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Markt Indersdorf:SPD sieht in Windkraft Eckpfeiler der Energiewende

Das Windrad bei Kammerberg arbeitet nach Aussage der Bürgerenergiegenossenschaft Freising rentabel.

(Foto: Marco Einfeldt)

Der Landkreis hat seine Pläne wegen der 10-H-Regel ad acta gelegt. Die SPD will trotzdem für weitere Anlagen werben.

Ist die Energiewende ohne Windkraft zu schaffen? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Parteitags, den der SPD-Unterbezirk Dachau jetzt in Ried bei Indersdorf veranstaltet hat. Trotz des gescheiterten gemeinsamen Teilflächennutzungsplans zur Ausweisung von geeigneten Windkraftflächen im Landkreis Dachau bewegt das Thema nach wie vor viele Menschen: Gut 50 Zuhörer kamen, unter ihnen auch der Dachauer Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD). Im Diskussionsteil des Abends äußerte sich Hartmann sehr kritisch zu den mittlerweile ad acta gelegten Plänen: Er bezeichnete sie wegen des Verzichts auf eine differenzierte Abstandsregelung als "Verhinderungsplanung", die von vornherein zum Scheitern verurteilt gewesen sei.

Im Grundsatz waren sich praktisch alle einig, die sich in Ried zum Thema Windkraft äußerten: Die Nutzung von Windenergie ist unverzichtbar, wenn man am Ziel der Energiewende festhalten will. Martin Güll, SPD-Landtagsabgeordneter und Vorsitzender des Unterbezirks Dachau, hatte zwei Redner zu der Veranstaltung im Gasthof Doll eingeladen: Andreas Henze von der Bürgerenergiegenossenschaft Freising und den Bürgermeister von Pfaffenhofen an der Ilm, Thomas Herker. Henzes Aussage war klar: Ohne massiven Ausbau von Wind- wie auch Sonnenkraftanlagen werde die Energiewende nicht zu schaffen sein. Um den weltweiten Temperaturanstieg auf zwei Grad begrenzen zu können, müsse der CO₂-Ausstoß aus fossilen Quellen bis 2050 auf Null heruntergefahren werden, erklärte Henze. Wollte man ihn auf 1,5 Grad beschränken, so müsse dieses Ziel schon 2040 erreicht sein. "Es wird sehr eng", sagte Henze mit Blick auf dieses Zeitfenster. Auch wenn es kleinere Potenziale für den Ausbau der erneuerbaren Energien bei Wasser, Biomasse und Geothermie gebe, so blieben im Wesentlichen nur Sonne und Wind, "der Rest ist Beiwerk".

Verhinderung von noch mehr Leitungstrassen

Die Energiewerte des Windrads bei Kammerberg, das die Genossenschaft betreibt, hätten nach dem ersten Jahr gezeigt: "Auch in unserer Region ist Windkraft darstellbar." Das sei deshalb so wichtig, weil für die Verhinderung von noch mehr Leitungstrassen als ohnehin nötig und für eine entsprechende Versorgungssicherheit Sonne und Wind sowohl im Norden wie im Süden Deutschlands genutzt werden müssten.

In Pfaffenhofen an der Ilm wollen Bürgermeister und Gemeinderat bis 2021 hundert Prozent des örtlichen Strombedarfs aus lokalen Quellen decken. Man sei auf einem guten Weg dorthin, berichtete Thomas Herker. Um das gesteckte Ziel zu erreichen, müssten allerdings drei Windräder gebaut werden. Mit einem Ratsbegehren warb die Gemeinde für die Zustimmung der Bürger zur Fortführung entsprechender Planungen. 56,6 Prozent der Pfaffenhofener stimmten für das Projekt, das Verfahren ist allerdings noch nicht abgeschlossen. Auch wenn Windkraft "nicht populär" sei, solle man den Bürger unbedingt mit einbeziehen, ihn zum "Mittäter" machen und alle auch auf der kommunalen Ebene möglichen Entscheidungsspielräume nutzen, riet Herker seinen politischen Kollegen. Auch Michael Schrodi, SPD-Bundestagskandidat von Dachau und Fürstenfeldbruck, plädierte in einem Redebeitrag für die Windkraftnutzung.

Hubert Böck siehte keine Alternative zur Windkraftnutzung

Im Diskussionsteil des Abends gab es Nachfragen zu verschiedensten Aspekten des Themas. Dabei wurde wiederholt Kritik an der 10-H-Regelung der Staatsregierung geübt, die dazu geführt habe, dass praktisch keine neuen Windräder mehr geplant und gebaut würden. Ein einziger Zuhörer übte Kritik an den von Andreas Henze vorgelegten Zahlen: Es handle sich um "Milchmädchenrechnungen", argumentierte der Mann. "Wer Atomkraft nicht will, muss auf die erneuerbaren Energien setzen, an der Speichertechnik arbeiten, und der Gesetzgeber muss die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schaffen", lautete Henzes Antwort.

Bei der SPD im Landkreis will man sich für genau das einsetzen. So hält auch Hubert Böck, stellvertretender Bürgermeister von Indersdorf, die Windkraftnutzung für "alternativlos". Es sei möglich, auch unabhängig von einem landkreisweiten Teilflächennutzungsplan den Windradbau in Eigeninitiative der Kommunen voranzubringen. "Man muss den Bürger überzeugen, dass wir Windräder brauchen." Auch Martin Güll will am Thema dranbleiben. Er wolle die Menschen dafür "sensibilisieren" und nach Lösungen suchen".

© SZ vom 21.11.2016/gsl
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