bedeckt München 26°

Mitten in Karlsfeld:Der Impf-Tanz in den Mai

Traditionell wird der Mai mit einem Tanz begrüßt, in diesem Jahr wird dort gejauchzt, wenn man dort eine Spritze mit Astra Zeneca erhält

Glosse von Jacqueline Lang

Auf Tiktok und Instagram kursierten in den vergangenen Monaten immer wieder Memes und Videoclips, die zeigen sollten, wie sich die Spezies Mensch nach der Pandemie auf der Tanzfläche verhalten wird. Zu sehen sind klägliche Versuche, denn nach nunmehr knapp eineinhalb Jahren sind wohl viele überzeugt verlernt zu haben, wie man die Hüften kreisen lässt und die Füße zum Takt bewegt - gesetzt den Fall natürlich, man hat es denn überhaupt jemals beherrscht. Es wird wohl auch noch ein wenig dauern, bis man diese Darstellungen auf ihren Realitätsgehalt hin prüfen kann, zumindest die Clubs und Bars haben nach wie vor geschlossen. Doch wenn es wärmer wird, verlagert sich das Leben ja auch immer mehr nach draußen. Der alljährliche Tanz in den Mai findet zum Beispiel häufig schon im Freien statt. In den Straßen vieler Städte wurde der Tag der Arbeit vor Ausbruch der Pandemie ausgelassen gefeiert. Manche demonstrierten, andere tanzten tatsächlich in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai. Das wird jedoch auch dieses Jahr kaum möglich sein. Oder etwa doch?

Tatsächlich könnte es auch 2021 mit dem Tanzen noch schwierig werden, zumindest in größeren Gruppen. Damit es an diesem Tag trotzdem einen Grund zum Feiern gibt, hat sich das Impfzentrum Karlsfeld etwas ganz Besonderes überlegt: Unter dem Motto "Impf in den Mai" sollen weitere 1000 Impfdosen des Herstellers Astra Zeneca verimpft werden, ganz ohne vorherige Terminvereinbarung und nur solange der Vorrat reicht. Zugegeben: Partys hat man sich vor der Pandemie noch ein wenig anders vorgestellt. Für gute Laune aber sorgt auch bei vielen die dank solcher Aktionen täglich steigende Zahl der gegen das Virus Geimpften. Es sind eben doch die kleinen Dinge im Leben, die zählen, eine Dosis Vakzin zum Beispiel.

Auch wenn ein Sicherheitsabstand von 1,5 Metern in der Menschenschlange vor dem Impfzentrum eingehalten werden muss: So nah kam man seit Ausbruch der Pandemie wahrscheinlich nur noch selten dem Gefühl, ungeduldig vor dem Tanzclub zu warten, von den samstäglichen Schlangen vor dem Supermarkt einmal abgesehen. Außerdem kann ja jede und jeder, beim Warten auf die Spritze das Tanzbein schwingen, in gebührendem Abstand natürlich. Für alberne Moves muss sich niemand schämen: Hinter der Maske erkennt einen ohnehin niemand.

© SZ vom 30.04.2021
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB