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Neues Flüchtlingsheim:Diffuse Ängste

Anwohner in Pasenbach stören sich an einer geplanten Asylunterkunft. Der Bürgermeister kann das nicht nachvollziehen

Von Jacqueline Lang, Vierkirchen

Schon vor mehr als einem Jahr kam der Stein ins Rollen, der nun über Monate sieben Anwohner im Außenbereich von Pasenbach auf die Barrikaden bringt: Der Landkreis kam auf die Gemeinde Vierkirchen zu und fragte, ob diese bei der Suche nach einem Grundstück für den Bau einer neuen Asylunterkunft nicht behilflich sein könnte. Statt wie bislang in Containern, sollen die Bewohner in sogenannten Wohnungen in Holzständerbauweise untergebracht werden. Die Gemeinde selbst hat keine Grundstücke, die in Frage gekommen wären, aber ein ehemaliges Gemeinderatsmitglied erklärte sich laut Bürgermeister Harald Dirlenbach (SPD) bereit, sein Grundstück zur Verfügung zu stellen. Es liegt unweit der jetzigen Unterkunft, im Außenbereich von Pasenbach und ist auch zu Fuß von der S-Bahn-Haltestelle gut zu erreichen. Ein nahezu idealer Standort. Könnte man meinen.

Fragt man jedoch Anita Fellner, eine der Anwohnerinnen, deren Grundstück an das ausgewiesene Bauland angrenzt, dann ist der Standort überhaupt nicht ideal. Sie und die sechs anderen Unterzeichner eines offenen Briefes fühlen sich von der Gemeinde schlecht informiert und übergangen. Außerdem ist da die diffuse Angst, mit möglichen Problemen allein gelassen zu werden oder gar alleine für die Integration der Bewohner zuständig zu sein. Obwohl Fellner, wie sie selbst zugeben muss, noch nie selbst Ärger mit einem der 50 Bewohner der bisherigen Asylunterkunft hatte, die lediglich umgesiedelt würden, fürchtet sie Übergriffe und Gewalt direkt vor ihrer Haustür. Gleichzeitig betont sie: "Es geht nicht um die Personen. Die armen Leute können ja nichts dafür."

Dirlenbach, der in den vergangenen Monaten schon viele Male mit Fellner und den anderen Anwohnern das Gespräch gesucht hat, weist den Vorwurf der unrechtmäßigen Geheimhaltung entschieden von sich. "Wir haben nichts verschleiert." Für ihn klingen die vorgebrachten Argumente gegen die Asylunterkunft auf dem Grundstück nach Ausreden, ganz nach dem Motto "Wir sind zwar nicht ausländerfeindlich, aber nicht bei uns." Anders als Fellner behaupte, habe er sich bei ihr zwar nicht für seine Vorgehensweise entschuldigt, aber doch immerhin aus der jetzigen Situation gelernt, früher das Gespräch mit Anwohnern zu suchen - auch wenn sich dadurch letztlich natürlich nichts geändert hätte. Denn: Bauherr ist gar nicht die Gemeinde Vierkirchen, sondern der Landkreis Dachau zusammen mit der Wohnbaugesellschaft Landkreis Dachau (WDL). Da die Gemeinde selbst auch nicht für den Bau und die Erschließung des Grundstücks, das derzeit noch Ackerland ist, aufkomme, hätte er auch kein Problem, wenn sich der Bund doch noch einmal umentscheide, so Dirlenbach. "Da bin ich schmerzfrei." Mit dem enormen Widerstand der Anwohner habe Dirlenbach dennoch nicht gerechnet, zumal er ihnen sogar angeboten hat, relativ unbürokratisch einen Sichtschutz errichten zu dürfen und die Möglichkeit eingeräumt hat, die Grundstücke kostenlos an das geplante Abwassersystem anzuschließen. Zudem seien die Ängste schlicht unbegründet: Die meisten Bewohner der Unterkunft seien bereits bestens ins Gemeindeleben integriert, Probleme habe es nie gegeben. "Ich bin ehrlich gesagt ein bisschen entsetzt über das Verhalten."

© SZ vom 18.08.2020

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