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Röhrmoos:Dreh mit Mario Adorf und Gesine Cukrowski

In der Kirche Sankt Johannes dreht die Karlsfelder Produktionsfirma "Cinemacher" die Schlüsselszene zu einem Kurzfilm von André Hoven.

Männer und Frauen wirbeln über den Friedhof der Pfarrkirche Sankt Johannes der Täufer in Röhrmoos und fragen trotz der Hektik freundlich, aber bestimmt auf Englisch nach der Zugangsberechtigung. Denn die Kirche steht an diesem Montagmittag nur einem exklusiven Kreis offen. Mario Adorf, einer der besten deutschen Schauspieler, dreht dort gerade eine wichtige Szene für einen neuen Kurzfilm. Befremdlich wirkt allenfalls, dass die Gräber mit rot-weißem Absperrband abgetrennt sind und dass direkt vor der Kirche Gerätschaften, Stühle und Utensilien für ein Catering herumstehen. Sakristei und Pfarrkirche sind völlig verkabelt. Durch blendende Scheinwerfer hindurch ist eine Gruppe zu erkennen. Die einen sind passend zum sommerlichen Wetter in Shorts und T-Shirts gekleidet, die anderen tragen elegante Abendgarderobe.

Im Filmprojekt von André Christian Hoven spielen Mario Adorf und Gesine Cukrowski Vater und Tochter, die gegenseitig einiges auszuhalten haben.

(Foto: Toni Heigl)

Mario Adorf trägt einen blauen Anzug. Gesine Cukrowski ("Der letzte Zeuge") ein Brautkleid. Steffen C. Jürgens ("Oh Boy"-Darsteller) mimt den Bräutigam im edlen dunklen Outfit. Der Nachwuchsregisseur André Christian Hoven dreht einen Kurzfilm mit dem Namen "Pygmalion - Ein Herz aus Plastik". Mit dem Titel bezieht er sich auf die berühmte griechische Erzählung aus Ovids "Metamorphosen" über den Bildhauer Pygmalion, der eine wunderbare Frau schafft und sich nur eines wünscht: dass sie lebendig wird. In dem Kurzfilm bricht Hoven diese Geschichte ironisch. Denn Brautvater Adorf trauert um seine Ehefrau und glaubt, sie in einer Schaufensterpuppe wiedergefunden zu haben. Diese begleitet ihn zur Hochzeitsfeier seiner Tochter.

Monsignore Michael Bartmann gibt der Szene Authentizität

Aber warum wird eine der Schlüsselszenen in Röhrmoos gedreht? Sie sei zufällig auf die Kirche Sankt Johannes in Röhrmoos gekommen, erzählt Produzentin Sabine Purviance. Sie selber stammt aus Karlsfeld. Dort befindet sich auch der Sitz ihrer Firma Die Cinemacher, die sie zusammen mit Regisseur Hoven leitet. Ihr Projekt finanziert das Unternehmen bis auf einen Beitrag der Hessischen Filmförderung aus eigenen Mitteln. Außerdem macht ein echter Pfarrer mit. Monsignore Michael Bartmann, der den Pfarrverband Röhrmoos-Hebertshausen leitet, verleiht dem gespielten Gottesdienst sozusagen eine gewisse Authentizität.

Sonja Kotschate (links) und Cornelia Fünfgelt sind zwei Komparsinnen. Sie mimen Hochzeitsgäste im Film "Pygmalion - Ein Herz aus Plastik".

(Foto: Toni Heigl)

Doch warum beteiligt sich ein so berühmter Schauspieler wie Mario Adorf an einem solchen kleinen Film? "Ich bin richtig begeistert", sagt er. Das Drehbuch empfinde er als "reizvoll": "Eine schöne Geschichte." Er lobt die Professionalität beim Drehen. Außerdem will er jungen und talentierten Künstlern helfen: "Mein Name hat da viel Gewicht." Man darf hinzufügen: Die der anderen Schauspieler sicherlich auch.

Und dann sind die Statisten dran. Das Produktionsteam um Sabine Purviance hatte Sorge, dass sich nicht genügend melden. Deshalb startete sie noch vor wenigen Tagen einen Aufruf. Es soll für eine weitere Kirchenszene gecastet werden. Draußen auf dem Hof vor dem Pfarramt können sich alle Interessierten melden. Die angehenden Komparsen kommen teilweise von weit her, sie haben von dem Dreh meist aus den sozialen Medien erfahren. Die Nürnbergerin Cornelia Fünfgelt versucht in die Schauspielbranche einzusteigen. Daher kleidet sie sich auffällig elegant in einem Kleid im Stil der Fünfziger Jahre. Man kann ihr ansehen, dass sie häufiger am Set ist, sie hat auch schon einige kleine Rollen übernommen. Doch als sie Mario Adorf vorbeilaufen sieht, wird sie ganz aufgeregt. Auch die 68-jährige Sonja Kotschate hat schon Erfahrung mit der Schauspielerei. Sie sagt: Beim Dachauer Krimi mit dem Titel "Kommissar Brückl ermittelt" spiele sie eine Nebenrolle. Auch dieser Film wird gerade gedreht. Allerdings fast nur mit Dachauer Laien.

© SZ vom 30.05.2017/gsl
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