Nach der Schlecker-Pleite Leere Läden

Auch ein Jahr nach der Schlecker-Pleite suchen die meisten Eigentümer noch immer nach neuen Mietern für die ehemaligen Geschäftsräume der Drogeriemarktkette im Landkreis.

Von Maria Frings und Anne Heidebrecht

Nichts geschieht in der Schleckerfiliale in Markt Indersdorf in einem Geschäftshaus direkt am Marktplatz.

(Foto: Toni Heigl)

DachauDas große Schlecker-Aus kam im Sommer vergangenen Jahres. Die Drogeriemarktkette hatte Insolvenz angemeldet. Die Geschäftsräume wurden geräumt. Es blieben leere Läden. Neue Mieter gibt es in den meisten Fällen nicht.

Auch Josef Wörmann sucht händeringend nach einem Nachmieter für die einstige Filiale der Drogeriemarktkette in Röhrmoos: "Im ganzen Landkreis sind viele ehemalige Schlecker-Filialen aus ihren Räumlichkeiten ausgezogen. Die stehen jetzt zu 50 Prozent immer noch leer. Dazu gehört leider auch meine Gewerbefläche." Auch in Markt Indersdorf sieht es nicht anders aus. Ein Mitarbeiter des Bauamts der Gemeinde teilte der Süddeutschen Zeitung mit, dass in dem leer stehenden Laden immer noch Annoncen aushängen, auf denen Nachmieter gesucht würden. "Der Laden in Markt Indersdorf steht seit Sommer 2012 leer. Bei uns ist auch kein Antrag auf Nutzungsänderung eingegangen - leider", so der Bauamt-Mitarbeiter. Ebenso in den Gemeinden Odelzhausen und Altomünster, eine Filiale in Karlsfeld sowie in der Pfarrstraße in Dachau stehen die Verkaufsflächen weiterhin zur Vermietung aus.

Liegt das möglicherweise an der ungünstigen Lage der Läden? In Dachaus Altstadt gibt es nach wie vor die noch immer leer stehende Filiale der Schlecker-Tochter "Ihr Platz" im Untergeschoss des ehemaligen Kaufhauses Hörhammer. "Es gibt einige Anfragen von potenziellen Mietern. Und der Eigentümer steht in Verhandlung für eine Nachfolgenutzung", sagt Sabrina Schwaab, städtische Mitarbeiterin der Abteilung für Wirtschaftsförderung. Schon vor der Pleite hatte die Filiale in der Augsburger Straße dicht gemacht. Dort eröffnete, nachdem der Drogeriemarkt ausgezogen war, der Feinkostladen Galini. "Wir sind nun seit September 2012 Mieter und fühlen uns hier sehr wohl", sagt die Inhaberin des Feinkostgeschäfts Karazoulidou Galini. "Auf die Räume sind wir durch Zufall gestoßen. Nach einigen Umbaumaßnahmen können wir die Fläche nun optimal nutzen. Wir haben immer viel Betrieb und sind mit der Lage sehr zufrieden."

Ebenso schnell wechselte der Mieter in Schwabhausen. In der Augsburger Straße gibt es jetzt den Atos Autoteile-Handel. Für Oliver Schmidt, Groß- und Außenhandelskaufmann sowie Geschäftsführer von Atos, war die Insolvenz des Schlecker-Imperiums von Vorteil: "In der Lage hätte ich sonst nichts gefunden, wo ich mein Geschäft hätte aufmachen können", sagt er. "Als wir im Juli 2012 direkt im Anschluss an den Schlecker-Auszug die Ladenfläche übernommen haben, mussten wir nur Kleinigkeiten, wie die Elektrik, umbauen. Ansonsten waren keine Renovierungen erforderlich."

Doch mit der Weitervermietung ehemaliger Schlecker-Läden ging es nicht immer so schnell. In Petershausen dauerte es mehr als ein halbes Jahr, einen neuen Pächter zu finden. "Am 29. August 2012 endete das Mietverhältnis mit dem Schlecker-Unternehmen in der Marbacher Straße. Erst Anfang März dieses Jahres zog der Textil-Discounter NKD in die alten Geschäftsräume ein", so eine Mitarbeiterin des Bauamts der Gemeinde.

Und auch in anderen Orten des Landkreises tut sich etwas. In Haimhausen laufen die Verhandlungen um das leer stehende Erdgeschoss in der Hauptstraße 23 auf Hochtouren. Besitzerin Hildegard Baumann hofft auf einen baldigen Vertragsabschluss. Nähere Informationen zu den neuen Mietern gab sie allerdings noch nicht.

Aber es sind nicht nur neue Geschäfte, die in die einstigen Schlecker-Läden einziehen. Wo die Karlsfelder früher in der Rathausstraße 65 Shampoo und Duschgel kauften, soll nun ein Bürgertreff entstehen. Bis jetzt sei der immer im großen Saal des alten Rathauses gewesen und wurde von der Arbeiterwohlfahrt (Awo) organisiert, sagt Zweiter Bürgermeister Wolfgang Offenbeck. "Nun soll der Treff noch breitere Füße bekommen und vielfältiger werden. Neben Awo sollen noch weitere soziale Organisationen, aber auch die Bürger selbst den Platz für ihre Veranstaltungen bekommen", sagt er. Seit Herbst 2012 laufen die Umbauarbeiten in der alten Schlecker-Zweigstelle. "Der Umzug des Bürgertreffs kommt nicht nur den Menschen im Ort zugute, sondern bringt auch Vorteile für das Heimatmuseum mit sich", sagt Offenbeck. Das Heimatmuseum, das sich im alten Rathaus im ersten Stock befindet, kann sich nun ins Erdgeschoss ausdehnen. "Eröffnung des neuen Bürgertreffs ist voraussichtlich der 10. Mai 2013", sagt Bürgermeister Stefan Kolbe.