Ortsentwicklung Erdweg will für seine Einwohner bezahlbaren Wohnraum schaffen

Die historischen Ortskerne in Erdweg und den verschiedenen Ortsteilen sollen auch dann erhalten bleiben, wenn die Einwohnerzahl wächst.

(Foto: Toni Heigl)

Wie das funktionieren kann, ist laut Bürgermeister Christian Blatt noch fraglich. Doch es gibt einen Zukunftsplan.

Von Viktoria Großmann, Erdweg

Die Gemeinde Erdweg steht vor einigen Herausforderungen, auch sie wächst, Wohnraum soll geschaffen werden, möglichst auch Platz für kleineres Gewerbe. Noch Ende des vergangenen Jahres hat der Gemeinderat das integrative Ortsentwicklungskonzept beschlossen. "Eine gute Lektüre für zukünftige Beschlüsse", sagt Bürgermeister Christian Blatt (CSU). In Workshops und zwei Beteiligungsveranstaltungen haben sich die Einwohner von Erdweg eingebracht, auch wenn das Interesse zum Ende hin nachgelassen hat. Das liegt aber wohl auch an der besonderen Struktur der Gemeinde mit ihren 19 Ortsteilen, darunter einige etwa gleich groß und gleichwertig, die aber jeder für sich andere Anliegen haben und auch daran, dass man in Erdweg das Konzept zur Ortsentwicklung sehr grundlegend und umfassend angegangen ist.

Etwa 6000 Einwohner hat die Gemeinde jetzt. Seit der Elektrifizierung der Linie A zum zweiten S-Bahn-Zweig der S 2 ist sie zwar besser angebunden, doch die bessere Erreichbarkeit hat sich auch auf die Preise für Mieten und Grundstücke ausgewirkt. Nun will die Gemeinde Wohnungen bauen. "Nur sozialer Wohnungsbau ist für uns allerdings keine ausreichende Lösung", sagt Blatt. "Wir brauchen Wohnungen für den tatsächlichen Bedarf unserer Einwohner." Also überhaupt Wohnungen und außerdem zu vernünftigen Preisen. Wohnungen, die zum Beispiel auch als Senioren-WGs geeignet wären, erklärt der Bürgermeister. Wenn die Wohnungsgesellschaft für den Landkreis (WLD) tätig wird, dann werden Sozialwohnungen gebaut. Die Gemeinde überlegt, selbst zu bauen. Nötige Finanzmittel könnten möglicherweise aus dem Wohnpakt Bayern kommen. Zwei Grundstücke wären geeignet.

Gefragt sind Flächen für Mittelständler

Wie genau die Gemeinde als Bauherrin tätig werden will, ist noch in der Diskussion. Eine Möglichkeit wäre die Gründung eines entsprechenden kommunalen Unternehmens, wie es zuletzt die Gemeinde Odelzhausen getan hat. Mittel sollen im Haushalt bereit gestellt werden, der noch im Februar verabschiedet werden soll. Das hat der neue Bürgermeister aus dem März vorgezogen. Die gestiegene Kreisumlage stört Erdweg dabei im Moment weniger. Weil gleichzeitig die Steuermesskraft für die Gemeinde gesenkt wurde, zahlt Erdweg absolut weniger an den Kreis als im Jahr zuvor.

Bürgermeister Christian Blatt wünscht sich, dass der Hauptort durch die Nachverdichtung nicht geschwächt wird.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Neben dem Zuzug, der in Erdweg im Vergleich zu anderen Gemeinden moderat ausfällt, hat man im Rathaus ähnliche Sorgen wie anderswo auch. Es fehlt an Steuereinnahmen und gleichzeitig auch an gemeindlichen Grundstücken. "Die gehen uns ab", sagt Christian Blatt mit Bedauern. Gerne würde er ansässige Betriebe unterstützen, die sich vergrößern wollen. "Die Nachfrage ist da." In Erdweg geht es dabei nicht um große Firmen oder Logistiker. Gefragt sind Flächen für Handwerksbetriebe, Mittelständler, Dienstleistungsunternehmen. Immerhin erhält Erdweg 2019 etwa 1,24 Millionen Euro aus Schlüsselzuweisungen. Zudem 72 000 Euro vom Freistaat für die Ortsentwicklung, der Landkreis bekommt insgesamt 1,2 Millionen Euro.

Um den Einheimischen auf Wohnungssuche ein bisschen entgegen zu kommen, hat die Gemeinde kürzlich 17 Baugrundstücke verkauft. Das Einheimischenmodell war auf EU-Ebene in die Kritik geraten, weil es nicht gerecht erschien. Erdweg hat sich mit einer Vereinsgründung beholfen, den Verkehrswert der Grundstücke schätzen lassen und dann den untersten Wert angesetzt. "Aber wir haben nicht unter Wert verkauft", sagt Blatt.

Die Ortschaften sollen nicht weiter ausfransen

Ganz konkrete Ziele gehen aus dem Ortsentwicklungsplan kaum hervor. Walkertshofen soll einen sozialen Treffpunkt erhalten. Wichtig für die Gemeinde sind vor allem die Ziele, auf die man sich nach dem Jahre dauernden Prozess einigen konnte. Etwa Erdweg als den zentralen Hauptort zu stärken, durch gebündelte Ansiedlung von Einzelhandel, Verwaltung, medizinischer Versorgung. In diesem Zentrum sollen Wohnungen für jene Menschen entstehen, für die kurze Wege besonders wichtig sind: Senioren, Familien, Auszubildende.

Erdwegs Bürgermeister Christian Blatt hat einiges vor, um seine Gemeinde vom Charakter her zu erhalten und sie gleichzeitig wachsen zu lassen. Die Entscheidung trifft der Gemeinderat, wenn er den Haushalt beschließt.

(Foto: Toni Heigl)

Ein weiteres Ziel: Lücken füllen, Leerstand beenden. Christian Blatt seufzt. "Wir können Privatbesitzern nicht hineinreden." Unschöne Brachen gehören zu einem seit längerem diskutierten Problem in der Gemeinde. Dass das Ortsbild aufgewertet werden soll, darüber sind sich alle einig. Bei der Nachverdichtung in den Ortsteilen liegt die Betonung wohl auf behutsam. Die Ortschaften sollen nicht weiter ausfransen und dadurch den Hauptort schwächen. Jede Baumaßnahme in den Dörfern soll auf die Besonderheiten Rücksicht nehmen, die historischen Ortskerne erhalten. Alte, ländliche Gebäude sollen besser genutzt werden, nicht als Lager oder Garagen verkommen. Das umfassende 97 Seiten starke Konzept hat die Gemeinde auf ihre Homepage gestellt. Die Bürgerversammlungen hat Blatt bereits hinter sich gebracht, die Ortsentwicklung hat dabei keine große Rolle mehr gespielt. In der Gemeinderatssitzung am Dienstag, 26. Februar, um 19 Uhr soll der Haushalt verabschiedet werden.