Landkreis Dachau Heimat der Pendler

Die Einkommen steigen, doch die Wirtschaftsleistung ist gering, weil 45 500 Einwohner außerhalb des Landkreises arbeiten.

Von Walter Gierlich

Zu Ludwig Thomas Zeiten war der Dachauer Raum noch das Paradebeispiel eines bäuerlich geprägten Landstrichs. Das ist vorbei. Der wirtschaftliche Wandel geht längst auch hier von der Industrie- hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft. Weiter im Rückgang begriffen ist die Bedeutung der Land- und Forstwirtschaft. Das geht aus einer umfangreichen statistischen Datensammlung hervor, die der Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München jetzt für jeden einzelnen Landkreis rund um die Landeshauptstadt herausgegeben hat.

Ein negatives Saldo: Zwar gibt es mit etwa 22.500 eine stattliche Zahl von Einpendlern, die von auswärts zur Arbeit in den Landkreis kommen. Doch liegt die Zahl der Menschen aus dem Landkreis, die ihr Brot anderswo verdienen, mit rund 45.500 wesentlich höher.

(Foto: dpa)

Während die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im produzierenden Gewerbe in den vergangenen zehn Jahren von 9594 im Jahr 2000 auf 9210 im Jahr 2010 deutlich zurückging, gab es im Dienstleistungsbereich einen starken Anstieg. In Handel, Gastgewerbe und Verkehr gab es in diesem Zeitraum einen Zuwachs von 6518 auf 8221, bei den übrigen Dienstleistungen stieg die Zahl der Angestellten von 10 193 auf 13 125. Ablesbar ist der Wandel auch an der Bruttowertschöpfung in den einzelnen Wirtschaftsbereichen: Im Agrarsektor gab es im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts einen Rückgang von 40 auf 30 Millionen Euro. Das produzierende Gewerbe musste ebenfalls Einbußen hinnehmen: Die Wertschöpfung fiel von 635 Millionen auf 596 Millionen Euro. Im Dienstleistungsbereich hingegen konnten die Statistiker einen Anstieg von 1,336 Milliarden auf 1,980 Milliarden Euro verzeichnen.

Allerdings steht der Landkreis Dachau damit wirtschaftlich nicht gerade super da. Hier wurde 2009 ein Bruttoinlandsprodukt von 21 753 Euro je Einwohner erwirtschaftet - knapp 7000 Euro weniger als im Bundesdurchschnitt. Damit liegt Dachau bayernweit auf Platz 84 von 96 Landkreisen und kreisfreien Städten. Dabei liegt der Kreis bundesweit auf Platz acht und bayernweit sogar auf Platz sechs bei der Einkommenssteuerkraft, die bei rund 500 Euro pro Einwohner liegt.

Erklärlich ist die Diskrepanz zwischen hohen Einkommen und schwacher Wirtschaftsleistung mit den Pendlerzahlen: Zwar gibt es mit etwa 22 500 auch eine stattliche Zahl von Einpendlern, die von auswärts zur Arbeit in den Landkreis kommen. Doch liegt die Zahl der Menschen aus dem Landkreis, die ihr Brot anderswo verdienen, mit rund 45 500 wesentlich höher. Mit diesem negativen Pendlersaldo von fast 22 900 Personen liegt Dachau auf Platz 91 unter 96 Städten und Landkreisen in Bayern.

Auch innerhalb des Landkreises haben sich die ökonomischen Gewichte verschoben - in den ländlichen Raum, vor allem wenn man die Steuereinnahmen pro Kopf der Bevölkerung anschaut. Dabei lag 2010 die Gemeinde Sulzemoos mit 2022 Euro je Einwohner klar an der Spitze, gefolgt von Bergkirchen (1103 Euro), Vierkirchen (1071 Euro), Weichs (1039 Euro) und der Kreisstadt Dachau (966 Euro). Auffallend bei Sulzemoos ist auch die Verteilung der Steuereinnahmen: 72,4 Prozent machte die Gewerbesteuer aus, nur 22,7 Prozent der Einkommensteueranteil. In Erdweg sieht es völlig anders aus: Die Gewerbesteuer spült nur elf Prozent in die Gemeindekasse, 73 Prozent macht der Einkommenssteueranteil aus. Gerhard Weber, Pressesprecher des Landratsamts, macht die Lage als Ursache für die verstärkte Ansiedlung von Firmen aus: "Die Autobahn ist eindeutig ein Standortvorteil."