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Neue Flüchtlingsunterkunft :Zweibettzimmer statt Baracken

So sahen die alten Baracken an der Kufsteiner Straße aus, die inzwischen abgerissen sind. Auf dem Gelände soll eine moderne Unterkunft entstehen.

(Foto: Toni Heigl)

Die Bezirksregierung will an der Kufsteiner Straße eine neue Gemeinschaftsunterkunft für 220 Flüchtlinge bauen. Geplant sind drei zweigeschossige Wohnhäuser und ein Verwaltungsbau, die über einen modernen Standard verfügen.

Dachau wird an der Kufsteiner Straße eine neue Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge bekommen. Die alte war im Herbst 2016 nach 25 Jahren geräumt und Anfang 2017 abgerissen worden. Schon Jahre lang war zu diesem Zeitpunkt der heruntergekommene, unwürdige Zustand der Baracken auch von Seiten der Stadträte kritisiert worden. Die Einrichtung wird von der Regierung von Oberbayern betrieben. Sie hat nun bei der Stadt erneut einen Bauantrag gestellt. Die Stadt Dachau war darauf vorbereitet. Sie hatte schon seit 2013 am Flächennutzungsplan für die weitere Nutzung gearbeitet und diesen verabschiedet. Dem Antrag der Bezirksregierung wurde im Bau- und Planungsausschuss ohne Diskussion einstimmig entsprochen.

Insgesamt vier Gebäude sollen errichtet werden. Ein zentrales, flaches Verwaltungsgebäude mit Büros, Gemeinschafts- und Lagerräumen und einem Nebengebäude für Mülltonnen oder Fahrräder. Dazu kommen drei zweigeschossige Wohnhäuser mit Zimmern und Appartements für einen bis fünf Bewohner. Auch eine barrierefreie Wohnung für vier Menschen soll es geben. Insgesamt sollen bis zu 220 Menschen Platz finden. Zuletzt hatten noch 124 Menschen an der Kufsteiner Straße gewohnt. Einige lebten über viele Jahre dort, manche Kinder kannten keine andere Wohnung.

Für die Gemeinschaftsunterkunft an der Kufsteiner Straße beginnt damit ein bedeutendes neues Kapitel in einer langen, meist schwierigen Geschichte. Erstmals genehmigt worden war die Unterkunft für bis zu 150 Menschen 1990. Betreiber war damals der Landkreis. Erst mehr als zehn Jahre später wurde der Bezirk Eigentümer der Anlage. Dringend wurden auch damals Unterkünfte für Flüchtlinge gesucht. Die Stadt Dachau bot als eine der wenigen Kommunen eine Fläche an. Im Februar 1991 zogen die ersten Asylsuchenden ein. Die Notunterkunft mit den dünnen Wänden, durch die es bald an allen Ecken hereinzog und später auch hereinregnete, sollte eigentlich nur fünf Jahre stehen. Doch immer wieder wurde die Nutzungsgenehmigung von der Stadt verlängert. Allerdings forderten die Stadträte schon seit 2001 eine Verbesserung der Wohnsituation für die Flüchtlinge. 2008 schließlich forderte die Stadt von der Bezirksregierung eine Sanierung der Baracken. Die Wende schien 2013 zu kommen, als der damalige Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) persönlich versprach, sich der Sache anzunehmen. Erstmals sollte der Freistaat eine Unterkunft nach dem Standard von Sozialwohnungen errichten. "Jetzt werden neue Wege gegangen", sagte Seehofer damals.

Langfristige Nutzung beabsichtigt

Die Pläne der Bezirksregierung hören sich nun deutlich nüchterner an. Die neue Unterkunft soll in Modulbauweise errichtet werden. Was genau darunter zu verstehen ist, ob das neue Gebäude aus Holz oder aus Beton errichtet wird, kann die Bezirksregierung noch nicht sagen, weil die Ausschreibung noch aussteht. Auf die Frage, ob es sich um das 2013 versprochene Vorzeigeprojekt handelt, antwortet die Bezirksregierung: "Die Gebäude entsprechen dem üblichen guten Standard von Neubauten für Gemeinschaftsunterkünfte. Es gibt darin überwiegend Zweibettzimmer und für einen Teil der Bewohner Apartments unterschiedlicher Größe."

Noch nicht klar ist auch, wie lange diesmal die Unterkunft bestehen soll. Eine langfristige Nutzung sei beabsichtigt, teilt die Regierung mit. Allerdings seien die Verhandlungen der Immobilien Freistaat Bayern mit dem Grundstückseigentümer noch nicht abgeschlossen. 2016 hatte die Regierung den Pachtvertrag gekündigt, weil ihr der Pachtzins zu hoch erschien. In den Verhandlungen ging es zuletzt um 1166 Euro mehr oder weniger. Der Verein Runder Tisch gegen Rassismus hatte sich sogar bereit erklärt, die Summe für einen Monat zu übernehmen, um den Standort zu erhalten.

Der Dachauer Arbeitskreis Asyl, der gegründet wurde, um den Bewohnern in der Kufsteiner Straße beizustehen, hätte im Moment gar keine Kapazitäten für Neuankömmlinge. Die Helfergruppe ist zuletzt immer kleiner geworden. Die Ehrenamtlichen kümmern sich um die Bewohner der Unterkünfte in der Lilienstraße und am Himmelreichweg. Sie helfen im Alltag, in bürokratischen Dingen, unterrichten Deutsch oder unterstützen Kinder bei den Hausaufgaben. Weitere Ehrenamtliche würden dringend gebraucht, sagt Peter Johannsen-Klug. Wenn irgendwann die ersten Bewohner in die neuen Unterkünfte an der Kufsteiner Straße einziehen, wird der Arbeitskreis sicher trotzdem dabei sein und versuchen, neue Helfer zu finden.