Netzausbau:Mobilfunkgegner setzen sich durch

Netzausbau: Im Glonntal bei Sittenbach ist der Handy-Empfang nicht optimal.

Im Glonntal bei Sittenbach ist der Handy-Empfang nicht optimal.

(Foto: Toni Heigl)

Um den Handy-Empfang in Sittenbach zu verbessern, wollte die Telekom einen Sendemast in der Ortsmitte aufstellen. Mehr als die Hälfte der Bürger sprach sich dagegen aus. Nun hat die Gemeinde das Projekt gestoppt.

Von Renate Zauscher, Odelzhausen

Die Entscheidung ist gefallen: Der in der Ortsmitte von Sittenbach geplante Mobilfunkmast, der für besseren Handy-Empfang sorgen sollte, wird nicht gebaut. Einstimmig fasste der Gemeinderat von Odelzhausen am Montag den Beschluss, das Projekt nicht weiterzuverfolgen. Der Rat reagierte damit auf das Ergebnis einer Bürgerbefragung, bei der sich eine klare Mehrheit gegen den Bau des Mastes an der vorgesehenen Stelle ausgesprochen hat.

Der Wunsch nach besserem Handy-Empfang in Sittenbach war bereits vor Längerem an den Odelzhausener Bürgermeister herangetragen worden. Gespräche, die die Gemeinde daraufhin mit der Telekom geführt hatte, ergaben, dass für das Unternehmen nur ein einziger Masten-Standort infrage kam: das Dach des Feuerwehrhauses in der Ortsmitte. Andere Standorte lehnte die Telekom ab; sie seien nicht wirtschaftlich zu betreiben.

Sorgen um gesundheitliche Folgen

Rasch begann sich daraufhin in Sittenbach Widerstand gegen das Projekt zu regen. Eine Bürgerinitiative wurde gegründet mit dem Ziel, den Bau des Mastes mitten im Ort zu verhindern. Marli Kugler, die von Anfang an sehr kritisch gegenüber dem Vorhaben eingestellt war, übernahm das Amt der Sprecherin. "Mir ist es vor allem um den gesundheitlichen Aspekt gegangen, um die von einem solchen Mast ausgehende Strahlung und deren Auswirkungen insbesondere auf die vielen Kinder, die gerade in der Ortsmitte leben", sagt sie. Wissenschaftliche Studien kommen allerdings zu einer anderen Einschätzung: Die von Mobilfunkmasten ausgehende Strahlung sei zu gering, um gesundheitliche Schäden zu verursachen.

Kugler und ihr Team sammelten Unterschriften, verteilten Flugblätter, sprachen persönlich mit fast jedem im Ort. "Ich wollte informieren und sensibilisieren", sagt Kugler. Auch ein Referent, der eine kritische Haltung zur Funkmaststrahlung vertritt, wurde zu einer Diskussionsveranstaltung eingeladen. Die Gemeinde hatte ihrerseits einen wissenschaftlichen Experten zugezogen.

Die Unterschriftensammlung der Interessengemeinschaft ergab, dass die Meinungen innerhalb der Sittenbacher Bürgerschaft deutlich auseinandergehen: Befürworter und Gegner des Mastbaus auf dem Feuerwehrhaus halten sich in etwa die Waage. Viele Bürger hätten sich einen Standort außerhalb der Ortschaft gewünscht.

"Ich freue mich riesig."

Angesichts dieser Stimmungslage beschloss der Odelzhausener Gemeinderat, die Bürger zu befragen. Alle in Sittenbach gemeldeten Personen über 18 Jahre sollten sich dazu äußern können, ob sie mit einer Mobilfunkantenne auf dem Dach des Feuerwehrhauses einverstanden wären. Stichtag für die letztmögliche Abgabe des Fragebogens war der 12. Februar 2024. Die Resonanz auf die Bürgerbefragung war enorm: Von 487 versandten Fragebögen wurden 264 zurückgeschickt. Mit "Ja" stimmten 117 Personen, 146 lehnten es ab.

Im Gemeinderat wurde dem Beschlussvorschlag, das Projekt aufzugeben, angesichts des Votums ohne weitere Diskussion einhellig zugestimmt. Lediglich ein Ratsmitglied brachte noch einmal die Frage nach einem Alternativstandort auf. Bürgermeister Markus Trinkl (CSU) beantwortete sie mit Verweis auf die Haltung der Telekom, die allen Alternativen eine Absage erteilt hatte.

Die etwa zwanzig Zuhörer, die zu der Sitzung gekommen waren, reagierten mit sichtlicher Freude auf das Votum des Rats. Die geplante Positionierung des Mobilfunkmasts wäre wegen der Tallage der Ortsmitte "die ungünstigste überhaupt" und wegen ungenügender Funkabdeckung auch "technisch nicht sinnvoll" gewesen, erklärte ein Sittenbacher nach der Sitzung. "Froh und dankbar" sei er angesichts der Ratsentscheidung, sagte ein anderer Sittenbacher Bürger. Und auch Marli Kugler hörte man ihre Freude und Erleichterung an: "Ich freue mich riesig", sagte sie, "vor allem auch für die Kinder im Ort", unter ihnen die eigenen Enkelkinder.

* Der Text wurde nachträglich ergänzt mit einer wissenschaftlichen Einordnung zu den gesundheitlichen Risiken der Mobilfunkstrahlung.

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