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Röhrmoos:Hoffen auf den Durchbruch

Schönbrunn will ein bayernweites " Modelldorf der Inklusion" werden, das bezahlbaren Wohnraum für Familien anbietet.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Der Röhrmooser Bürgermeister Dieter Kugler (CSU) kündigt baldige Entscheidung für die Ortsmitte mit einem künftigen Wohngebiet von fünf Hektar an.

Die Zukunft des Wohnungsbaus, unter Umständen auch eines sozialen, zumindest bezahlbaren, wird die Gemeinde Röhrmoos bald schon massiv beschäftigen. Denn Bürgermeister Dieter Kugler (CSU) sieht seine Gemeinde vor dem Durchbruch in zentralen Fragen wie der Entwicklung einer Ortsmitte. Auf einer Fläche von immerhin fünf Hektar Größe - damit einer der größten im ganzen Landkreis geschlossen verfügbaren - könnte bald detailliert geplant werden. Nimmt man noch die Pläne des Ortsteils Schönbrunn hinzu, das sich zu einem Modelldorf der Inklusion entwickeln will, sind maßgebliche Projekte zu erwarten. Im SZ-Gespräch sagt Bürgermeister Kugler: "Wir sind in einer Situation, in der wichtige Vorhaben entscheidungsreif werden."

In den vergangenen eineinhalb Jahren hat Röhrmoos einem See mit ruhiger Oberfläche geähnelt. Der Gemeinderat befasste sich in den öffentlich zugänglichen Sitzungen mit Randthemen. Der im März 2014 neu gewählte Bürgermeister Kugler sagte meistens nur, dass die Dinge in Bewegung seien. So schien die Ortsmitte im Februar 2014 noch unter Kuglers Vorgänger Hans Lingl (Freie Wähler) ein Selbstläufer zu werden. Der Städtebauliche Vertrag einschließlich eines Grundstückstausches galt offiziell als festgezurrt. Aber seitdem hat die Öffentlichkeit nichts mehr erfahren.

Die Gemeinde musste ihre Positionen deutlich formulieren

Im SZ-Gespräch allerdings kontert der Röhrmooser Bürgermeister diesen Eindruck der Ruhe und kündigt baldige, maßgebliche Fortschritte in zentralen Zukunftsfragen an. Er begründet sein bisheriges Stillschweigen mit erheblichen rechtlichen Problemen, welche das Vertragswerk im Nachhinein aufgeworfen habe. Und er gibt sich zuversichtlich, dass in nächster Zeit eine Entscheidung in Abstimmung mit dem maßgeblichen Grundstückseigentümer falle. Wie Kugler weiter andeutet, musste die Gemeinde ihre Erwartungen, aber auch ihre Positionen gegenüber dem maßgeblichen Eigentümer sehr deutlich formuliert haben. Kuglers Zuversicht drückt sich auch in der Ankündigung aus, sofort mit der Bürgerbeteiligung für das Areal zu beginnen, sobald die rechtlichen Fragen geklärt sind. Er will also nicht das übliche Verfahren wählen, wonach die Bürger erst zu Wort kommen, wenn der Bebauungsplan und damit auch die Nutzung festgelegt ist.

In diesem Zusammenhang stellt sich ihm die überregional brisante Frage nach bezahlbarem Wohnraum. So würde er liebend gerne Grundstücke für die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft des Landkreises zur Verfügung stellen. Landrat Stefan Löwl (CSU) fordert die Landkreisgemeinden seit Monaten auf, die landkreiseigene Gesellschaft zu unterstützen. Aber es gebe kaum noch Grundstückseigentümer, die zu einem Verkauf bereit seien, sagt Kugler. Er bedauert, dass eine echte soziale Baupolitik für die Kommunen wegen der internationalen Zinspolitik zusehends schwieriger wird. Rhetorisch fragt er: Was soll ein Grundbesitzer denn mit dem Geld anfangen? Insofern wirke sich die internationale Wirtschaftspolitik des billigen Zinses negativ auf die Kommunen aus. Sie hätten, sagt der ehemalige Kämmerer von Neufahrn, kaum noch eine Chance auf "eine richtig Baubevorratungspolitik".

Grundstücksbesitzer drängen auf mehr Baugebiete

Gleichzeitig aber drängen Grundstücksbesitzer auf mehr Baugebiete, die sie in Eigenregie zu gestalten gedenken. Auf der Bürgerversammlung in Großinzemoos war Kugler deswegen massiv angegangen worden. Sie werden sich gedulden müssen, denn dazu muss der Gemeinderat erst die rechtlichen Voraussetzungen über einen neuen Flächennutzungsplan schaffen. Darin werden die Flächen dargestellt, die künftig bebaut werden.

Womöglich gibt es nicht nur in der Ortsmitte von Röhrmoos, sondern auch im Dorf Schönbrunn Optionen für einen sozial geprägten Wohnungsbau. Bekanntlich ist das gemeinnützige Franziskuswerk dabei, das Dorf für geistig behinderte Menschen im Sinne der Inklusion umzugestalten. Dadurch könnten neue, im Landkreisvergleich großzügige Baugebiete für Familien geschaffen werden. Wie Kugler mitteilt, stünde die Gemeinde mit der Geschäftsführung deswegen in Verhandlungen. Das Franziskuswerk hat einen städtebaulichen Wettbewerb vorbereitet, der noch im November starten soll. Der Röhrmooser Bürgermeister ist Jurymitglied.

© SZ vom 02.11.2015/gsl

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