SPD Dachau Eklat um Kandidaten-Kür

Eigentlich wollte die Dachauer SPD nur ihre Liste für den Stadtrat aufstellen. Stattdessen nominiert sie mit Florian Hartmann einen neuen OB-Bewerber - der Riss durch die Partei wird immer tiefer.

Von Robert Stocker

"Unter diesen Umständen kandidiere ich wieder": Christa Keimerl gratuliert Florian Hartmann mit einem Buch und einer Rose zur OB-Kandidatur.

(Foto: joergensen.com)

Die SPD produziert weiter Schlagzeilen im Landkreis. Einen Tag nach der Vorstellung des Landtagsabgeordneten Martin Güll als Landratskandidat hat der Dachauer Ortsverein mit Florian Hartmann einen neuen OB-Kandidaten präsentiert. Die Nominierung des 27-jährigen Stadtrats ist die Folge eines andauernden Machtkampfs zwischen den verfeindeten Lagern um Volker C. Koch und Horst Ullmann. In einer nicht öffentlichen Nominierungsversammlung am Samstag erhielt Hartmann 80 Prozent der Stimmen der anwesenden Mitglieder. Vor der Wahl war es zu einem Eklat gekommen: Der designierte OB-Kandidat Bernhard Schäfer und einige Mitglieder verließen unter Protest den Saal. Der im April gewählte neue Vorstand kündigte geschlossen seinen Rücktritt an.

Die Spannungen zwischen den verfeindeten Lagern im Dachauer SPD-Ortsverein waren am Samstag wohl mit Händen zu greifen. Der Vorstand hatte zu einer nicht öffentlichen Nominierung der Stadtratskandidaten eingeladen. Er wollte das zu erwartende Hickhack um die Kandidaten nicht der Öffentlichkeit präsentieren. Als Versammlungsleiter sollte Oskar Krahmer, Kreisvorsitzender der Arbeiterwohlfahrt, fungieren. Die Mehrheit der anwesenden Mitglieder lehnte dies ab und bestimmte in geheimer Wahl Marianne Klaffki als Versammlungsleiterin. Krahmer verließ daraufhin den Saal. Als Klaffki Florian Hartmann als OB-Kandidaten vorschlug, erklärte Schäfer, dass er nicht mehr als Kandidat zur Verfügung stehe und verließ ebenfalls die Versammlung. SPD-Mitglieder aus dem Ullmann-Lager folgten ihm. Florian Hartmann wurde daraufhin offiziell zum Dachauer OB-Kandidaten nominiert. Er erhielt 44 der mehr als 50 Stimmen. Im April bei der Vorstandswahl war es dem Lager um Horst Ullmann und Thea Zimmer gelungen, viele Sympathisanten aus der Gruppe "60 plus" zu mobilisieren. Am Samstag kamen offenbar viele SPD-Mitglieder zur Versammlung, die die Politik dieses Flügels verhindern wollten. Zu einer Nominierung der Stadtratskandidaten kam es nicht mehr. Sie soll laut Koch "noch vor Weihnachten" über die Bühne gehen. Bis dahin soll auch ein neuer Vorstand im Amt sein.

Der neue OB-Kandidat stellte sich am Sonntag in einem Nebenzimmer im Gasthaus Fischer vor und skizzierte seine politischen Ziele. Ihm zur Seite standen Volker C. Koch, Christa Keimerl und Marianne Klaffki. Im großen Gastraum war das gegnerische Lager mit Horst Ullmann, Thea Zimmer, Bernhard Schäfer und Daniela Missere präsent. "Ich will gestalten und nicht verwalten", sagte Hartmann, der seit sechs Jahren im Stadtrat sitzt und schon im Jugendrat politisch aktiv war. "Man braucht ein Gespür für die Bedürfnisse der Bürger, und ich kenne sie", sagte der 27-jährige Diplom-Ingenieur selbstbewusst. Er wolle einen anderen Stil in der Politik. Besonders wichtig sei es ihm, die Bürger stärker an politischen Entscheidungen zu beteiligen. Die integrative Stadtentwicklung brauche einen neuen Schub. Als weitere Schwerpunkte nannte Hartmann bezahlbaren Wohnraum, eine Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs durch den Ausbau der Buslinien, eine menschenwürdige Unterbringung von Asylbewerbern und den Aufbau von Bürgerenergiegenossenschaften. Bauträger will er stärker an den Kosten für die soziale Infrastruktur beteiligen.

Schäfer, der jetzt überraschend kalt gestellt wurde, übt an der Wahl Hartmanns scharfe Kritik. Er, Schäfer, habe nur deshalb kandidiert, weil Hartmann auf mehrmalige Nachfrage zunächst nicht zur Verfügung gestanden habe. Die Dachauer SPD sei nun wenige Monate vor der Wahl tief gespalten. Schäfer: "Die bereits erfolgten Parteiaustritte treffen die Dachauer SPD, die sich unter Horst Ullmann gerade erst zu erholen angefangen hatte, hart."