bedeckt München 26°

Sanierung von St. Jakob:Kirchturmpolitik

Der Dachauer Stadtrat lehnt einen höheren Zuschuss als 5000 Euro für die Teilsanierung von Sankt Jakob ab. Der Pfarrgemeinde in der Altstadt fehlen 85 000 Euro, um das 1,4-Millionen-Euro-Projekt zu stemmen

Geht es nach der Dachauer Stadtverwaltung, dann ist Religion reine Privatsache und Kirchen jeder Konfession können zumindest für Baumaßnahmen keine finanzielle Unterstützung von der Stadt erwarten. Ein Antrag des Pfarrverbands Sankt Jakob führte im Haupt- und Finanzausschuss zu einer Grundsatzdebatte über die Aufgaben der Stadt. Der Pfarrverband Sankt Jakob hatte die Stadt um Unterstützung bei der Renovierung des Kirchturms gebeten, zudem wird die Fassade der Kirche neu gestrichen. Im Haupt- und Finanzausschuss reichten die Vorschläge der Stadträte von null Euro bis 10 000 Euro. Die Verwaltung warnte davor, einen Präzedenzfall zu schaffen. Nach seiner Kalkulation fehlten dem Pfarrverband 85 000 Euro. Zu den Gesamtkosten von 1,4 Millionen Euro trägt der Pfarrverband selbst 423 000 Euro bei, die Erzdiözese 988 000 Euro.

"Das Ordinariat hat sehr viel mehr Geld als die Stadt, die brauchen es definitiv nicht", sagte Grünen-Stadtrat Thomas Kreß und befand, die Kirche solle die Kosten ganz allein tragen. In der selben Sitzung wurde auch der Haushaltsentwurf besprochen, es war wohl kein gutes Timing für einen Zuschussantrag. Derzeit sind im Gesamthaushalt für das kommende Jahr Ausgaben in Höhe von rund 114 Millionen Euro vorgesehen, bei Einnahmen von nur rund 105 Millionen Euro. Viel Geld investiert die Stadt in kommunale Pflichtaufgaben: den Ausbau der Kinderbetreuung, Wohnungsbau und Sportanlagen. Immer wieder konnte in den vergangenen Jahren die Kreditaufnahme verzögert werden, im nächsten Jahr ist sie wahrscheinlich. Umso heftiger wird im Stadtrat oft um jeden Posten gekämpft.

Turmrenovierung

"Ich hätte mir gewünscht, dass die Stadt sich für den Kirchturm als Wahrzeichen mit verantwortlich fühlt. Um einen Zuschuss für die Innenrenovierung würde ich doch gar nicht bitten", sagt Kirchenpfleger Franz Blatt.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Thomas Kreß stand somit mit seiner Haltung nicht alleine da. Grundsätzlich teilten Horst Ullmann (Bürger für Dachau), Jürgen Seidl (FDP) und Sabine Geißler (Bündnis) seine Meinung. Allerdings wollten sie nicht ganz so radikal auftreten und wenigstens ein bisschen Geld geben. Sie alle teilten die Bedenken der Verwaltung, dass nach einer hohen Zuschusszahlung an Sankt Jakob bald ähnliche Anträge der anderen Kirchen folgen könnten. In der Vergangenheit wurden aus denselben Gründen Zuschussanträge der evangelischen Friedenskirche, von Sankt Maria und Nikolaus Mitterndorf, Mariä Himmelfahrt und des Türkisch-Islamischen Vereins abgelehnt. Eine Ausnahme sei der Zuschuss von 10 000 Euro für die neue Orgel in Mariä Himmelfahrt gewesen. Für Sankt Jakob empfahl die Verwaltung maximal 2000 Euro.

Der Jakobskirchturm aber sei doch ein ganz anderer Fall, befand Florian Schiller. "Sankt Jakob ist ein Wahrzeichen der Stadt", sagte der CSU-Fraktionsvorsitzende, 10 000 Euro seien angemessen. Christa Keimerl erklärte für die SPD, ebenso seien Mariä Himmelfahrt und Sankt Peter Wahrzeichen ihrer Ortsteile. Ihr Vorschlag: 5000 Euro vor. Dieser fand auch bei CSU-Stadträten Anklang und wurde mit zwölf zu drei Stimmen angenommen.

Kirchenpfleger Franz Blatt hatte sich mehr erhofft. "Es geht um den die Stadtsilhouette prägenden Turm." Er habe sich gewünscht, dass die Stadt zeigt, dass sie sich mitverantwortlich fühlt. Zumal die Untere Denkmalschutzbehörde der Stadt bei den Arbeiten mitrede und teils teure Wünsche äußere. Über Jahre habe der Pfarrverband Rücklagen gebildet für die Renovierung des Turms. Obwohl noch Geld fehlte, musste nun begonnen werden, aus Sicherheitsgründen, wie Blatt sagt.

Andere Kommunen im Landkreis haben Kirchenprojekte in der Vergangenheit zum Teil sehr großzügig unterstützt. So bezuschusste die Gemeinde Haimhausen die Sanierung der Filialkirche Sankt Martin in Amperpettenbach mit insgesamt 50 000 Euro. Sogar 450 000 Euro gibt die Gemeinde Hebertshausen für die Neugestaltung des Kirchbergs und die Sanierung von Sankt Georg aus. Einige Gemeinderäte sind auch hier der Meinung, die Kirche solle für ihre Aufgaben selbst aufkommen. Die evangelische Gemeinde Kemmoden-Petershausen erhielt für ihren Kirchenneubau einen Zuschuss von 5000 Euro aus der Gemeinde Weichs, etwa 20 000 Euro steuerte die Gemeinde Petershausen bei.