 Euro pro Gruppe zu bezahlen. Zudem werden Räume und Betriebskosten bereitgestellt. Für die Zukunft stellt Albert Herbst eine positive Prognose: "Ich bin zuversichtlich, dass wir in ein paar Schuljahren alle Interessierten aufnehmen können."