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Linie A:Bürgermeister machen Druck

Alle 17 Rathauschefs im Landkreis fordern eine termingerechte Fertigstellung der Linie A im Dezember 2014. Das Eisenbahnbundesamt aber will sich wegen "vielschichtiger Unwägbarkeiten" auf keinen Termin festlegen.

- Alle 17 Bürgermeister des Landkreises werden einen Appell an Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) richten und darauf pochen, dass die Hängepartie um die Linie A beendet und der vereinbarte Termin für die Fertigstellung einer zweiten S-Bahn von Altomünster über Dachau nach München für den Landkreis noch im Dezember 2014 eingehalten wird. Der Sprecher der Bürgermeister, Konrad Wagner aus Altomünster, ist überzeugt, dass dieses für den Landkreis wichtigste Vorhaben seit Jahrzehnten nur noch termingerecht durchgesetzt werden kann, wenn ein entsprechend hoher politischer Druck aufgebaut wird. Die Linie A soll el ektrifiziert werden.

Idyllisch, aber ziemlich langsam: Der "Bummerlzug" der Linie A vor dem Kloster Indersdorf.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Insofern begrüßt Wagner das Warnsignal, das die Bundestagsabgeordnete und CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt am vergangenen Samstag in Dachau setzte. Dadurch wurde erstmals öffentlich bekannt, dass das Vorhaben weiteren Verzögerungen ausgesetzt sein könnte. Bürgermeister Wagner sagt der SZ am Dienstag: "Damit hat Hasselfeldt einen wichtigen Pflock eingeschlagen." Auf der Versammlung der CSU-Kreisdelegierten hatte sie von ihren Versuchen berichtet, den Ausbau der Linie A zu forcieren. Dabei sei sie auf Vorbehalte bei der dafür maßgeblichen Behörde, dem Eisenbahn-Bundesamt, gestoßen. "Auf Beamtenebene" sei ihr mitgeteilt worden, dass das Genehmigungsverfahren sich wegen Personalmangels wohl weiter verzögere.

Die Bürgermeister trafen sich daraufhin am vergangenen Montag, um ihre Vorgehensweise abzustimmen. "Alle, auch die Bürgermeister, deren Gemeinden nicht an der A-Linie liegen, haben ein gemeinsames Schreiben an Bundesverkehrsministerium beschlossen", sagt Wagner. In dem Schreiben wollen sie Minister Ramsauer auffordern, das Eisenbahn-Bundesamt anzuhalten, "dass die Genehmigung spätestens bis Ende Februar 2013 vorliegt. Noch besser wäre Ende 2012". Nur wenn diese Frist eingehalten wird, könne die Ausschreibung der Arbeiten von Dachau bis Altomünster rechtzeitig beginnen, sagt Wagner weiter. Nur dann erscheint es ihm realistisch, dass die Elektrifizierung der Strecke und, damit einhergehend, der Bau einer teilweise neuen Trasse bis Dezember 2014 gelingt. Die Linie A würde in zwei Bauphasen jeweils während der Sommerferien 2013 und 2014 zur S-Bahn ausgebaut.

Wie dringend nötig diese konzertierte Intervention aller Bürgermeister ist, ergibt sich aus einem Antwortschreiben des Eisenbahnbundesamts an die SZ zu Hasselfeldts Äußerungen. In der Stellungnahme formuliert die Pressestelle des Bundesamts zunächst ihre grundsätzlichen Vorbehalte gegenüber terminlichen Festlegungen, weil Eisenbahnprojekte "naturgemäß mit vielschichtigen Unwägbarkeiten behaftet sind". Weiter heißt es: "Unter Zurückstellung dieser Bedenken zur Aussagekraft von Prognosen, halten wir nach dem derzeitigen Verfahrensstand einen Abschluss des Verfahrens Mitte 2013 für realistisch." Damit wäre eine Fertigstellung dieses für den Öffentlichen Nahverkehrs im Landkreis so bedeutenden Vorhabens frühestens im Dezember 2015 möglich. Aber als verbindliche Zusage ist die Ankündigung der Behörde des Bundesverkehrsministeriums wohl nicht zu lesen. "Das sehe ich auch so", sagte Wagner.

Allerdings ist aus seiner Sicht noch ein weiteres Problem zu lösen: die Finanzierung des etwa 50 Millionen Euro teuren Ausbaus. Seit Jahren warten Wagner und seine Kollegen darauf, dass das Bayerische Wirtschaftsministerium als maßgeblicher Geldgeber und die Deutsche Bahn AG sich endlich einigen. Die steht anscheinend kurz bevor, wie einer Stellungnahme des Bayerischen Wirtschaftsministeriums zu entnehmen ist. Die Pressestelle teilte der SZ mit: "Die Verhandlungen zwischen Freistaat und der Bahn sind weit vorangeschritten. Der Freistaat geht davon aus, dass noch letzte offene Punkte im Rahmen der laufenden Gespräche mit der Bahn zeitnah geklärt werden können." Pressesprecherin Cordula Hartl sagte darüberhinaus, dass das Wirtschaftsministerium in die Offensive gehen wolle und nicht nur bei der Bahn, sondern auch beim Eisenbahnbundesamt "eine beschleunigte Realisierung unterstützt". Am liebsten hätte der Landkreis den Ausbau schon im Dezember gefeiert, rechtzeitig zum 100. Jubiläum der früheren, literarisch verewigten "Bockerlbahn".

© SZ vom 26.09.2012

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